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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Sechstes Buch

XVII. Kapitel

149.

1. Aber, wie es scheint, verwenden die Philosophen der Griechen das Wort "Gott", ohne ihn zu kennen, da sie Gott nicht so verehren, wie es Gottes würdig ist.1 Die philosophischen Lehren gleichen bei ihnen, wie Empedokles sagt, dem,
"Was durch die Zunge der Menge gesprochen und ohne Begründung
Aus ihrem Munde entströmt ist, obwohl sie vom Ganzen nichts sahen".2

2. Denn wie die Kunst das Sonnenlicht durch ein mit Wasser gefülltes Glasgefäß hindurchleitet, um so Feuer zu entzünden,3 so nimmt auch die Philosophie aus der göttlichen Schrift die Glutkohlen und tritt dann in wenigen Punkten in Erscheinung.

3. Wie indessen alle Lebewesen die gleiche Luft atmen, aber nicht alle in gleicher Weise und zum gleichen Zweck, so befaßt sich auch die große Mensge mit der Wahrheit, vielmehr mit dem Reden von der Wahrheit.

4. Denn sie sagen nicht etwas über Gott, sondern übertragen ihre eigenen Leidenschaften auf Gott und [S. 342] sprechen ausführlich davon. Ihr Leben besteht nämlich darin, daß sie das Wahrscheinliche, nicht die Wahrheit suchen. Die Erkenntnis der Wahrheit wird aber nicht durch Nachahmen, sondern durch Lernen gewonnen.

5. Denn wir glauben an Christus nicht, damit wir gut zu sein scheinen, wie wir auch nicht in die Sonne gehen, damit man sieht, daß wir in der Sonne sind, sondern dies tun wir, um warm zu werden, und in jenem Fall trachten wir mit Gewalt darnach, Christen zu sein, um wacker und gut zu sein; denn sicherlich "ist das Königtum der Gewalttätigen",4 die durch vollkommenes Suchen und Lernen und Üben es erreichen, Könige zu werden.

1: Vgl. Röm 1,21.
2: Empedokles Fr. 39,2 f. Diels.
3: Vgl. Aristophanes, Wolken 766 ff.; Plinius, Nat. hist. 36,199.
4: Vgl. Mt 11,12; Strom. IV 5,3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger