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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Drittes Buch: Vom Verhältnis des Nützlichen zum Sittlichguten

XVIII. Kapitel

Ein Exkurs über das mystische Feuer, das des Nehemias, des Aaron, des Elias Opfer verzehrte. Es war ein Sinnbild der sündetilgenden, neubelebenden Kraft des Hl. Geistes im Taufsakramente (103—108). Andere alttestamentliche Vorbilder der Taufe und der Buße (108—110).

103. Wir halten an der Gemeinschaft des (gläubigen) Volkes fest, sind uns der Versöhnung mit Gott unserem Herrn bewußt, die uns der Versöhner durch sein Leiden bewirkt hat: ich glaube, wir können auch über jenes Feuer nicht im unklaren sein, wenn wir lesen, [S. 254] wie nach der Versicherung des Johannes im Evangelium der Herr Jesus im Heiligen Geist und dem Feuer tauft1. Mit Recht wurde das Opfer verzehrt, weil es ein Sündopfer war. Jenes Feuer aber war das Sinnbild des Heiligen Geistes, der nach des Herrn Himmelfahrt herabsteigen und allen Sündenvergebung bringen sollte, der wie Feuer den gläubigen Sinn und Verstand entfacht. Daher der Ausspruch des Jeremias nach dem Empfang des Geistes: „Und es ward mir im Herzen wie brennend Feuer, flammenschlagend in meinen Gebeinen, und ich bin allseits erschöpft und kann es nicht ertragen“2. Aber auch in der Apostelgeschichte lesen wir, wie bei der Herabkunft des Heiligen Geistes über die Apostel und viele andere, welche die Verheißungen des Herrn erwarteten, Zungen wie Feuer sich zerteilten3. So feurig wallte denn auch das Innere eines jeden auf, daß man glaubte, sie, welche die verschiedenen Sprachen empfangen hatten, seien des Weines voll4.

104. Was anders bedeutet es, daß Feuer zu Wasser ward und das Wasser Feuer entfachte, als daß des Geistes Gnade unsere Sünden durch Feuer ausbrennt, durch Wasser reinigt? Denn ausgebrannt und abgewaschen wird die Sünde. Daher des Apostels Beteuerung: „Wie beschaffen das Werk eines jeden ist, wird das Feuer erproben“5. Und im Folgenden: „Fängt jemandes Werk Feuer, wird es Schaden erleiden; er selbst wird das Heil erlangen, doch so wie durch Feuer“6.

105. Das führten wir deshalb an, um zu beweisen, daß die Sünden durch Feuer ausgebrannt werden. Es ist sonach klar, daß dies in Wirklichkeit das heilige Feuer ist, das damals zur Sinnbildung der künftigen Sündenvergebung auf das Opfer herabstieg.

106. Dieses Feuer nun wird zur Zeit der Gefangenschaft, in der die Schuld herrscht, verborgen gehalten, [S. 255] in der Zeit der Freiheit hervorgeholt. Und wenn auch scheinbar in Wasser gewandelt, wahrt es doch seine Feuernatur, um das Opfer zu verzehren. Wundere dich nicht, wenn du liest, wie Gott Vater gesprochen: „Ich bin ein verzehrend Feuer“7; und an einer anderen Stelle: „Mich haben sie verlassen, den Quell des lebendigen Wassers“8. Auch der Herr Jesus selbst entflammt wie ein Feuer die Herzen seiner Zuhörer und erquickt sie gleich einem Quell. Denn er selbst versichert in seinem Evangelium, er sei deshalb gekommen, daß er Feuer auf die Erde sende9 und den Trank lebendigen Wassers den Durstenden reiche10.

107. Desgleichen fuhr zur Zeit des Elias Feuer herab, damals als er die heidnischen Propheten aufforderte, den Altar ohne Feuer anzuzünden. Und als jene es nicht zu tun vermochten, übergoß er seinerseits dreimal sein Opfer mit Wasser, und das Wasser ergoß sich rings um den Altar. Und er rief, und Feuer vom Herrn fiel vom Himmel und verzehrte das Brandopfer11.

108. Dieses Opfer bist du. Erwäge still das Einzelne. Auf dich steigt das lohende Feuer des Heiligen Geistes herab, dich scheint es auszubrennen, wenn es deine Sünden verzehrt. So war denn auch das Opfer, das unter Moses verzehrt wurde, ein Sündopfer12. Daher der Ausspruch des Moses, wie im Buch der Makkabäer geschrieben steht: „Weil das Sündopfer nicht gegessen wurde, ward es verzehrt“13. Dünkt es dich nicht wie ein Verzehrtwerden, wenn im Sakramente der Taufe der ganze äußere Mensch untergeht? Unser alter Mensch ist mit ans Kreuz geheftet, ruft der Apostel aus14. Da wird, wie der Väter Beispiele dich lehren, der Ägypter versenkt, und taucht, vom Heiligen Geist erneut, der Hebräer auf, der auch ungehinderten Fußes [S. 256] durchs Rote Meer hindurchzog, wo die Väter „unter der Wolke und im Meere getauft wurden“15.

109. Ebenso starb bei der Sintflut zur Zeit Noës alles Fleisch; der Gerechte jedoch wurde mit seiner Nachkommenschaft gerettet16. Geht nicht auch der Mensch unter, wenn dieses Sterbliche vom Leben abgetan wird? Der äußere Mensch verfällt ja dem Untergang, der innere aber wird erneut17. Und nicht allein bei der Taufe, sondern auch bei der Buße geht der Lehre der Apostel zufolge das Fleisch zum Besten des Geistes unter, indem Paulus erklärt: „Ich habe wie anwesend über den, der so handelte, die Entscheidung getroffen, einen solchen dem Satan zum Untergang des Fleisches zu übergeben, damit der Geist gerettet werde am Tage unseres Herrn Jesus Christus“18.

110. Ob des wunderbaren Geheimnisses zog sich sichtlich unser Exkurs etwas in die Länge, indem uns daran lag, dasselbe, nachdem es geoffenbart ist, ins vollere Licht zu stellen. Ist es doch so voll des Sittlichguten, daß es geradezu voll des Göttlichen ist.

1: Matth. 3, 11.
2: Jer. 20, 9.
3: Apg. 2, 3.
4: Apg. 2, 4. 13.
5: 1 Kor. 3, 13.
6: 1 Kor. 3, 15.
7: Deut. 4, 24.
8: Jer. 2, 13.
9: Luk. 12, 49.
10: Joh. 7, 37 ff.; vgl. Joh. 4, 10 ff.
11: 3 Kön. 18, 25 ff. [= 1 Könige].
12: Lev. 9, 2 ff.
13: 2 Makk. 2, 11. Vgl. Lev. 10, 16 ff.
14: Röm. 6, 6.
15: 1 Kor. 10, 1 f. Vgl. Exod. c. 14.
16: Gen. 7, 21 ff.
17: 2 Kor. 4, 16.
18: 1 Kor. 5, 3—5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger