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Cyrill von Jerusalem († 387) - Katechesen an die Täuflinge (Procatechesis et Catecheses ad illuminandos)

II. KATECHESE AN DIE TÄUFLINGE, frei vorgetragen in Jerusalem.

Über Buße und Sündennachlaß und übenden Widersacher

1.

[S. 34] Über Buße und Sündennachlaß und über den Widersacher.

Lesung aus Ezechiel: „Die Gerechtigkeit des Gerechten wird über den Gerechten kommen und die Sünde des Sünders über den Sünder. Wenn der Sünder sich bekehrt von allen seinen Sünden usw.“1.

Schrecklich ist die Sünde, schwerste Krankheit für die Seele die Gesetzesübertretung. Nicht nur zerschneidet sie der Seele die Nerven, sie trägt ihr auch ewiges Feuer ein. Sie ist ein selbstverschuldetes Übel, entsprossen aus freiem Willen. Daß wir mit freiem Willen sündigen, sagt einmal deutlich der Prophet: „Ich habe dich gepflanzt als fruchtbaren, ganz echten Weinstock; wie hast du dich zur Bitterkeit verwandelt, fremder Weinstock?“2 Die Pflanzen wären schön, doch die Früchte sind schlecht. Das Übel kommt vom freien Willen, der Gärtner hat keine Schuld daran. Der Weinstock wird im Feuer verbrannt werden, der gutgepflanzt wurde, aber aus freiem Willen heraus schlechte Früchte gezeitigt hat. „Gott hat“ — wie es im Buche Ekklesiastes heißt — „den Menschen gerecht gemacht; sie aber folgten ihren vielen Einfällen“3. Der Apostel sagt: „Seine Geschöpfe sind wir, erschaffen zu guten Werken“4. Der Schöpfer hat also, weil er gut ist, zu guten Werken erschaffen; das Geschöpf aber hat sich freiwillig der Sünde zugewendet. Ein schreckliches Übel ist, wie gesagt, die Sünde; doch nicht ist sie unheilbar. Schrecklich ist das Übel, wenn einer an der Sünde festhält; rasch geheilt aber ist es, wenn einer die Sünde in [S. 35] der Buße ablegt. Denke dir, jemand hätte Feuer in der Hand! Solange er die (brennende) Kohle in der Hand hat, brennt es ihn jedenfalls; sobald er aber die Kohle wegtut, legt er auch das Feuer weg. Sollte einer glauben, er brenne nicht, wenn er sündige, dann sagt die Schrift: „Wird einer Feuer am Busen bergen, ohne die Kleider zu verbrennen?“5 Die Sünde brennt, sie zerschneidet die Nerven der Seele, zermalmt die seelischen Gebeine des Geistes und verdunkelt das Licht des Herzens.

1: Ezech. 18, 20.
2: Jer. 2, 21.
3: [Ekkl. = Pred.] 7, 30 [hebr. Pred. 7, 29].
4: Eph. 2, 10.
5: Sprichw. 6, 27.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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