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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer (In epistula ad Romanos commentarius)
FÜNFTE HOMILIE. Kap. 1, V. 26 und 27.

3.

Nein, nein, es gibt nichts, was schlimmer wäre als dieser Frevel. Wenn der hl. Paulus von der Hurerei sagt: „Jede Sünde, die etwa ein Mensch begeht, ist außerhalb seines Leibes; der Hurer aber sündigt gegen seinen eigenen Leib“ 1, was sollen wir erst von diesem Wahnsinn sagen, der so viel schlimmer ist als die Hurerei, daß es sich gar nicht ausdrücken läßt? Zu einem solchen muß ich nicht bloß sagen: Du bist ein Weib geworden, sondern auch: Du hast dein Mannsein verloren; du bist nicht umgewandelt worden in eine Frau, du bist aber auch nicht geblieben, was du warst, sondern du bist ein Verräter an beiden Geschlechtern geworden und verdienst von Männern und Frauen davongejagt und mit Steinen beworfen zu werden, weil du beide Ge- [S. 57] schlechter geschändet hast. Damit du begreifst, welch große Schande darin liegt, so sag’ mir, würdest du nicht vor einem davonlaufen als vor einem Verderber, der etwa zu dir käme und dir kundtäte, er wolle dich aus einem Menschen zu einem Hunde machen? Aber sieh, nicht zu einem Hunde hast du dich aus einem Menschen selbst gemacht, sondern zu einem noch viel verächtlicheren Wesen. Ein Hund ist doch immerhin zu etwas gut, eine solche Manneshure aber zu nichts. Was würde man dazu sagen, wenn einer drohte, er werde machen, daß Männer Kinder gebären und entbinden? Würden wir darüber nicht in Zorn geraten? Und doch sieh, Männer, die in diese wahnsinnige Verirrung geraten sind, tun sich selbst noch etwas viel Ärgeres an. Es ist nicht dasselbe, der ganzen Natur nach in ein Weib verwandelt zu werden oder ein Weib zu werden und dabei doch ein Mann zu bleiben, eigentlich vielmehr weder dies noch jenes. Willst du dir noch durch eine andere Erwägung einen richtigen Begriff machen von der alles übersteigenden Größe dieser Sünde, so frag’ dich, warum wohl die Gesetzgeber solche bestrafen, welche andere entmannen. Du wirst sehen, aus keinem andern Grunde, als weil solche die Natur verstümmeln. Und doch tun sie noch kein so großes Unrecht; denn solche Verschnittene bleiben ja doch oft auch nach ihrer Verstümmelung noch brauchbare Menschen. Es gibt aber kein nichtsnutzigeres Geschöpf als einen solchen zur Hure gewordenen Mann. Denn nicht bloß die Seele, sondern auch der Leib eines Mannes, der sich so etwas hat antun lassen, ist entehrt, und er sollte überall ausgestoßen werden. Welche Höllenstrafen werden groß genug sein für solche Menschen? Solltest du aber lächeln, wenn du von Höllenstrafen hörst und an jenes Feuer nicht glauben, so denk an Sodoma! Ja, ja, da sehen wir ein Bild der Hölle schon im gegenwärtigen Leben. Weil nämlich viele an das, was nach der Auferstehung kommt, nicht glauben wollen, wenn sie jetzt von einem unauslöschlichen Feuer hören, darum hat sie Gott durch ein Beispiel aus dem Diesseits belehrt. Es ist dies der Brand und der Feuerregen von Sodoma. Davon wissen die zu erzählen, die dort gewesen sind und die Spuren jenes göttlichen [S. 58] Strafgerichtes und das Vernichtungswerk der vom Himmel hernieder gefahrenen Blitze gesehen haben 2. Bedenke wie groß die Sünde sein muß, die das höllische Feuer vor der Zeit in Erscheinung treten läßt! Weil viele sich um bloße Worte nicht kümmern, darum hat ihnen Gott durch Taten ein Bild der Hölle in einer ganz eigenen Art vor Augen geführt. Jener Regen war ein Widerspruch in sich selbst [Feuer und Regen], wie auch der Geschlechtsverkehr der Sodomiten ein Widerspruch gegen die Natur war. Jener Regen überschwemmte das Land wie die Gier ihre Seelen. Er hatte die gegenteilige Wirkung von einem gewöhnlichen Regen; er regte den Schoß der Erde nicht nur nicht an, Früchte hervorzubringen, sondern machte sie unbrauchbar zur Aufnahme von Samen. So war auch der Geschlechtsverkehr der Männer von Sodoma: er machte den Körper noch unbrauchbarer. Was gibt es nur Fluchwürdigeres als eine solche männliche Hure, was Niederträchtigeres? O, der Tollheit, o, der Torheit! Woher ist nur diese Leidenschaft hereingekommen, die die menschliche Natur verwüstet wie ein Feindesheer (das Land), ja noch um soviel ärger, als die Seele höher steht als der Leib! O ihr, die ihr unvernünftiger seid als die Tiere, schamloser als die Hunde! Denn bei denen kommt ein solcher Geschlechtsverkehr gar nie vor; die Natur kennt ihre eigenen Grenzen. Ihr aber würdigt unser Geschlecht bis unter die Tiere herab. — Woher kommen nun aber diese Übel? Von der Genußsucht, von der Nichtkenntnis Gottes. Denn hat man einmal die Furcht Gottes abgelehnt, dann ist es auch um alles andere Gute geschehen.

1: 1 Kor. 6, 18.
2: Vgl. Josophus Flavius, De bello Jadaico 1. IV, c. 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger