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Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)
Erstes Buch. Briefe von Augustins Bekeh­rung (386) bis zu seiner Erhebung zum Bischof von Hippo (395).
XIII. (Nr. 22.) An Bischof Aurelius

9.

Wenn auch, was ich jetzt geschrieben habe, für deine Heiligkeit nicht notwendig ist — du mögest nun in dieser Beziehung noch mehr und Nützlicheres erwägen oder bei deiner Heiligkeit einer solchen Arznei überhaupt nicht bedürfen —, so hat es doch wenigstens den Zweck, daß du hierdurch meine Verkehrtheit kennen lernest und erfahrest, in welcher Richtung du um meiner Armseligkeit willen zu Gott beten sollst. Dies mit allem Eifer zu tun, darum flehe ich durch die Menschheit dessen, der das Gebot gegeben hat, daß einer des anderen Last trage. Vieles habe ich aus meinem Leben und von meinem Verhalten zu beweinen, was nicht auf brieflichem Wege zu dir gelangen soll: keine andere Vermittlung soll zwischen meinem und deinem Herzen sein als mein Mund und dein Ohr. Wenn aber der uns so verehrungswürdige und von uns allen von ganzem Herzen geliebte alte Saturninus, von dessen wahrhaft brüderlicher Zuneigung und Hingebung gegen dich ich bei meiner Anwesenheit Zeuge war, bei guter Gelegenheit uns mit seinem Besuche beglücken wird, so wird bei seiner Heiligkeit und seinem geistlichen Eifer meine Besprechung mit ihm nur ein Gespräch mit dir ganz oder doch beinahe ersetzen. Mögest du ihn mit uns darum ersuchen und es uns auswirken, das flehe ich mit so dringenden Bitten, daß sie sich gar nicht in Worte kleiden lassen. Denn die Leute zu Hippo fürchten es allzusehr, wenn ich mich so weit von hier entferne, und wollen mir nicht so viel trauen, wie ich euch1.

Daß durch deine Vermittlung und Freigebigkeit den Brüdern2 ein Grundstück geschenkt worden sei, haben wir schon vor dem Empfange deines Briefes durch unseren heiligen Bruder und Mitknecht Parthenius erfahren und auch viel anderes von ihm gehört, was wir mit Freude vernahmen. Der Herr wird verleihen, daß auch das übrige, was wir noch ersehnen, in Erfüllung gehe.

1: Bei dem hohen Alter des Bischofs Valerius hatten sich die Einwohner von Hippo bereits den heiligen Augustinus als dessen Nachfolger in Gedanken ausersehen und fürchteten nur, er möchte schon früher von einer anderen Stadt zum Bischof erkoren werden. Deshalb wollten sie ihn nicht aus ihren Mauern lassen.
2: Die mit Augustin zusammenlebten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger