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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Erstes Buch: Vom Sittlichguten

XXXIX. Kapitel

Vom Starkmut: Er ist ein Streiter der Tugend wider das Laster (193—194). Jobs Beispiel (195).

193. Nichts Geringes also ist die Tapferkeit, auch nicht eine von den übrigen getrennte Eigenschaft, die mit den Tugenden im Krieg läge, sondern die allein aller Tugenden Schmuck und Zier verteidigt und ihre Entschließungen hütet1; die in unversöhnlichem Kampf wider alle Laster streitet, unbesieglich in Mühen, mutig in Gefahren, streng gegen die Lüste, verhärtet gegen die Lockungen, für die sie kein Ohr hat und kein ‚willkommen‘ (wie man sagt) spricht; die Geld verachtet, Habsucht wie die Pest meidet, weil sie die Tugend [S. 104] entnervt. Nichts widerstrebt ja der Tapferkeit so, als von Gewinnsucht sich besiegen zu lassen2. Schon oft fand ein Krieger, nachdem der Feind bereits geschlagen, das gegnerische Heer zum Fliehen gebracht war, unter eben denen, die er geschlagen hatte, ein klägliches Ende, indem er sich von der Beute der Gefallenen anlocken ließ; (schon oft) wurden Legionen, während sie über die Siegesbeute herfielen, um ihre Lorbeeren gebracht und führten den schon geflohenen Feind von neuem wider sich heran.

194. So soll denn der Starkmut der so verhängnisvollen Pest (der Habsucht) wehren und sie vernichten, nicht durch Lüste sich beirren, noch durch Furcht sich entmutigen lassen3. Denn darin muß sich die Tugend treu bleiben, daß sie tapfer alle Laster als das Gift der Tugend verfolgt; den Zorn, der die Besinnung raubt, wie mit Waffengewalt abschlägt und wie eine Krankheit meidet; desgleichen vor Sucht nach Ruhm sich in acht nimmt, der, wenn übermäßig begehrt, häufig, wenn widerrechtlich, stets Schaden stiftete.

195. Was wäre hierin dem heiligen Job sei es an Tugend entgangen, sei es an Laster unterlaufen? Wie ertrug er die harte Heimsuchung der Krankheit, der Kälte, des Hungers! Wie verachtete er die Gefahr für sein Leben!4 War etwa sein Reichtum, von dem so viel den Dürftigen zufloß, durch Erpressungen zusammengerafft? Weckte das Vermögen den Geiz, oder die Lust und Begierde nach Genuß? Riß ihn der kränkende Hader der drei Könige5 oder die Beschimpfung der Knechte6 zum Zorn fort? War er leichten Sinnes, daß Ruhm ihn überhob: er, der schwere Strafe auf sich herabbeschwor, wenn er je auch nur unfreiwillige Schuld verheimlicht hätte, oder wenn er vor dem zahlreichen Volke sich gescheut hätte, sie vor aller Augen kundzutun?7 Die Tugenden haben ja mit den Lastern nichts [S. 105] gemein, sondern bleiben sich selbst treu. Wer wäre also so tapfer wie der heilige Job? Wem könnte dieser nachgesetzt werden, nachdem er kaum seinesgleichen findet?

1: Auch nach Cic. l. c. 19, 62, bezw. nach der stoischen Begriffsbestimmung ist die Tapferkeit die Vorkämpferin der Gerechtigkeit.
2: Vgl. Cic. l. c. 20, 68.
3: Vgl. Cic. I. c. 20, 69.
4: Job 13, 14 ff.
5: Job c. 4 ff.
6: Job c. 32 ff.
7: Job 31, 33 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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