Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Drittes Buch: Vom Verhältnis des Nützlichen zum Sittlichguten

VIII. Kapitel

Auch nach Gottes Urteil ist nur das Sittlichgute nützlich, das Gegenteil schädlich und sträflich, wie aus der Geschichte Josues und Kalebs ersichtlich ist (53—56).

53. Wie hätten unsere Altvordern je der Knechtschaft entrinnen können, wenn sie nicht die Dienstbarkeit gegen den König der Ägypter nicht bloß für schändlich, sondern auch für schädlich gehalten hätten?1

54. Desgleichen meldeten Jesus und Kaleb, die zur Erkundung des Landes ausgesendet waren, das Land sei wohl fruchtbar, werde aber von sehr wilden Volksstämmen bewohnt. Aus Angst vor dem Kriege entmutigt, wollte das Volk auf den Besitz jenes Landes verzichten. Die ausgesandten Kundschafter Jesus und Kaleb versicherten überzeugend, das Land sei nutzbringend und hielten es für ungeziemend, vor den [S. 230] Volksstämmen zurückzuweichen. Sie zogen es vor, sich lieber steinigen zu lassen — damit drohte das Volk — als vom Guten zu lassen. Die anderen rieten ab. Das Volk weigerte sich. Es meinte, es werde mit gar gefährlichen und grimmigen Völkern zum Kriege kommen; es müsse im Kampfe fallen; ihre Weiber und Kinder würden ein Opfer des Raubes werden2.

55. Da entbrannte des Herrn Zorn, so daß er alle dem Untergange weihen wollte. Doch auf des Moses Bitte milderte er das Urteil und verschob die Rache. Er hielt dafür, die Treulosen seien hinlänglich gestraft, auch wenn er einstweilen Schonung übe und die Ungläubigen nicht schlage. Doch zu jenem Lande, das sie verschmäht hatten, sollten sie ob ihres Unglaubens nicht gelangen; wohl aber sollten die Kinder und Weiber, die nicht gemurrt hatten und teils ihres Geschlechtes, teils ihres Alters wegen Nachsicht verdienten, das verheißene Erbe jenes Landes empfangen. So sanken denn auch alle, die seit zwanzig Jahren und darüber in der Wüste waren, leiblich dahin. Für die anderen aber ward die Strafe verschoben. Jene hingegen, die mit Jesus hinaufzogen und abraten zu sollen glaubten, starben, von unseliger Strafe getroffen, auf der Stelle. Jesus und Kaleb dagegen zogen mit dem Alter, bezw. dem Geschlechte, das keine Schuld traf, ins Land der Verheißung ein3.

56. Der bessere Teil zog sonach die Ehre dem Wohle vor, der schlimmere das Wohl der Ehrenhaftigkeit. Gottes Urteil aber gab denen recht, die der Überzeugung lebten, daß das Tugendhafte dem Nützlichen vorgehe; jene hingegen verurteilte es, bei denen das ausschlaggebend war, was mehr dem Wohle als der Tugendhaftigkeit dienlich zu sein schien.

1: Vgl. Exod. 12, 34 ff.
2: Num. c. 13 f. Deut. 1, 22 ff.
3: Num. 14, 11 ff. Deut. 1, 34 ff.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Von den Pflichten der Kirchendiener
Bilder Vorlage

Navigation
Erstes Buch: Vom Sittl...
Zweites Buch: Vom Nüt...
Drittes Buch: Vom Verh...
. . I. Kapitel
. . II. Kapitel
. . III. Kapitel
. . IV. Kapitel
. . V. Kapitel
. . VI. Kapitel
. . VII. Kapitel
. . VIII. Kapitel
. . IX. Kapitel
. . X. Kapitel
. . XI. Kapitel
. . XII. Kapitel
. . XIII. Kapitel
. . XIV. Kapitel
. . XV. Kapitel
. . XVI. Kapitel
. . XVII. Kapitel
. . XVIII. Kapitel
. . XIX. Kapitel
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger