Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Zweites Buch: Vom Nützlichen

XX. Kapitel

Vom Nützlichen: Der Nutzen der Freundschaft. Vor allem frommt der Jugend der Anschluß an das tugenderprobte Alter (97), was sich an biblischen Beispielen, wie an Moses und Josue (98—99), an Elias und Elisäus u. a. m. (100—101) ersehen läßt.

97. Sehr förderlich ist jedem der enge Anschluß an [S. 179] Gute. Auch Jünglingen frommt der Anschluß an berühmte und weise Männer1. Denn wer mit Weisen umgeht, ist ein Weiser; wer hingegen Unverständigen anhängt, gibt sich als Unverständiger zu erkennen. Sowohl zur Bildung wie zum Rufe der Rechtschaffenheit trägt dies sehr viel bei. Es zeigt sich ja an jungen Leuten, daß sie jene nachahmen, denen sie anhängen; und es bestätigt sich die Annahme, daß sie von denen, nach deren Umgang sie lechzen, die gleiche Lebensweise annehmen2.

98. Darum war Jesus Nave so groß, weil ihn der innige Verkehr mit Moses nicht nur in die Gesetzeskunde einführte, sondern auch zur Heiligung in der Gnade führte. Es war denn auch Jesus Nave, als man im Zelte des Moses infolge der Gegenwart Gottes die Herrlichkeit des Herrn aufleuchten sah, der einzige, der im Zelte weilte. Moses sprach mit Gott, Jesus ward gleichfalls von der heiligen Wolke bedeckt. Die Ältesten und das Volk standen unten, Jesus stieg mit Moses hinauf, das Gesetz zu empfangen. Das ganze Volk war innerhalb des Lagers, Jesus außerhalb des Lagers im Zelte des Zeugnisses. Da die Wolkensäule sich herabließ und mit Moses redete, stand er als treuer Diener dabei; und der Jüngling trat nicht aus dem Zelte heraus, während die Ältesten in weiter Entfernung davon vor den göttlichen Wundern zitterten3.

99. So war er denn überall, bei den offenen Wunderwerken wie bei den insgeheim sich abspielenden Vorgängen der unzertrennliche Jünger an der Seite des heiligen Moses. Daher kam es, daß er, der Gefährte seines Lebens, der Nachfolger in seinem Amte wurde4. Er ward mit Recht ein solcher Held, daß er der Flüsse Lauf zum Stehen brachte5; daß er sprach, die Sonne stehe still: und die Sonne stand still; und daß er gleichsam als [S. 180] Augenzeuge jenes Sieges die Nacht hinausschob, den Tag verlängerte6; daß er — wie? dem Moses war es versagt!7 — allein auserkoren wurde, das Volk ins Land der Verheißung zu führen8. Ein Mann des Glaubens, groß durch Wunder, groß durch Triumphe. Des Moses Werke waren glänzender, die unseres Helden glücklicher. Beide waren, gestützt auf Gottes Gnade, Übermenschen: jener gebot dem Meere9, dieser dem Himmel10.

100. Schön ist sonach der vertraute Verkehr zwischen alt und jung. Erstere verbürgen (den letzteren) den guten Ruf, letztere dienen (den ersteren) zur Aufheiterung; erstere frommen zur Belehrung, letztere zur Unterhaltung. Ich will davon schweigen, daß der jugendliche Lot an Abrahams Seite blieb, auch als dieser fortzog11, damit man darin nicht so sehr eine verwandtschaftliche Beziehung, und nicht eher eine naturnotwendige denn freiwillige Anhänglichkeit erblicken sollte. Was soll ich aber von Elias und Elisäus sagen? Mag auch die Schrift den Elisäus nicht ausdrücklich als Jüngling bezeichnen, so können wir doch ersehen und erschließen, daß er in jüngeren Jahren stand12. In der Apostelgeschichte nahm Barnabas den Markus zu sich13, Paulus den Silas14, Paulus den Timotheus15, Paulus den Titus16.

101. Doch wir sehen, wie diese Obigen sich in die Obliegenheiten teilten. Den älteren oblag hauptsächlich der Rat, den jüngeren der Dienst. Gar häufig erfreuen sich auch solche eines gegenseitigen vertrauten Umganges, die an Tugend gleich, an Alter ungleich sind, wie Petrus und Johannes sich dessen erfreuten. Denn Johannes war jung, wie wir im Evangelium und aus seinem eigenen Munde erfahren, obwohl er an [S. 181] Verdiensten und Weisheit keinem der Älteren nachstand: dem Wandel nach kleidete ihn die Würde des Alters und das graue Haar der Klugheit; denn ein makelloses Leben ist der Sold eines tugendhaften Alters17.

1: Ähnlich Cic. l. c. 13, 46; vgl. I 34, 122.
2: Vgl. Cic. l. c. 13, 46.
3: Exod. 24, 13 ff.; 33, 8 ff.
4: Deut. 34, 9.
5: Jos. 3, 15 ff.
6: Jos. 10, 12 ff.
7: Deut. 34, 4.
8: Jos. 1, 2 ff.
9: Exod. 14, 16 ff.
10: Jos. 10, 12 f.
11: Gen. 12, 4.
12: Vgl. 3 Kön. 19, 19 ff. [= 1 Könige].
13: Apg. 15, 39.
14: Apg. 15, 40.
15: Apg. 16, 3.
16: Gal. 2, 1.
17: Vgl. Weish. 4, 9.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Von den Pflichten der Kirchendiener
Bilder Vorlage

Navigation
Erstes Buch: Vom Sittl...
Zweites Buch: Vom Nüt...
. . Mehr
. . XII. Kapitel
. . XIII. Kapitel
. . XIV. Kapitel
. . XV. Kapitel
. . XVI. Kapitel
. . XVII. Kapitel
. . XVIII. Kapitel
. . XIX. Kapitel
. . XX. Kapitel
. . XXI. Kapitel
. . XXII. Kapitel
. . XXIII. Kapitel
. . XXIV. Kapitel
. . XXV. Kapitel
. . XXVI. Kapitel
. . XXVII. Kapitel
. . XXVIII. Kapitel
. . Mehr
Drittes Buch: Vom Verh...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger