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Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)
XV. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Über das Wort: „und der kommen wird in Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten, dessen Reich kein Ende haben wird". Über den Antichrist.

25.

Seien wir ängstlich besorgt, Brüder, Gott möchte uns verdammen! Denn zur Verdammung bedarf er nicht der Untersuchung, nicht der Beweise. Sage nicht: „Ich habe bei Nacht Unzucht, Zauberei und andere Sünden begangen; kein Mensch war dabei“! Auf Grund deines Gewissens wirst du gerichtet: „die Gedanken werden sich gegenseitig anklagen und freisprechen an dem Tage, da Gott die Geheimnisse der Menschen lichten wird“1. Das furchtbare Antlitz des Richters wird dich zwingen, die Wahrheit zu sagen, bzw. es überführt dich, auch wenn du die Wahrheit nicht sagst; denn wenn du auferweckt wirst, wirst du entweder mit deinen Sünden oder mit deiner Gerechtigkeit angetan sein. Der Richter selbst — Christus ist nämlich der Richter — hat dies geoffenbart: „Nicht richtet nämlich der Vater jemanden, sondern er hat alles Gericht dem [S. 280] Sohne gegeben“2. Nicht jedoch entäußert er sich seiner Macht, sondern er richtet durch den Sohn. Der Sohn richtet also nach dem Willen des Vaters. Denn nicht ist der Wille des Vaters ein anderer als der Wille des Sohnes; er ist vielmehr ein und derselbe. Was sagt nun der Richter bezüglich der Frage, ob du mit deinen Werken angetan sein wirst oder nicht? „Und sie werden vor ihm alle Völker versammeln“3. Vor Christus muß sich ja jedes Knie beugen derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind. „Und er wird sie voneinander trennen, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet“4. Wie nimmt der Hirte die Scheidung vor? Zieht er ein Buch zu Rate, wenn er wissen will, was ein Schaf und was ein Bock ist? Oder unterscheidet er auf Grund eigener Wahrnehmungen? Erkennt man nicht an der Wolle das Schaf, an den Haaren und dem bockbeinigen Wesen den Bock? Wenn du demnächst von Sünden gereinigt wirst, in Zukunft mit deinen Werken wie mit reiner Wolle angetan bist, dein Gewand unbefleckt bleibt und du stets sagst: „Ich habe mein Kleid ausgezogen, wie soll ich es wieder anziehen?“5 dann wirst du an dem, was du anhast, als Schaf erkannt. Wenn sich aber findet, daß du Haare hast wie Esau, der dicht mit Haaren bewachsen war und schlechte Gesinnung zeigte, da er das Recht der Erstgeburt wegen einiger Speisen verlor und seine Ehre verkaufte6, dann gehörst du zu denen, welche auf der linken Seite stehen. Ferne sei es, daß einer von den Anwesenden der Gnade verlustig gehe und sündhafter Taten wegen in den Reihen der Sünder, welche zur Linken stehen werden, gefunden werde!

1: Röm. 2, 15. 16.
2: Joh. 5, 22.
3: Matth. 25, 32.
4: Ebd. [Matth. 25, 32].
5: Hoh. Lied 5, 3.
6: Gen. 25, 29―34.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger