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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Zweites Buch. Briefe von Augustins Erhe­bung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputa­tion mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XVIII. (Nr. 31.) An Paulinus und Therasia

5.

Gott weiß es, daß ich nicht bloß um meiner persönlichen Sehnsucht willen, auch nicht bloß wegen jener, die euren frommen Entschluß1 durch uns oder durch die allgemeine Stimme kennen gelernt haben, sondern auch wegen all der anderen, die nichts hören oder das Gehörte nicht glauben, doch aber, was sie erfahren, zu beurteilen vermögen, den dringenden Wunsch hege, ihr möget in dieses Land kommen. Obwohl ihr nämlich Werke des Eifers und der Barmherzigkeit verrichtet, so „sollt ihr doch auch euer Licht vor den Menschen in unseren Gegenden leuchten lassen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater preisen, der im Himmel ist“2. Die Fischer verließen auf den Ruf des Hernn ihre Schifflein und ihre Netze und freuten sich noch in der Erinnerung, alles verlassen zu haben und dem Herrn nachgefolgt zu sein3. Denn in Wahrheit verachtet nur der alles, der nicht nur verachtet, was er haben konnte, sondern auch, was er haben wollte. Was man wünscht, sehen freilich nur Gottes, was man besitzt, sehen auch der Menschen Augen. Aber sonderbarer Weise fesselt, wenn man auch überflüssige und irdische Dinge liebt, doch mehr das, was wir besitzen, als das, was wir erstreben. Warum doch ging jener Jüngling, der den Herrn um Rat gefragt hatte, wie er das ewige Leben erwerben könne, traurig hinweg, als er hörte, er müsse, wenn er vollkommen sein wolle, all das Seinige verkaufen und es unter die Armen verteilen, dann allerdings werde er im Himmel einen Schatz besitzen? Doch aus keinem anderen Grunde, als weil er, wie das Evangelium sagt, großen Reichtum besaß4. Denn etwas anderes ist es, das, was fehlt, sich nicht verschaffen zu wollen, etwas anderes, sich von dem zu trennen, was man bereits besitzt. Auf jenes verzichtet man wie auf eine Speise, dieses wird abgeschnitten wie ein Glied. Wie groß und wie wundervoll ist also die christliche Liebe, die auch zu unseren Zeiten darauf achtet, daß durch das Evangelium mit Freude geschehe, was der Reiche aus dem Mund des Herrn mit Traurigkeit vernommen hat!

1: Das bezieht sich auf die freiwillige Armut von Paulinus und Therasia, die, obwohl von hohem Range und großem Reichtume, doch alles verkauften, um es den Armen zu geben.
2: Matth. 5, 16.
3: Matth. 19, 27 und Luk. 18, 28.
4: Matth. 19, 21 und 22; Luk. 18, 22 und 23.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger