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Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)
XV. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Über das Wort: „und der kommen wird in Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten, dessen Reich kein Ende haben wird". Über den Antichrist.

23.

Aber von den Anwesenden wird einer fragen: „Wenn ich arm bin oder vielleicht zu jener Zeit krank im Bette gefunden werde, oder wenn ich, ein Weib, verlassen in der Mühle bin, sollten wir da nicht etwa vernachlässigt werden?“ Mut, o Mensch! Der Richter fragt nicht nach dem Ansehen der Person. „Nicht nach dem Ansehen wird er richten und nicht nach der Redegewandtheit urteilen“1. Nicht zieht er die Gelehrten den Unwissenden und nicht die Reichen den Armen vor. Auch wenn du auf dem Felde arbeitest, werden die Engel dich holen. Glaube nicht, daß er die Grundbesitzer aufnimmt und dich, den Ökonomiearbeiter, übersieht! Magst du ein Knecht, ein Armer sein, habe keine Angst! Er, der Knechtsgestalt angenommen hat, verachtet die Knechte nicht. Und liegst du krank im Bette: es ist geschrieben: „Dann werden zwei auf einem Bette liegen, der eine wird angenommen, der andere zurückgelassen“2. Wenn dich — Mann oder Weib — die Not zwingt, in der Mühle zu sein, wenn du Fesseln trägst3 und in der Mühle sitzest, so wird dich [S. 278] doch der nicht übersehen, welcher „die Gefesselten mit Kraft herausführt“4. Der, welcher Joseph aus Sklaverei und Kerker zur Herrschaft geführt hat, wird auch dich aus Trübsal erlösen ins Himmelreich. Habe nur Mut, arbeite nur, kämpfe nur tapfer! Nichts wird verloren gehen. Aufgeschrieben sind alle deine Gebete und Psalmengesänge. Aufgeschrieben ist jedes Almosen. Aufgeschrieben ist jedes Fasten. Aufgeschrieben ist jede rein bewahrte Ehe. Aufgeschrieben ist die um Gottes willen ertragene Witwenschaft. Die beste Krone aber ist zugeschrieben der jungfräulichen Keuschheit. Glänzen wirst du wie ein Engel.

Wie du gern von den Freuden hörst, so sollst du nun aber auch festen Sinnes zuhören, wenn von dem Gegenteil gesprochen wird. Aufgeschrieben ist all deine Habsucht. Aufgeschrieben ist all deine Unzucht. Aufgeschrieben ist jeder Meineid, jede Gotteslästerung, jede Zauberei, jeder Diebstahl, jeder Mord. Begehst du jetzt nach der Taufe die gleichen Sünden wieder, so werden sie alle wiederum aufgeschrieben. Die früheren allerdings sind getilgt.

1: Is. 11, 3.
2: Luk. 17, 34.
3: κἂν παῖδας ἔχῃς [kan paidas echēs] lesen die Ausgaben und Codd. mit Ausnahme von Cod. A (vgl. Ausgabe von Kleopa), welcher κἂν πέδας ἔχῃς [kan pedas echēs] liest. Letztere Leseart verdient den Vorzug wegen der gleich darauf folgenden Worte: ὁ ἐξάγων πεπεδημένους ἐν ἀνδρείᾳ [ho exagōn pepedēmenous en andreia].
4: Ps. 67, 7 [hebr. Ps. 68, 7].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger