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Hippolytus von Rom († um 235) - Canones (Canones Hippolyti)

19. Canon. Über die Katechumenen, Tauf- und Meßordnung.

1) Ist ein Katechumen ergriffen, den Martern unterworfen und getödtet worden, bevor er die Taufe empfing, so soll er mit den übrigen Martyrern begraben werden; er ist ja mit seinem eigenen Blute getauft.1

2) Der Katechumen ist zur Taufe zuzulassen, wenn er von Denen, die ihn zur Taufe führen, durch ein gutes Zeugniß empfohlen wird, daß er zu der Zeit, wo er den Vorbereitungsunterricht empfing, die Kranken besucht, den Schwachen beigestanden, sich vor allen bösen Reden gehütet und Loblieder zur Ehre Gottes gesungen habe; ausserdem ist er zu fragen, ob er den eitlen Ruhm hasse, den Stolz verachte und sich die Demuth erwähle.

3) Alsdann bekenne er dem Bischof (seine Sünden),2 denn dieser allein hat für ihn die Last der Verantwortlichkeit, damit der Bischof ihn prüfe und für würdig halte, an den Sakramenten Theil zu nehmen; denn in der Wahrheit ist er schon rein geworden.

[S. 24] 4) Darauf werde über ihn das Evangelium der betreffenden Zeit gelesen und er einige Mal auf folgende Weise gefragt: Bist du nicht zweideutigen Herzens oder in irgend eine Streitsache verwickelt? Denn es ist nicht erlaubt, daß Jemand des Himmelreichs spotte: denn wenn es kommt, verbannt es aus allen Herzen, (was dem Glauben und den guten Sitten entgegen ist).

5) Die zu Taufenden sollen am Donnerstage der Woche mit Wasser abgewaschen und gereinigt werden (Capitilavium). Am Freitag müssen sie fasten. Eine Katechumenin aber, die unrein wird, soll das Mal nicht getauft, sondern auf eine andere Zeit, wo sie rein ist, verschoben werden.

6) Am Samstage rufe der Bischof die Täuflinge zusammen,3 und nachdem sie niedergekniet und das Gesicht nach Osten gewendet haben, breite er über sie die Hände aus und bete, um den bösen Geist aus allen ihren Gliedern zu vertreiben. Jene aber hüten sich, daß sie von jetzt an nicht durch ihre Werke und Handlungen zu ihnen (den bösen Geistern) zurückkehren. Nachdem er ihre Beschwörung vollendet hat, hauche er ihnen in das Angesicht und bezeichne ihre Brust und Stirn, Ohren und Mund (mit dem Kreuzzeichen).

7) Zur Zeit des Hahnenrufes stellen sie sich in die Nähe des Taufbrunnens von reinem, durch Segnung vorbereitetem Wasser auf. Diejenigen, welche anstatt der Kinder bei dem Taufbrunnen antworten, ziehen ihnen die Kleider aus; die aber schon stark genug sind, mögen diese Art Vorbereitung selbst übernehmen. Alle Frauen sollen andere Frauen zu Begleiterinen haben, die ihnen die Kleider ausziehen. Die Frauen sollen allen Schmuck, wie Gold und Anderes, ablegen. Sie sollen die Haarnesteln lösen, damit nicht etwas Fremdes vom fremden Geiste mit ihnen in das Wasser der Wiedergeburt hinabsteige.

8) Der Bischof aber bete über das Öl des [S. 25] Exorcismus4 und übergebe es dem Priester. Dann bete er über das Salböl (Chrisma), welches ist das Öl der Danksagung, und übergebe es einem andern Priester. Der nun, welcher das Öl des Exorcismus in der Hand hält, stehe zur Linken, der aber das Chrisma hält, zur Rechten des Bischofs.

9) Wenn der Katechumen gesalbt wird, wende er das Gesicht nach Osten und spreche also: „Ich entsage dir, o Satan, mit aller deiner Pracht.“ Wenn er Dieses gesagt hat, salbe ihn der Priester mit dem Öl des Exorcismus, nachdem er über ihn gebetet, es möge der böse Geist von ihm weichen. Darauf übergibt er den Täufling dem Priester, der über dem Wasser steht; dieser ergreift seine rechte Hand und wendet sein Angesicht nach Osten.

