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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Drittes Buch: Vom Verhältnis des Nützlichen zum Sittlichguten

XIII. Kapitel

Judith eine sieghafte Streiterin (82—83) für das Sittlichgute und eben darum für das Nützliche (84—85).

82. Sieh, da kommt dir Judith entgegen, die wunderbare, da sie dem Holofernes naht, dem Schrecken der Völker, umgeben von der siegreichen Heerschar der Assyrer. Erst berückte sie ihn mit dem Zauber ihrer Gestalt und der Anmut ihres Gesichtes, sodann bestrickte sie ihn mit der Lieblichkeit ihrer Rede. Ihr erster Triumph bestand darin, daß sie ihre Reinheit [S. 244] unversehrt aus dem Zelte des Feindes zurückbrachte; der zweite darin, daß sie als Weib über einen Mann den Sieg davontrug, durch ihren Entschluß Völker in die Flucht schlug1.

83. Schrecken überkam die Perser ob ihrer Kühnheit. Fürchtete sie doch keine Todesgefahr, was man freilich auch an jenen beiden Pythagoreern bewundert, aber auch keine Gefahr für ihre Reinheit, was edlen Frauen schwerere Sorge macht. Sie kannte keine Angst vor dem Schwertstreich eines einzelnen Schergen, aber auch keine vor den Geschossen eines ganzen Heeres. Eine Frau, stand sie mitten unter Kriegerscharen, unter sieghaften Waffen, dem Tode ruhig ins Auge schauend. Anbetrachts der riesigen Gefahr war ihr Gang ein Todesgang, anbetrachts des Glaubens ein Waffengang.

84. Dem Sittlichguten galt Judiths Schritt, und sie erzielte, da sie ihn ausführte, zugleich das Nützliche. Eine sittliche Forderung war es ja, zu verhindern, daß das Gottesvolk einem unheiligen Kult sich ergab; daß es seine väterlichen Bräuche und heiligen Geheimnisse entweihte; daß es seine heiligen Jungfrauen, ehrwürdigen Witwen, keuschen Frauen der Unreinheit der Barbaren preisgab; daß es seine Belagerung mit der Übergabe beendigte. Eine sittliche Forderung war es, lieber für alle Gefahr zu laufen, um alle aus der Gefahr zu erretten.

85. Wie muß es doch etwas unvergleichlich Erhabenes um das Sittlichgute sein, daß ein Weib über die wichtigsten Dinge zu einem Plane sich entschließt, ohne ihn den Ältesten2 des Volkes zu unterbreiten! Wie muß es etwas unvergleichlich Erhabenes um das Sittlichgute sein, daß es Gott als Helfer voraussetzen durfte! Wie muß es etwas unvergleichlich Gnadenvolles darum sein, daß es ihn als Helfer fand!

1: Jud. c. 10 ff.
2: principes auch Cic. l. c. 10, 40 in der Bedeutung von Ältesten.

 

 

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Einleitung: Von den Pflichten der Kirchendiener
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger