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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Zweites Buch: Vom Nützlichen

III. Kapitel

Vom seligen Leben: Es beruht nach der Schrift in der Tugendhaftigkeit und ist unabhängig vom leiblichen und äußeren Wohl und Wehe des Menschen (8), ja offenbart sich vorzugsweise im Leiden (9).

8. Weil nun die bloße Wissenschaft von den Dingen, nach den müßigen Streitreden der Philosophie zu urteilen, sei es als Scheinwissen, sei es als Halbwissen dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen ist, so laßt uns erwägen, wie klar die göttliche Schrift das Problem löst, über das wir in der Philosophie so vielerlei verworrene und unklare Fragen aufgeworfen sehen. Nur das Ehrenhafte ist nach der Schrift gut; und nur die Tugend, die weder durch leibliche oder äußere Güter einen Zuwachs, noch durch Widerwärtigkeiten einen Eintrag erleidet, ist nach ihrem Urteil in jeder Sachlage selig, und nichts so selig, als was von Sünde frei, voll Unschuld und voll Gnade Gottes ist. Denn es steht geschrieben: „Selig der Mann, der nicht nach dem Rate der Gottlosen wandelt und nicht auf dem Wege der Sünder steht und nicht auf dem Stuhle der Pest sitzt, sondern seine Lust am Gesetze des Herrn hat!“1 Und an einer anderen Stelle: „Selig, die unversehrt ihren Weg gehen; die wandeln im Gesetze des Herrn!“2

9. Unschuld und Wissen also machen selig. Auch vom guten Handeln bemerkten wir oben, daß sein Lohn die Seligkeit des ewigen Lebens sei. So erübrigt denn noch zu zeigen, wie man es unter seiner Würde halten soll, als Anwalt der Lust aufzutreten, oder aber den Tod zu fürchten: das eine verächtlich, weil entnervt und weichlich, das andere, weil unmännlich und schwächlich; wie vielmehr gerade in Schmerz und Leiden das selige Leben sich vorzüglich bekundet. Dies läßt sich leicht dartun, wenn wir lesen: „Selig seid ihr, [S. 140] wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse mit Unwahrheit wider euch redet um der Gerechtigkeit willen! Freuet euch und frohlocket! Denn euer Lohn ist groß im Himmel. Ebenso hat man ja auch die Propheten verfolgt, die vor euch waren“3. Und an einer anderen Stelle: „Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz und folge mir“4.

1: Ps. 1, 1 [Hebr. Ps. 1, 1].
2: Ps. 118, 1 [Hebr. Ps. 119, 1].
3: Matth. 5, 11 f.
4: Matth. 16, 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger