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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
III. Kapitel

20.

1. Aber weder sie noch die überzeugenden Worte können, da sie an der Oberfläche haften, einen auf Wissen [S. 26] begründeten, dauernden Besitz der Wahrheit verschaffen.

2. Aber die griechische Philosophie reinigt gewissermaßen die Seele im voraus und gewöhnt sie im voraus an die Aufnahme des Glaubens;1 auf diesem Grund erbaut2 dann die Wahrheit die Erkenntnis.

3. Er (der Gnostiker) ist, ja er ist der wahre Wettkämpfer, der auf dem großen Kampfplatz, nämlich in der schönen Welt, wegen des wahren Sieges über alle Leidenschaften mit dem Siegeskranz gekrönt wird.

4.3 Denn der, welcher den Kampf veranstaltet, ist der allmächtige Gott, der Kampfrichter aber ist der eingeborene Sohn Gottes, und Zuschauer sind Engel4 und Götter,5 und der mit allen Waffen zu führende Allkampf geht "nicht gegen Fleisch und Blut",6 sondern gegen die durch das Fleisch wirkenden "geistigen Mächte"7 ungestümer Leidenschaften.

5. Wenn er aus diesem gewaltigen Ringen als Sieger hervorgegangen ist und Kämpfe, die der Versucher gleichsam über ihn verhängt hat, glücklich überstanden hat, dann hat er die Unsterblichkeit erlangt. Denn die Entscheidung Gottes ist unfehlbar in seinem überaus gerechten Gericht.

6. Die Zuschauer sind also eingeladen, den Kampf zu betrachten, die Wettkämpfer sind auf dem Kampfplatz zum Ringen angetreten; von ihnen gewinnt aber der den Preis, der den Weisungen des Lehrmeisters gehorsam war.

7. Denn allen sind von Gott alle Möglichkeiten in gleicher Weise gegeben, und ihm selbst kann man keine Vorwürfe machen; denn jeder, der kann, wird die Entscheidung herbeiführen, und jeder, der will, wird den Sieg gewinnen,8 Zu diesem Zweck haben wir auch den Verstand erhalten, damit wir wissen, was wir tun, und hier gilt der Satz "Erkenne dich selbst!"9 Wir sollen nämlich wissen, wozu wir geschaffen sind.

8. Wir sind aber dazu geschaffen, daß wir den Geboten gehorsam sind, wenn wir uns für den Wunsch entscheiden, gerettet zu werden. Das ist [S. 27] wohl die Adrasteia10 (die unentrinnbare Notwendigkeit) deren Bedeutung ist, daß es unmöglich ist, Gott zu entrinnen.

1: Vgl. Strom. I 30,1 mit Anm.; I 93,5; VI 80,1 ff.
2: Vgl. 1Kor 3,10 ff.
3: Zu dem Bild von dem Wettkampf vgl. Protr. 96,3; Quis div. salv. 3,6; Tert. Ad mart. 3.
4: Vgl. 1Kor 4,9.
5: Vgl. oben 5,6 mit Anm.; 13,1; unten 56,3.
6: Vgl. Eph 6,12.
7: Vgl. ebd.
8: Vgl. Gorgias Fr. 8 Diels, Vorsokr. 5. Aufl. II S. 287,7 (Strom. I 51,3).
9: Vgl. Strom. I 60,3.
10: Nach Platon, Phaidros p. 248 C ist Adrasteia Richterin im Totenreich; vgl. das Scholion zu der Stelle. Nach Areios Didymos bei Eusebios, Preap. Evangel. XV 15,6 nannten die Stoiker (Chrysippos Fr. phys. 528 v. Arnim) den Zeus Adrasteia, weil ihm niemand entrinnen kann. Die gleiche Etymologie des Namens auch bei Suidas s.v. u.ö.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger