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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Sechstes Buch
XV. Kapitel

125.

1. Die Apostel berichten ja von dem Herrn, daß "er alles in Gleichnissen sagte und ihnen nichts ohne Gleichnisse sagte".1

2. Wenn aber "alles durch ihn wurde und ohne ihn nicht eines wurde",2 dann ist füglich auch die Weissagung und das Gesetz durch ihn geworden, und bei beider Verkündigung wurden Gleichnisse von ihm verwendet. Indessen ist, wie die Schrift sagt, "alles richtig vor den Verständigen",3 das heißt vor denen, die die vom ihm klar vorgetragene Auslegung der Heiligen Schrift entsprechend der kirchlichen Richtschnur aufnehmen und bewahren.

3. Die kirchliche Richtschnur besteht aber in dem Zusammenhang und der Übereinstimmung des Gesetzes und der Propheten mit dem bei der Anwesenheit des Herrn geschlossenen Neuen Bund.

4. Der Erkenntnis folgt nun Klugheit, und Besonnenheit folgt der Klugheit; denn es sei gesagt, daß die Klugheit in göttlicher Erkenntnis besteht und sich bei den zu göttlichem Wesen Erhobenen4 findet, die Besonnenheit dagegen etwas Irdisches ist und sich bei Menschen findet, die zwar nach Weisheit streben, aber noch nicht weise sind.5

5. Denn wenn die Tugend etwas Göttliches ist, so ist es gewiß auch ihre Erkenntnis. Die Besonnenheit aber, die gleichsam eine noch unvollkommene Klugheit ist, aber nach Klugheit strebt, die noch angestrengt tätig und noch nicht fähig ist, zu schauen, ist, wie das natürlich auch auf die Gerechtigkeit zutrifft, etwas Menschliches, etwas der Allgemeinheit [S. 324] Zugängliches und steht tiefer als die Frömmigkeit, die Gerechtigkeit gegenüber der Gottheit ist.6

6. Für den Vollkommenen beruht aber die Gerechtigkeit nicht auf staatlichen Verpflichtungen oder auf den Verboten des Gesetzes, sondern sie erwächst aus dem Handeln aus eigenem Antrieb und aus der Liebe zu Gott.7

1: Ebd. 13,34.
2: Joh 1,3.
3: Vgl. Spr 8,9.
4: Vgl. Protr. 114,4 und ähnliche Stellen.
5: Vgl. Strom. VI 61,2.
6: Vgl. Chrysippos Fr. phys. 1017 (S. 304,22 f.); Fr. mor. 660.
7: Sacra Par. 259 Holl.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger