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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Siebtes Buch
II. Kapitel

7.

1. Nun ist gewiß der gegen niemand mißgünstig gesinnt, der alle in gleicher Weise berufen, denen aber außerordentliche Ehren zugewiesen hat, die sich durch ihren Glauben ausgezeichnet haben.1 Andererseits kann es gewiß kein Hindernis für den geben, der Herr über alles ist, und ganz besonders nicht, wenn er den Willen seines guten und allmächtigen Vaters2 vollführt.

2. Aber da der Herr von Ewigkeit her frei von jeder Leidenschaft ist, so ist er auch dem Neid völlig unzugänglich;3 zudem sind die menschlichen Dinge wahrlich nicht der Art, daß sie den Neid des Herrn erregen könnten. Vielmehr ist es ein anderer, der von Neid erfüllt ist4 und der auch den Leidenschaften zugänglich war.

3. Man kann aber ebensowenig behaupten, daß der Herr infolge von Unwissenheit die Menschheit nicht retten wolle, weil er nämlich nicht wisse, auf welche Weise für jeden einzelnen zu sorgen sei.

4. Denn Unwissenheit ist völlig undenkbar bei dem Sohn, der vor [S. 15] Erschaffung der Welt5 Ratgeber seines Vaters6 war. Denn er war die Weisheit, an der der allmächtige Gott sich "freute".7

5. Denn eine "Kraft Gottes"8 ist der Sohn, da er das ursprüngliche Wort des Vaters ist, früher als alle erschaffenen Dinge, und im eigentlichen Sinn könnte man ihn "Weisheit"9 Gottes nennen und Lehrer der durch ihn Geschaffenen.

5. Ferner läßt er sich gewiß nicht durch irgendeine Lust abziehen, so daß er die Fürsorge für die Menschen vernachlässigte, er, der ja das von Natur den Leidenschaften unterworfene Fleisch, das er an sich genommen hatte, zum Zustand der Leidenschaftslosigkeit erzog.

6. Und wie könnte er Heiland und Herr sein, wenn er nicht aller Heiland und Herr wäre? Er ist aber der Heiland der Gläubigen, weil sie sich für die Erkenntnis entschieden haben, und der Herr derer, die nicht glauben wollten, bis sie fähig wurden, ihre Sünden zu bekennen, und die von ihm vermittelte Wohltat in einer Weise erlangten, die ihnen angemessen und entsprechend war.

7. Alle Wirksamkeit des Herrn geht aber auf den Allmächtigen zurück, und der Sohn ist sozusagen eine Wirksamkeit des Vaters.10

1: Vgl. Exc. ex Theod. 9,3.
2: Vgl. Mt 7,21; 12,50; Joh 6,40.
3: Vgl. Platon, Phaidros p. 247 A; Timaios p. 29 E.
4: Gemeint ist der Teufel; vgl. Weish 2,24.
5: Eph 1,4.
6: Vgl. Jes 40,13; Röm 11,34; Hi 15,8.
7: Vgl. Sprichw 8,30.
8: Vgl. 1Kor 1,24.
9: Vgl. ebd.
10: Vgl. Strom. VII 9,1; Exc. ex Theod. 4,2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger