Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil) Erstes Buch. Briefe von Augustins Bekehrung (386) bis zu seiner Erhebung zum Bischof von Hippo (395). X. (Nr. 16.) Maximus Madaurensis an Augustinus
2. Aber daß ich unmöglich über die Größe deines Irrtums hinwegsehen kann, will ich dir nicht verheimlichen. Könnte in der Tat jemand schweigen, wenn dem Blitze schleudernden Jupiter ein Miggo vorgezogen wird? Der Juno, Minerva, Venus, Vesta eine Saname? Allen unsterblichen Göttern aber — o Frevel! — der Erzmärtyrer Namphanio? Wird doch auch unter jenen Lucitas mit nicht geringer religiöser Verehrung betrachtet, und ebenso andere in unbegrenzter Zahl (Namen, die verabscheut sind von Göttern und Menschen), die dann, wenn sie das schmachvolle Ende fanden, das ihnen Charakter und Haltung verdient hatten, ihre Verbrechen krönten, indem sie einen edlen Tod vortäuschten, obwohl sie sich doch ihrer verabscheuungswürdigen Taten bewußt waren. Solcher Personen Grabmäler (wenn man es überhaupt erwähnen soll!) besuchen nun die Toren, die unsere Tempel verlassen und die Götter ihrer Vorfahren vernachlässigen, so daß die Weissagung jenes grollenden Dichters erfüllt ist: „In Tempeln der Götter schwört Rom bei Schatten von Menschen.“1. Mir wenigstens scheint es, als ob zu dieser Zeit ein zweiter aktischer Krieg begonnen habe, in dem ägyptische Ungeheuer, zu baldigem Untergange bestimmt, es wagen, ihre Waffen gegen die Götter der Römer zu kehren.
1: Lucan. Phars. VII 459.
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