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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)

Zweites Buch: Vom Nützlichen

I. Kapitel

[S. 135] Vom seligen Leben: Quelle desselben das Sittlichgute (1). Es wird innerlich erlebt, unabhängig von fremder Beurteilung (2). Sein Lohn das ewige Leben, dem es die Hl. Schrift gleichsetzt (3).

1. Im vorausgehenden Buche haben wir von den Pflichten gehandelt, die nach unserem Urteil dem Sittlichguten entsprechen. Niemand konnte zweifeln, daß hierin das selige Leben ruht, das die Heilige Schrift das ewige Leben nennt. So groß ist nämlich der Glanz des Sittlichguten, daß gerade die Ruhe des Gewissens und der sichere Besitz der Unschuld das selige Leben ausmachen. Wie die Sonne nach ihrem Aufgang den Mondball und die übrigen Lichtkörper am Sternenhimmel schwinden macht, so überstrahlt der Glanz des Sittlichguten, wo er in wahrer und ungebrochener Schönheit aufblitzt, alles andere, was nach Maßgabe der Sinnenlust für gut, oder nach dem Urteil der Welt für herrlich und ruhmvoll gilt.

2. Selig fürwahr das Leben, dessen Wertschätzung nicht von fremdem Urteil abhängt, sondern das, ein Selbstrichter, im eigenen Empfinden erlebt wird! Es bedarf des Leumundes der Leute nicht als Lohnes, fürchtet ihn aber auch nicht als Strafe. Je weniger es nach Ruhm strebt, desto mehr ist es darüber erhaben. Denn wer nach Ruhm verlangt, besitzt in diesem Lohne des Gegenwärtigen nur den Schatten des Zukünftigen, und damit ein Hindernis des ewigen Lebens, wie es im Evangelium geschrieben steht: „Wahrlich ich sage euch, [S. 136] sie haben ihren Lohn schon erhalten“1. Jene sind gemeint, die wie mit Posaunenschall ihre Freigebigkeit, die sie gegen Arme üben, bekanntzumachen wünschen; ebenso ihr Fasten, mit dem sie Aufsehen machen wollen. „Sie haben ihren Lohn“, so heißt es2.

3. So ist es denn dem Sittlichguten eigen, im Verborgenen sei es Barmherzigkeit zu üben, sei es Fasten zu halten; es soll sich damit zeigen, daß du allein nur von deinem Gott, nicht auch von den Menschen deinen Lohn suchst. Denn wer ihn von den Menschen sucht, „der hat seinen Lohn“; wer hingegen von Gott, der hat das ewige Leben, das nur der Urheber der Ewigkeit3 verleihen kann gemäß jenem Ausspruche: „Wahrlich, ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein“4. So nannte denn die Schrift das selige Leben deutlich genug das ewige Leben: es sollte seine Würdigung nicht menschlichen Auffassungen überlassen, sondern dem göttlichen Urteil unterstellt werden.

1: Matth. 6, 2.
2: Matth. 6, 16.
3: Vgl. Is. 9, 6.
4: Luk. 23, 43.

 

 

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Einleitung: Von den Pflichten der Kirchendiener
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger