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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer (In epistula ad Romanos commentarius)

ZEHNTE HOMILIE. Kap. IV, V. 23—25 und Kap. V, V. 1-11.

1.

Kap. IV, V. 23—25 und Kap. V, V. 1-11.

V. 23: „Nicht aber um seinetwegen allein ward es geschrieben, daß es ihm zur Gerechtigkeit angerechnet wurde“,
V. 24: „sondern auch um unseretwillen, denen es (ebenfalls) angerechnet werden soll, wenn wir an den glauben, der Jesus, unsern Herrn, von den Toten auferweckt hat.“

Viel Großes hat der Apostel von Abraham gesagt, von seinem Glauben, seiner Gerechtigkeit und der Ehre, die ihm von Gott zuteil wurde. Damit nun nicht etwa der Zuhörer einwende: Was geht das alles uns an? er wurde ja doch nur gerechtfertigt, stellt der Apostel uns gleich wieder (zum Vergleich) neben den Patriarchen. So groß ist die (umgestaltende) Macht des geistigen Wortes: Es spricht dem Heiden, der eben erst (zum Christentum) gekommen ist, der noch keine Werke getan hat, nicht nur nicht weniger zu als dem (gewöhnlichen) Juden, der gläubig geworden ist, sondern auch nicht weniger als dem Patriarchen, ja sogar, wenn ich etwas Verwunderliches sagen soll, viel mehr. Denn so hoch ist unser Adel, daß der Glaube jenes Mannes nur ein Schattenbild des unsrigen ist. — Der Apostel sagt auch nicht: „Wenn es ihm angerechnet wurde, so in gleicher Weise auch uns“, um dies nicht als einen bloßen Vernunftschluß erscheinen zu lassen. Er spricht vielmehr mit Berufung auf die Hl. Schrift und stellt seine Behauptung ganz als Schriftwort hin. Wozu anders, will er sagen, steht das geschrieben, als daß wir daraus erkennen lernen, daß auch wir ebenso gerechtfertigt werden? Wir haben ja demselben Gott geglaubt, dieselben Dinge, wenn auch nicht gerade mit Bezug auf dieselben Personen. — Bei Erwähnung unseres Glaubens kommt er auch, wie ihm dies geläufig ist, auf die unaussprechliche Menschenliebe Gottes zu sprechen mit Hinweis auf das Kreuz. Dies tut er, indem er spricht: [S. 156] V. 25: „Welcher unserer Sünden wegen überliefert ward und auferstanden ist unserer Rechtfertigung wegen.“

— Beachte wie er die Ursache des Todes Christi im einem Atem zum Beweis seiner Auferstehung macht! Weshalb wurde er gekreuzigt? fragt er. Nicht wegen einer persönlichen Sünde, und das geht hervor aus seiner Auferstehung. Denn wenn er ein Sünder war, wie konnte er auferstehen? Wenn er aber auferstanden ist, so geht daraus klar hervor, daß er kein Sünder war; wenn er aber kein Sünder war, warum wurde er dann gekreuzigt? — Für andere. — Wenn aber für andere, dann ist er ganz sicher auferstanden. — Damit nämlich nicht jemand einwende: Wie können wir, die wir unter dem Joch so vieler Sünden seufzen, gerechtfertigt werden? Darum weist er auf den hin, der alle Sünden, hinweggenommen hat. Der Apostel hat dabei die Absicht, seine Rede zu bekräftigen einerseits durch Hinweis auf den Glauben des Abraham, durch welchen dieser gerechtfertigt wurde, anderseits durch Hinweis auf das Leiden des Heilandes, durch welches wir von den Sünden befreit worden sind. In demselben Atem wie von seinem Tode spricht er auch von seiner Auferstehung. Er ist ja nicht gestorben, um (auch dann noch) Strafwürdige und Schuldige zu haben, sondern um eine Wohltat zu bringen; er ist gestorben und auferstanden, um Gerechte zu schaffen.

Kap. V, V. 1: „Gerechtfertigt also durch den Glauben, laßt uns Frieden haben mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“

— Was will das „Laßt uns Frieden haben“ sagen? Einige erklären es dahin, daß wir nicht einen Kampf heraufbeschwören sollen, indem wir darauf hinarbeiten, das Gesetz wieder einzuführen. Mir scheint aber, daß hier die Rede ist von unserem Lebenswandel. Nachdem nämlich der Apostel lang und breit vom Glauben gesprochen hat und von der Gerechtigkeit auf Grund der Gesetzeswerke, fügt er diesen Satz hinzu. Er will der Meinung entgegentreten, daß das Gesagte ein Grund sei, nun unbekümmert sich gehen zu lassen; er sagt darum: „Laßt uns Frieden halten“, d. h. laßt uns nicht mehr [S. 157] sündigen, laßt uns nicht mehr zu unserem früheren Wandel zurückkehren. Denn das heißt Krieg führen gegen Gott. — Aber wie ist es möglich, fragt er, nicht mehr zu sündigen? — Wie ist das Frühere möglich geworden? Wenn wir nämlich, da wir unter dem Joch so vieler Sünden seufzten, durch Christus von allen befreit worden sind, so werden wir doch viel leichter durch ihn in diesem Zustande bleiben können. Ist es ja doch nicht das gleiche, einen Frieden zu bekommen, und einen bereits gewährten aufrechtzuerhalten. Erwerben ist immer schwieriger als behalten. Und doch ist das Schwierigere leicht und zur Tat geworden. Es wird uns darum auch das Leichtere ausführbar werden, sofern wir nur an dem festhalten, der uns auch jenes andere hat ausführen helfen. Übrigens scheint hier der Apostel anzudeuten, daß (der neue sündenlose Wandel) nicht bloß möglich, sondern auch billig sei. Denn wenn uns Christus versöhnt hat, nachdem wir niedergerungen waren, so ist es billig, in diesem Zustand der Aussöhnung zu verbleiben und ihm auf diese Weise Erkenntlichkeit zu zeigen, damit es nicht den Anschein hat, als habe er Ruchlose und Undankbare mit dem Vater versöhnt.

V. 2: „Durch ihn haben wir ja Zutritt erhalten im Glauben.“

— Wenn er uns, da wir ferne von ihm waren, herbeigeholt hat, so wird er uns um so mehr bei sich festhalten, da wir nahe bei ihm sind.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger