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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Erstes Buch. Briefe von Augustins Bekeh­rung (386) bis zu seiner Erhebung zum Bischof von Hippo (395).
XV. (Nr. 27.) An Paulinus

2.

Denn ich habe deinen Brief gelesen, der von Milch und Honig fließt und die Einfalt deines Herzens offenbart, in der du den Herrn suchst, indem du in Liebe seiner gedenkest; Ehre und Lob bringt er dem Herrn dar. Gelesen haben ihn auch meine Brüder, und sie werden nicht müde, sich zu freuen über die so unaussprechlich reichlichen und herrlichen Gaben Gottes, die du besitzest. Alle die ihn gelesen haben, reißen andere zur Bewunderung hin, denn sie wurden selbst hingerissen, da sie ihn lasen. Wie süß ist der Wohlgeruch Christi, und wie unaussprechlich atmet er aus deinem Briefe! Da dieser Brief einen Blick in dein Herz gestattet, wie sehr treibt er da uns an, dich aufzusuchen! Zeigt er doch nicht bloß dein Angesicht, sondern erweckt auch Sehnsucht nach dir! Ersetzt er uns aber in gewissem Grade deine Gegenwart, so gestattet er uns doch keineswegs, deine Abwesenheit zu ertragen. Es lieben dich alle wegen dieses Briefes und verlangen, von dir geliebt zu werden. Gelobt und gepriesen wird Gott, durch dessen Gnade du solche Vorzüge besitzest. Da1 wird Christus angefleht, dir in deinem Streben, bei ihm bleibende Wohnung zu finden, Winde und Meere günstig zu machen. Da sehen die Leser eine Gattin2, die ihren Gatten nicht zur entnervenden Wollust verführt, sondern seinen Gliedern neue Kraft einflößt. Sie, die mit dir zur Einheit verschmolzen und mit um so stärkeren Geistesbanden dir verknüpft ist, je keuscher diese Bande sind, grüßen wir mit der eurer Heiligkeit schuldigen Hochachtung in dir allein. Da werden die Zedern des Libanon gefällt und in den Bau der Arche mit dem Bindemittel der Liebe gefügt, so daß sie, ohne zu faulen, die Wogen dieser Welt durchschneiden. Da wird die Ehre verachtet, damit man sie erlange, die Welt verlassen, damit man sie erobere. Da werden die kleinen wie die großen Kinder Babylons an die Felsen geschleudert, als da sind die Laster der Menschenfurcht und des weltlichen Stolzes.

1: Nämlich in dem Briefe des Paulinus.
2: Therasia.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger