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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer (In epistula ad Romanos commentarius)

DRITTE HOMILIE. Kap. I, V. 8—17.

1.

Kap. I, V. 8—17.

V.8: „Vor allem danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle, daß euer Glaube in der ganzen Welt verkündet wird.“

Diese Einleitung entspricht der heiligen Seele und ist darnach angetan, alle zu lehren, zu Beginn guter Worte und Taten Gott zu huldigen und ihm nicht bloß für die eigenen guten Werke zu danken, sondern auch für die anderer. Das macht die Seele rein von Neid und Mißgunst und macht Gott den Dankbaren noch ge- [S. 20] neigter. Darum sagt der Apostel anderswo: „Gelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen“ 1. Dank sagen sollen nicht bloß die Reichen, sondern auch die Armen; nicht bloß die Gesunden, sondern auch die Kranken; nicht bloß die vom Glück Begünstigten, sondern auch die von Unglück Heimgesuchten. Denn Gott zu danken, wenn alles gut geht, ist nichts Besonderes; wenn aber ein widriger Wind weht, wenn der Nachen schwankt und umkippen will — dann noch danksagen, das ist ein vollgiltiges Zeugnis von Ausdauer und Dankbarkeit. Darum ist auch Job gekrönt worden; er hat dem Teufel das unverschämte Maul gestopft und klar erwiesen, daß er, als es ihm wohl erging, nicht des irdischen Besitzes wegen dankbar war, sondern aus reiner Liebe zu Gott. — Beachte weiter, wofür Paulus danksagt: Nicht für irdische und vergängliche Dinge, wie für Herrschaft, Macht und Ruhm — denn die sind nicht der Rede wert —, sondern für wirkliche Güter, den Glauben und das Freisein von Menschenfurcht. Und mit welch tiefem Empfinden dankt er! Er spricht nicht einfach: „Gott“, sondern: „meinem Gott“. Auch die Propheten tun das; sie beziehen das allen Gemeinsame auf sich allein. Kein Wunder, daß sie es tun. Geht ihnen ja Gott selbst mit seinem Beispiele voran, wenn er von sich seinen Dienern gegenüber spricht. So nennt er sich immer Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. „Daß euer Glaube in der ganzen Welt verkündet wird.“ — Was? Die ganze Welt hat vernommen vom Glauben der Römer? Jawohl, und das ist nichts Unwahrscheinliches. Die Stadt war ja nicht verborgen, sondern wie auf einem Berggipfel gelegen und allseits sichtbar. Du aber beachte einmal die Kraft der Missionspredigt, wie sie in kurzer Zeit durch Zöllner und Fischer bis selbst in die Hauptstadt gedrungen ist, und wie Syrer die Lehrer und Führer von Römern geworden sind! Zwei Dinge bezeugt der Apostel von seinen Zuhörern als recht getan: daß sie geglaubt haben und daß sie frei waren von Menschenfurcht, und zwar so frei, [S. 21] daß der Ruf davon in die ganze Welt gedrungen ist. Denn euer Glaube, spricht er, wird in der ganzen Welt verkündet. „Der Glaube“, nicht Wortgezänke, nicht Silbenstechereien, nicht Vernünfteln. Und doch gab es dort viele Hindernisse für die Lehre. Die Römer, eben erst Herren des Erdkreises geworden, bildeten sich viel ein und lebten in Reichtum und Genuß dahin. Da brachten Fischer die Botschaft vom Evangelium, Juden, Stämmlinge von Juden, einem verhaßten und von allen verabscheuten Volke. Dazu geboten sie die Anbetung des Gekreuzigten, der im Judenlande erzogen war. Und mit dieser Glaubenslehre verkündeten ihre Lehrer ein strenges Leben und das Leuten, die nur nach Genuß lechzten und nur das Gegenwärtige schätzten. Und die, welche es verkündeten, waren arme Leute ohne Bildung und ohne Geburtsadel. Aber nichts von dem hielt das Wort in seinem Laufe auf. So groß war die Kraft des Gekreuzigten, daß er überall das Wort verbreitete.

„Er wird verkündet“, sagt er, „in der ganzen Welt.“ Er sagt nicht: „Er wird offenbart“, sondern: „Er wird verkündet“, gleichsam als ob ihn alle im Munde trügen. Wo er dasselbe den Thessalonichern bezeugt, fügt er noch etwas anderes bei. Nachdem er nämlich gesagt hat: „Von euch aus erscholl das Wort Gottes“, fügt er hinzu: „so daß wir nicht nötig haben, etwas davon zu sagen“ 2. Die Schüler nämlich waren in den Rang der Lehrer getreten, indem sie durch ihr freimütiges Bekenntnis alle im Glauben unterwiesen und sie an sich zogen. Nirgends machte die Missionspredigt halt, sondern verbreitete sich rascher als Feuer über den Erdkreis. An dieser Stelle aber heißt es bloß, daß der Glaube verkündigt wird. Ganz gut sagt er, daß er verkündigt wird; er deutet damit nämlich an, daß den Worten nichts hinzugefügt und nichts weggenommen werden darf. Aufgabe des Überbringers einer Kunde ist es ja, daß er das meldet, was ihm gesagt worden ist. Darum wird auch der Priester „Engel“, das ist Überbringer einer Kunde, oder „Bote“ genannt, weil er nicht [S. 22] sein eigenes verkündet, sondern das, was er von dem hat, der ihn schickt. Dort (in Rom) hatte ja auch Petrus gepredigt; aber das Werk dieses gilt dem Paulus wie sein eigenes, so frei ist er, wie ich oben sagte, von aller Mißgunst.

V. 9: „Denn mein Zeuge ist Gott dem ich diene in meinem Geiste im Evangelium seines Sohnes.“

1: Eph. 1, 2.
2: 1 Thess. 1, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger