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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch

III. Kapitel

13.

1. "Vom anderen will ich schweigen"1 und preise den Herrn. Nur das eine will ich noch sagen: Jene gnostischen Seelen gelangen durch die Herrlichkeit ihres Schauens über das Bürgertum2 in allen den heiligen Ordnungen hinaus, nach denen die seligen Wohnungen der Götter bestimmt und durch das Los festgesetzt sind; sie werden als heilig unter die Heiligen3 gezählt und ganz und gar aus dem ganzen bisherigen Bereich in einen anderen versetzt; sie gelangen in bessere und immer bessere Räume,4 bis sie die Freude haben, Gott nicht mehr in Spiegeln oder vermittelst von Spiegeln5 zu schauen, sondern den Anblick genießen, der, soweit es möglich ist, ganz der Wirklichkeit entspricht und völlig deutlich ist und dessen die von übergroßer Liebe erfüllten Seelen nie überdrüssig werden können; sie werden sich bis in unendliche Zeiten ohne Aufhören ewiger Wonne erfreuen und alle durch die vollkommene Gleichheit der überragenden Stellung geehrt bleiben. Dies ist das die Wirklichkeit so, wie sie ist, [S. 20] erfassende Schauen,6 derer, die "reinen Herzens"7 sind.

2. Dies ist also die Lebensaufgabe des vollkommenen Gnostikers, durch den großen Hohenpriester8 Gemeinschaft mit Gott zu pflegen und nach Möglichkeit dem Herrn durch eine vollkommene Gott erwiesene Dienstleistung ähnlich zu werden,9 die die Rettung der Menschen zum Ziel hat, sowohl dadurch, daß er Vorsorge für die uns bestimmte Wohltat trifft, als auch dadurch, daß er uns dient, uns unterrichtet und uns durch Werke Wohltaten erweist.

3. Indem der Gnostiker sich auf diese Weise bemüht, Gott ähnlich zu werden,10 wird er gleichsam sein eigener Schöpfer und Bildner11 und gibt auch denen, die auf ihn hören, die rechte Gestalt; und, soweit es möglich ist, macht er dem, der von Natur die Freiheit von Leidenschaften besitzt, das Wesen ähnlich, das durch Selbstbeherrschung allmählich an Leidenschaftslosigkeit gewöhnt wurde,12 und das tut er, indem er "unverrückbar"13 in Gemeinschaft mit dem Herrn lebt und mit ihm verbunden ist.

4. Der Maßstab für diese gnostische Annäherung an Gott sind, wie ich meine, Sanftmut und Güte und erhabene Frömmigkeit.

1: Aischilos, Agamemnon 36.
2: Vgl. vielleicht Phil 3,20.
3: Vgl. Jes 57,15 u.ö.; Strom. VII 56,4.
4: Vgl. Platon, Gesetze X p.904 D.
5: 9Vgl. 1Kor 13,12.
6: Zu dem stoischen Ausdruck (xxx) vgl. E. Zeller, Philos. der Griechen III 1, 4. Aufl. S. 83 Anm. 2.
7: Vgl. Mt 5,8.
8: Vgl. Hebr 4,14.
9: Vgl. Platon, Staat X p.613 B.
10: Vgl. ebd.
11: Vgl. Strom. IV 152,2.
12: Vgl. ebd. VI 74,1.
13: Vgl. 1Kor 7,35.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger