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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Zweites Buch: Vom Nützlichen

X. Kapitel

Vom Nützlichen: Gerechter Rat geht vor klugem (50); der beste vereinigt Klugheit und Gerechtigkeit (51). Vorbildlich Salomos Weisheit (51—53), Josephs (54) und Daniels Rat (55).

50. Nur dem möglichst Klugen vertrauen wir unsere Sache an und von ihm erbitten wir uns lieber als von jedem anderen Rat. Doch besser noch ist der Rat des gerechten Mannes und wiegt oft die Einsicht des Weisesten auf. Denn „mehr frommen die Wunden von einem Freund als die Küsse anderer“1. Weil sodann dem Gerechten das Urteil, dem Weisen aber dessen Begründung zusteht, obliegt ersterem die strenge Prüfung des Verhandlungsergebnisses, letzterem das schlaue Vorgehen zur Aufdeckung des Falles.

51. Vereinigt man beides, werden sich jene ungemein heilsamen Ratschläge erteilen lassen, die jedermann aus Bewunderung für die Weisheit und aus Liebe zur Gerechtigkeit erwartet; alle werden die Weisheit eines solchen Mannes, in welchem sich beide Tugenden verbinden, zu hören suchen2, wie alle Könige der Erde das Angesicht Salomos zu schauen und seine Weisheit zu hören suchten, so daß auch die Königin von Saba zu ihm kam und durch Fragen ihn erprobte: Und sie kam und redete alles, was sie auf dem Herzen hatte, und hörte alle Weisheit Salomos, und es entging ihr kein Wort davon3.

[S. 159] 52. Wer diese ist, der nichts entgeht, und daß es nichts gibt, was ihr der wahre Salomo nicht kundgetan hätte, das erschließe, o Mensch, aus dem, was du sie reden hörst! „Wahr ist“, so beteuert sie, „das Gerücht, das ich in meinem Lande über deine Reden und deine Klugheit vernommen habe; und ich glaubte dem nicht, was man mir sagte, bis ich kam, und meine Augen es schauten. Und nun ist das, was man mir kundgab, nicht einmal die Hälfte. Das Gute, das du auftischtest, übertraf alles, was ich in meinem Lande hörte. Selig deine Frauen und selig deine Diener, die an deiner Seite stehen, die alle deine Klugheit vernehmen!“4 Erkenn das Gastmahl des wahren Salomo und was bei diesem Gastmahle aufgetragen wird! Erkenn weise und erwäge, in welchem Lande die Heidenkirche den Ruf der wahren Weisheit und Gerechtigkeit vernahm und mit welchen Augen sie ihn sah, da sie Dinge unsichtbarer Art schauten! „Denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig“5.

53. Wer anders sind die „seligen Frauen“ als jene, von welchen es heißt: „Viele hören das Wort Gottes und bringen es hervor“?6 Und an einer anderen Stelle: „Denn wer immer das Wort Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und Mutter“7. Wer anders ferner sind „deine seligen Diener an der Seite“ als ein Paulus, der beteuerte: „Bis zu diesem Tage stehe ich da und lege öffentlich Zeugnis ab vor klein und groß“?8, als ein Symeon, der im Tempel harrte, um den Trost Israels zu schauen?9 Warum hätte er denn um Entlassung gebeten10, wenn nicht deshalb, weil er, vor dem Herrn stehend, ohne den Willen des Herrn kein Recht zum Scheiden hatte? Zum Vorbild ward Salomo uns vor Augen gestellt mit der Forderung, wetteifernd von ihm die Weisheit zu hören.

54. Auch Joseph hatte nicht einmal im Gefängnisse [S. 160] soviel Ruhe, daß man ihn nicht in zweifelhaften Fällen zu Rate zog. Ganz Ägypten frommte sein Rat, so daß es nicht unter der Unfruchtbarkeit der sieben Jahre leiden brauchte und andere Völker von der traurigen Hungersnot befreite11.

55. Daniel, aus der Mitte der Gefangenen zum Vorsitzenden über die königlichen Räte bestellt, griff bessernd durch seinen Rat in die Gegenwart ein und verkündete die Zukunft12. Denn nachdem er sich durch seine häufigen Deutungen als ein Verkündiger der Wahrheit erwiesen hatte, schenkte man ihm in allem Glauben.

1: Sprichw. 27, 6.
2: Vgl. Cic. l. c. 12, 42.
3: 3 Kön. 10, 1 ff. [= 1 Könige].
4: 3 Kön. 10, 6 ff. [= 1 Könige].
5: 2 Kor. 4, 18.
6: Luk. 11, 28.
7: Matth. 12, 50. Luk. 8, 21.
8: Apg. 26, 22.
9: Luk. 2, 25.
10: Luk. 2, 29.
11: Gen. c. 41.
12: Vgl. Dan. c. 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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