Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos) VI. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem. Häresien
20. Hasse alle Häretiker, ganz besonders aber den Häretiker, der vom Wahnsinn (μανία) seinen Namen hat und vor nicht langer Zeit unter Kaiser Probus aufgetreten war!1 Vor vollen siebzig Jahren entstand die Irrlehre, und noch heute leben Menschen, welche den Irrlehrer mit eigenen Augen gesehen haben. Doch nicht sollst du ihn hassen, weil er erst vor kurzem gelebt hat, sondern hasse den Verbrecher, den Sammelpunkt allen Unrates, das Gefäß allen häretischen Schmutzes wegen seiner gottlosen Lehren! Er legte seine Ehre darein, in der Sünde sich auszuzeichnen, setzte, aus allem auswählend, eine einzige Häresie zusammen, die von Gotteslästerungen und allen möglichen Verbrechen strotzte, und schädigte auf diese Weise wie ein umhergehender, gefräßiger Löwe2 die Kirche, mehr noch die, welche außerhalb der Kirche sind. Achte nicht auf die [S. 109] schöne Form seiner Worte, nicht auf seine geheuchelte Demut! Schlangen sind sie, ein Natterngezücht. Auch Judas hatte, als er den Herrn verriet, gesagt: „Sei gegrüßt, Meister!“3 Achte nicht auf die Küsse, sondern auf das Gift!
1: Über Mani und seine Lehre vgl. Eusebius, Kirchengeschichte VII. 31; Sokrates, Kirchengeschichte L 22; Hieronymus, Berühmte Männer 72; Epiphanius, Häresien LXVl; Theodoret Häretische Fabeln I. 26 ; Augustinus in zahlreichen Schriften. 2: 1 Petr. 5, 8. 3: Matth. 26, 49.
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