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Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)
VI. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Häresien

13.

[S. 103] Die Häretiker vermessen sich, von zwei Göttern, einer Quelle des Guten und einer Quelle des Bösen, zu sprechen, von denen eine jede ungeworden sein soll. Wären aber beide ungeworden, dann wären jedenfalls beide auch gleich mächtig. Wie aber könnte nun das Licht die Finsternis verscheuchen? Ferner: sind beide vereint oder getrennt? Vereint können sie nicht sein. „Denn welche Gemeinschaft hat das Licht mit der Finsternis?“1, fragt der Apostel. Haben sie aber miteinander gar nichts zu tun, dann hat jedenfalls jedes auch seinen abgeschlossenen Raum. Wenn sie aber getrennte Räume haben, dann sind wir doch wohl (nur) in dem Gebiete eines einzigen Gottes, dann beten wir doch wohl nur einen einzigen Gott an. Daß man nur einen einzigen Gott anbeten soll, so müssen wir nämlich auch dann schließen, wenn wir uns von der Torheit jener Häretiker leiten lassen.

Prüfen wir, was sie über den guten Gott lehren! Ist er mächtig oder machtlos? Wenn er mächtig ist, wie ist wider seinen Willen das Böse geworden? Wie erscheint wider seinen Willen in der Welt das böse Wesen? Wenn er es, obwohl er davon weiß, nicht verhindern kann, dann beschuldigen ihn die Häretiker der Ohnmacht. Wenn er es aber verhindern kann und doch nicht verhindert, dann beschuldigen sie ihn des Verrates. Achte auf ihre Torheit! Bald sagen sie, der böse Gott habe bei Erschaffung der Welt in keiner Weise mit dem guten Gott gewirkt; bald schreiben sie ihm nur den vierten Teil davon zu. Den guten Gott nennen sie Vater Christi, unter Christus aber verstehen sie unsere Sonne2. Wenn nach der Lehre der Häretiker die Welt von dem bösen Gott erschaffen worden ist, zu der Welt aber die Sonne gehört, wie kommt es, daß der Sohn des guten Gottes wider seinen Willen im Reiche des bösen Gottes dient? Im Schmutze wandeln wir, wenn wir von solcher Lehre sprechen. Aber wir müssen es, damit keiner von den Anwesenden infolge von Unwissenheit in den Schmutz der Häretiker falle. Zwar weiß ich, daß [S. 104] ich (mit dem Hinweis auf solche Lehren) meinen Mund und die Ohren der Zuhörer beflecke; doch es muß sein. Viel besser ist es, in polemischen Vorträgen von den Torheiten anderer zu hören, als nichts von denselben erfahren zu haben und deshalb in sie zu fallen. Viel besser ist es, den Schmutz zu kennen und ihn zu hassen, als ihn nicht zu kennen und in denselben zu geraten.

Verschiedenartig ist die gottlose Lehre der Häretiker. Denn sobald einer von dem einen rechten Wege abweicht, stürzt er oftmals in Abgründe.

1: 2 Kor. 6, 14.
2: Vgl. Katech 15, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger