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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Sechstes Buch
XV. Kapitel

121.

[S. 320] 1. Darum fährt er fort: "Und bei jedem Gedanken begegnet sie ihnen",1 indem sie sich auf mannigfaltige Weise sehen läßt, nämlich durch jegliche Art von Unterweisung.

2. Dann fügt er hinzu, indem er noch die Liebe, die alles vollenden kann, nennt und in einer Schlußfolgerungen verwendenden Redeform und auf Grund wahrer Voraussetzungen den überaus beweiskräftigen und wahren Schluß etwa so aufbaut: "Denn ihr Anfang ist das völlig wahrhaftige Verlangen nach Unterweisung" (das heißt nach Erkenntnis), "Sorge um Unterweisung ist aber Liebe zu ihr, die Liebe aber besteht in der Beobachtung ihrer Gebote, Festhalten an den Geboten ist aber Sicherstellung der Unsterblichkeit; Unsterblichkeit aber bewirkt, daß man Gott nahe ist. Verlangen nach Weisheit führt also zur Königsherrschaft empor."2

3. Er lehrt nämlich, wie ich meine, daß wahre Unterweisung das Verlangen nach Erkenntnis ist, Übung in der Unterweisung kommt aber wegen der Liebe zur Erkenntnis zustande, und die Liebe ist das Halten der zur Erkenntnis emporführenden Gebote, ihr Halten ist aber eine Bestätigung der Gebote, um deretwillen die Unsterblichkeit hinzukommt. "Unsterblichkeit aber bewirkt, daß man Gott nahe ist".3 Wenn also die Liebe zur Erkenntnis unsterblich macht und den der Königsherrschaft Würdigen bis in die Nähe Gottes des Königs emporführt, muß man füglich die Erkenntnis suchen, bis man sie findet.

4. Das Suchen besteht aber in einem Streben nach dem Erfassen, indem es durch gewisse Anzeichen den Gegenstand der Forschung ausfindig macht, das Finden aber ist Ziel und Ende des Suchens, wenn es zum Erfassen geführt hat, was eben die Erkenntnis ist.4 Und sie, die Erkenntnis, ist im eigentlichen Sinn ein Finden, da sie in einem Erfassen des Gesuchten besteht. Anzeichen aber sind, wie man sagt, das Vorhergehende oder das Zugleichvorhandene oder das Folgende.5

1: Weish 6,16.
2: Ebd. 6,17-20.
3: Ebd. 6,19.
4: Chrysippos Fr. log. 102 v. Arnim.
5: Vgl. Aristoteles, Analyt. prior. II 27 p. 70a 7-10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger