Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil) Erstes Buch. Briefe von Augustins Bekehrung (386) bis zu seiner Erhebung zum Bischof von Hippo (395). X. (Nr. 16.) Maximus Madaurensis an Augustinus
1. Da ich wünsche, häufig durch Nachrichten von dir erfreut zu werden, und Verlangen nach deiner Logik trage, mit der du mich kurz vorher auf so angenehme Weise, ohne Verletzung des Taktes, angegriffen hast, so unterlasse ich es nicht, dir in demselben Geiste zu antworten, da du sonst mein Schweigen als ein Eingeständnis meiner Niederlage ansehen könntest. Doch bitte ich dich: leihe diesen Sätzen ein freundliches Gehör, auch wenn du in ihnen die Schwäche des Alters spüren solltest. Die griechische Mythologie berichtet uns, allerdings ohne genügende Sicherheit, daß der Olymp die Wohnung der Götter sei. Aber tatsächlich sehen wir, daß das Forum unserer Stadt von einer Menge gütiger Götter in Besitz genommen ist; und wir billigen es. Wer könnte denn auch so toll und verblendet sein, in Abrede zu stellen, daß es einen höchsten Gott gibt, ohne Anfang, ohne Erzeugung, der in der Tat der große und mächtige Vater des Alls ist? Seine Kräfte, die durch das ganze Weltall verstreut sind, sind es, die wir unter vielen Namen anrufen, da wir ja alle seinen eigentlichen Namen nicht kennen. Denn ‚Gott’ ist ein allen Religionen geläufiger Begriff. So kommt es, daß wir uns einzelnen Gliedern von ihm in mannigfachen Bitten nähern, in Wirklichkeit aber offenbar ihn, in dem sich all diese Teile vereinigen, verehren.
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