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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
III. Kapitel

16.

1. Fromm ist also der Gnostiker, der zuerst für sich selbst sorgt, dann aber auch für seine Nächsten, damit wir die höchste Stufe sittlicher Vollkommenheit erreichen. Denn auch der Sohn macht einem guten Vater eine Freude damit, wenn er sich als tüchtig und als dem Vater ähnlich erweist, und ebenso ist es bei einem Untergebenen seinem Gebieter gegenüber.

2. Denn zu glauben und zu gehorchen steht in unserer Macht. Als die Ursache des Bösen kann man aber die Schwachheit der menschlichen Natur und die unbedachten Triebe der Unwissenheit und die sinnlosen, aus unserem Unverstand erwachsenden, zwingenden Gewalten ansehen.

3. Über all dies gewinnt der Gnostiker durch sein Lernen wie über wilde Tiere die Oberhand1 und tut nach Kräften den Menschen, die willig sind, Gutes und ahmt so den Willen Gottes nach.

4. Und wenn er einmal in ein obrigkeitliches Amt eingesetzt wird, so wird er wie Moses zum Wohle seiner Untergebenen regieren und wird das Wilde und Trotzige veredeln, indem er die Besten mit Ehren auszeichnet, die Schlechten aber bestraft, da ja die Strafe mit Recht zu den Erziehungsmitteln gerechnet wird.2

5. Denn mehr als alles andere ist die Seele eines Gerechten
"Ein Abbild Gottes,3 das Gott wirklich ähnlich ist".4
Denn in einer solchen Seele nimmt infolge des Gehorsams gegen die Gebote Sitz und Wohnung der Herrscher über alle Sterblichen und Unsterblichen,5 der König und [S. 23] Schöpfer alles Guten, der in Wahrheit Gesetz und Satzung und ewiges Wort ist, der einzige Heiland für jeden einzelnen für sich und für alle zusammen.

6. Er ist der wahrhaft Eingeborene,6 das Gepräge der Herrlichkeit7 des alles beherrschenden Königs und allmächtigen Vaters, und er prägt selbst nach seinem eigenen Bild8 dem Gnostiker die vollkommene Erscheinung wie mit einem Siegel ein, so daß von Gott jetzt bereits an dritter Stelle9 ein Abbild vorhanden ist, das so viel wie möglich der zweiten Ursache ähnlich wird, nämlich dem wahrhaftigen Leben, dem wir es zu verdanken haben, wenn wir ein wahres Leben leben,10 indem wir gleichsam den Gnostiker nachbilden, der ein Vorbild für uns geworden ist, da er nur bei dem Beständigen und durchaus Unveränderlichen verweilt.

1: Vgl. Platon, Staat IX p. 588 C; 589 B.
2: Vgl. Sprichw 3,12; Strom. IV 154,2.
3: Vgl. Platon, Timaios p. 37 C.
4: TGF Adesp. 117.
5: Vgl. Pindaros Fr. 169 Schroeder (Strom. I 181,4; II 19,2.
6: Vgl. Joh 1,18.
7: Vgl. Hebr 1,3.
8: Vgl. Gen. 1,26.
9: Vgl. Platon, Staat X p. 597 E ff.; Strom. IV 30,2 f. mit Anm.
10: Vgl. 1Tim 6,19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger