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Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)
III. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.
Über die Taufe

6.

Das Ende des Alten und der Anfang des Neuen Bundes ist die Taufe. Ihr erster Spender war nämlich Johannes1, der größte unter den von Weibern Geborenen2, der Schluß der Propheten. „Denn alle Propheten und das Gesetz waren (nur) bis Johannes“3. Er ist der Anfang der evangelischen Geschichte. Denn es heißt: „Anfang des Evangeliums Jesu Christi. . . . . Johannes taufte in der Wüste“4. Du wirst einwenden, Elias, der Thesbite, sei (sogar) in den Himmel aufgefahren. Gleichwohl ist er nicht größer als Johannes. [S. 53] Mag auch Enoch „hinweggenommen“5 worden sein, er ist nicht größer als Johannes. Moses ist der größte Gesetzgeber, und bewundernswert sind die Propheten alle; dennoch sind sie nicht größer als Johannes. Ich für mich würde es nicht wagen, unter den Propheten Vergleiche anzustellen; aber der Herr Jesus, der Herr der Propheten und unser Herr, hat es gelehrt: „Unter den von Weibern Geborenen ist keiner erstanden, der größer gewesen wäre als Johannes“6. Nicht (heißt es) unter den von Jungfrauen, sondern unter den von Weibern Geborenen. Der große Knecht wird verglichen mit den Mitknechten; der Sohn (Gottes) dagegen ist über den Knechten in unvergleichlicher Erhabenheit und Majestät.

Ist dir bekannt, wer derjenige war, den Gott sich zum ersten Spender dieser Gnade (═ der Taufe) erwählt hat? Er war ein Mann ohne Besitz; er liebte die Wüste, ohne jedoch die Menschen zu hassen. Er aß Heuschrecken, seine Seele beflügelnd7. Er nährte sich von Honig; seine Worte waren aber noch süßer und heilsamer als Honig. Er trug ein Gewand aus Kamelhaaren; sein Leben wurde zum Muster der Askese. Als er noch im Schoße der Mutter war, wurde er vom Hl. Geist geheiligt. Mag auch Jeremias geheiligt worden sein8, aber er zeigte sich nicht im Mutterschoße als Propheten. Nur Johannes war es, der im Mutterleibe vor Freude aufhüpfte9. Und wenn er auch nicht mit leiblichen Augen den Herrn sah, so erkannte er ihn doch im Geiste.

Da groß war die Gnade der Taufe, bedurfte sie auch eines großen Spenders.

1: Nach Cyrill war also schon die Taufe des Johannes dasselbe wie die christliche Taufe. Vgl. Chrysologus Sermo 137: „Bei Johannes war Vergebung, aber nicht ohne strenge Buße; war Nachlassung, aber nur durch Tränen erworbene; fand die Heilung der Wunden statt, aber unter vielem Schmerz; war eine Taufe, welche die Schuld zwar hob, aber nicht das Sündenbewußtsein. Wozu noch mehr? Durch die Taufe des Johannes ward der Mensch gereinigt zur Bußfertigkeit, nicht aber in den Gnadenstand erhoben.“
2: Matth. 11, 11.
3: Ebd. [Matth.] 11, 13.
4: Mark. 1, 1. 4.
5: Gen. 5, 24.
6: Matth. 11, 11.
7: Vgl. Is. 40, 31.
8: Jer. 1, 5.
9: Luk. 1, 44.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger