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Ambrosius von Mailand (340-397) - Von den Pflichten der Kirchendiener (De Officiis)
Erstes Buch: Vom Sittlichguten

XX. Kapitel

Von der Sittsamkeit: Sie flieht die Gesellschaft der Genußmenschen (85). Kleriker sollen Gastmähler der Laien (86), Besuche bei Witwen und Jungfrauen meiden (87), ihre freie Zeit lieber auf Schriftlesung und fromme Übungen verwenden (88—89).

85. Die Sittsamkeit hat freilich auch ihre Klippen, nicht solche, die sie selbst mit sich führt, sondern in die sie hineingerät, wenn wir in die Gesellschaft ausschweifender Menschen fallen, die unter dem Schein der Lustbarkeit Gift in die Guten träufeln. Sind sie ständig um einen, insbesonders bei Mahl, Spiel und Scherz, entnerven sie den männlichen Ernst. Hüten wir uns darum, [S. 53] daß wir nicht, während wir geistige Abspannung suchen, die ganze Harmonie, sozusagen den Einklang unseres guten Handels und Wandels zerstören! Denn Gewohnheit verkehrt rasch die Natur.

86. Es entspricht sonach, wie ich glaube, einem klugen kirchlichen Wandel, wie insbesonders dem Dienste von Kirchendienern, daß ihr die Gastmähler von Laien meidet, sei es um selbst Gastfreundschaft gegen Fremde zu üben, sei es um durch solche Vorsicht nicht schlimmer Nachrede Raum zu geben. Machen doch auch Gastmähler von Laien ihre Ansprüche. Sodann verraten sie auch Genußsucht. Oft laufen auch Possen mitunter, welche die Welt und ihre Lustbarkeiten zum Gegenstand haben. [:] Die Ohren kann man nicht schließen,[;] sie verbieten gälte für [gelten als] Anmaßung. Auch mehr Becher, als man wünscht, laufen unter [machen die Runde]. Besser ist es, einmal im eigenen, als wiederholt im fremden Hause Entschuldigung stammeln zu müssen und seinerseits nüchtern aufstehen zu können. Gleichwohl dürfte man wegen der Ausgelassenheit anderer deine Beteiligung noch nicht verurteilen.

87. Besuche jüngerer Kirchendiener in den Häusern von Witwen und Jungfrauen sind unstatthaft, außer zum Zwecke einer Visitation, und auch da nur im Beisein von Älteren, d. i. des Bischofs oder, wenn ein wichtigerer (Verhinderungs-) Grund vorhanden ist, von Presbytern. Was tut es not, Weltleuten Anlaß zu übler Nachrede zu geben? Was brauchen jene häufigen Besuche auch noch den Charakter von Amtsbesuchen annehmen? Wie, wenn eine von jenen Personen etwa fallen sollte? Was willst du das Odiose fremden Falles auf dich nehmen? Wie viele, selbst starke Männer hat die verlockende Gelegenheit schon verführt! Wie viele haben zwar nicht der Verirrung, aber dem Verdacht Raum gegeben!

88. Warum willst du nicht die Zeit, die dir vom Kirchendienst erübrigt, auf die (Schrift-) Lesung verwenden? Warum nicht Christus besuchen, mit Christus [S. 54] sprechen, Christus hören? Mit ihm sprechen wir, wenn wir beten; ihn hören wir, wenn wir die göttlichen Aussprüche lesen. Was haben wir in fremden Häusern zu suchen? Ein Haus gibt es, das alle aufnimmt. Jene sollen lieber zu uns kommen, wenn sie uns benötigen. Was haben wir mit Possen zu tun? Den Altardienst Christi, nicht Menschendienst haben wir zur Verrichtung übernommen.

89. Demütig müssen wir sein, milde, sanft, ernst, geduldig, in allem maßvoll, daß weder der stumme Blick, noch die Rede irgendeine Schwäche an unserem sittlichen Verhalten verrate.

 

 

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Einleitung: Von den Pflichten der Kirchendiener
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger