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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Erstes Buch: Vom Sittlichguten

XXXVIII. Kapitel

Vom Starkmut: Stählung des Geistes gegen künftige Widerwärtigkeiten (188—191). Schwierigkeiten, welche hierbei zu überwinden sind (192).

188. Umgekehrt darf niemand aus Feigheit weichen und aus Furcht vor Gefahr vom Glauben lassen. Darum muß die Seele vorbereitet, der Geist geschult und zur Standhaftigkeit gestählt werden, daß er sich durch keine Drohungen beirren, durch keine Qualen beugen, durch keine Marter zum Weichen bringen lasse1. Das ist freilich hart hinzunehmen. Aber weil alle Qualen durch die Furcht vor noch schwereren sich überwinden lassen, vermagst du innerlich standhaft zu sein, wenn du deine Seele durch ruhiges Überlegen stärkst, nicht der Vernunft dich begeben zu dürfen glaubst, sowie die Furcht vor dem göttlichen Gerichte, die Qualen der ewigen Strafe dir vor Augen stellst.

189. Dieses Sichvorbereiten ist Sache des Eifers, Sache der Einsicht ist die Fähigkeit, kraft des Geistes [S. 102] vorauszusehen, was zukünftig ist; sich gleichsam vor Augen zu stellen, was möglicherweise eintritt; genau festzusetzen, was zu tun ist, wenn es eintritt; mitunter zwei und drei Fälle auf einmal zu überdenken, die nach Berechnung des Betreffenden einzeln oder zusammen eintreten können; und für diese vereinzelt oder zusammen eintretenden Fälle jene Vorkehrungen zu treffen, die sich seiner Überzeugung nach als zweckdienlich erweisen werden2.

190. Es gehört zu einem tapferen Mann, daß er sich nichts verhehlt, wenn etwas bevorsteht, sondern daß er sich vorsieht, wie von einer geistigen Warte aus prüft und mit besonnenem Denken den künftigen Dingen begegnet. Er soll nicht nachher sagen müssen: deshalb geriet ich in diese Lage, weil ich an ihr Eintreten nicht glaubte3. So überrascht einen denn plötzlich das Unglück, wenn man ihm nicht prüfend entgegensieht. Wie im Kriege dem unversehens nahenden Feind kaum standzuhalten ist, wie man den unvorbereitet betroffenen Gegner leicht überwältigt, so drücken auch unvorhergesehene Übel die Seele um so schwerer nieder.

191. In folgenden beiden Funktionen bekundet sich der Seelenadel: fürs erste soll dein Geist, in der Schule guter Gedanken erzogen, reinen Herzens schauen, was wahr und tugendhaft ist — denn „selig, die reinen Herzens sind, sie werden sogar Gott schauen“4 — und nur das Tugendhafte für gut halten; sodann durch keine Beschäftigungen sich beirren, durch keine Lüste sich wankend machen lassen.

192. Das bringt einer freilich nicht so leicht fertig. Denn was wäre so schwierig, als vom Standpunkt der Weisheit wie von einer Burg auf Reichtum und alles andere, was so vielen groß und erhaben dünkt, mit Verachtung herabzublicken? Ferner in ruhigem, [S. 103] vernünftigem Denken sich ein festes Urteil zu bilden und das Leichtbefundene als nichtsnutzig zu verschmähen? Sodann einen Unglücksfall, den man schwer und bitter empfindet, so zu ertragen, daß man ihn nicht für etwas Naturwidriges hält, indem man liest: „Nackt bin ich geboren, nackt will ich scheiden. Was der Herr gegeben, hat der Herr genommen“5 — hatte er (Job) doch sowohl seine Kinder wie sein Vermögen verloren6 — und in allem die Rolle des Weisen und Gerechten zu wahren, wie jener sie wahrte, der bekannte: „Wie es dem Herrn gefallen, so ist es geschehen: der Name des Herrn sei gepriesen!“7 Und im folgenden: „Wie eines der unverständigen Weiber hast du gesprochen. Haben wir das Gute aus der Hand des Herrn angenommen, wollen wir das Schlimme nicht auf uns nehmen?“8

1: Vgl. Cic. l. c. 23, 79 f.
2: Vgl. Cic. l. c. 23, 81.
3: Ähnlich Cic. l. c. 23, 81.
4: Matth. 5, 8.
5: Job 1, 21.
6: Job 1, 12 ff.
7: Job 1, 21.
8: Job 2, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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