10) Wie er mit nach Osten gewendetem Gesichte über dem Wasser steht spreche er, bevor er ins Wasser hinabsteigt, nachdem er das Öl des Exorcismus bekommen hat, also: „Ich glaube und verneige mich vor deinem ganzen Heere (der Engel und Heiligen), o Vater und Sohn und heiliger Geist.“

11) Alsdann steige er ins Wasser, der Priester aber lege die Hand auf seinen Kopf und frage ihn mit folgenden Worten: „Glaubst du an Gott, den allmächtigen Vater?“ Und indem der Täufling erwidert: „Ich glaube,“ wird er zum ersten Mal ins Wasser getaucht, während der Priester seine auf den Kopf gelegte Hand zurückzieht. Zum zweiten Male fragt er ihn mit folgenden Worten: „Glaubst du an Jesus Cbristus, den Sohn Gottes, den die Jungfrau Maria vom heiligen Geiste geboren hat, der gekommen ist, das Menschengeschlecht zu erlösen, der gekreuzigt ist für uns zur Zeit des Pontius Pilatus, der gestorben ist und auferstanden von den Todten am dritten Tage und aufgefahren ist in den Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters und kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten?“ Indem er antwortet: „Ich glaube,“ wird er zum zweiten Male in das Wasser getaucht.

[S. 26] Zum dritten Male wird er gefragt: „Glaubst du an den heiligen Geist, den Tröster, der von dem Vater und dem Sohne ausgeht?“5 Indem er antwortet: „Ich glaube,“ wird er zum dritten Mal in das Wasser getaucht. Bei jeder Eintauchung sagt der Taufende: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, der gleich ist (dem Vater und dem Sohne).“

12) Wie er aus dem Wasser steigt, bezeichnet der Priester, der das Öl der Danksagung hält, mit demselben dessen Stirn, Mund und Brust in Kreuzesform und salbt alsdann seinen ganzen Leib, seinen Kopf und sein Antlitz, indem er spricht: „Ich salbe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Darauf trocknet er ihn vorsichtig mit einem Tuche ab, kleidet ihn an und führt ihn in die Kirche.

13) Dort lege der Bischof Allen, die getauft sind, seine Hand auf und bete in folgenden Worten: „Wir benedeien dich, allmächtiger Gott, daß du Diese würdig gemacht, wiedergeboren zu werden, und ihnen deinen heiligen Geist mitgetheilt hast, so daß sie jetzt mit dem Leibe der Kirche vereinigt sind und durch keine fremde Bemühungen jemals von ihr getrennt werden können. Gib ihnen, denen du die Verzeihung der Sünde hast angedeihen lassen, nun auch noch die Anwartschaft auf dein Reich durch unsern Herrn Jesus Christus, durch welchen dir mit ihm und dem heiligen Geiste Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“ Darauf bezeichnet er ihre Stirn mit dem Zeichen der Liebe, küßt sie und sagt: „Der Herr sei mit euch.“ Die Getauften antworten: „Und mit deinem Geiste.“ Dieses thut er bei jedem der Getauften.6

[S. 27] 14) Jetzt beten sie mit dem ganzen Volke, welches sie darauf küßt in Freude und Jubel über sie.

15) Darauf fängt der Diakon die Zeremonien der Messe an,7 der Bischof aber bringt die Überreste des Geheimnisses des Leibes und Blutes unseres Herrn herab.8 Ist das geschehen, kommunicirt er das Volk, an dem Tische des Leibes und Blutes des Herrn stehend (und zwar auf folgende Weise): Die Presbyter tragen Kelche mit dem Blute Christi und andere Kelche mit Milch und Honig, um Denjenigen, welche davon genießen, einzuschärfen, daß sie wiedergeboren, gleichsam Kinder seien, deren Hauptnahrung in Milch und Honig besteht. Sind keine Presbyter anwesend, so sind sie (die Kelche) von Diakonen zu tragen. Darauf reicht ihnen der Bischof von dem Leibe des Herrn, indem er sagt: „Dieses ist der Leib Christi,“ worauf jene „Amen“ sagen. Diejenigen, denen der Kelch gereicht wird, antworten „Amen“, nachdem der Darreichende gesagt hat: „Dieses ist das Blut Christi.“

Alsdann nehmen sie Milch und Honig9 zum Andenken an die kommende Zeit und die Süßigkeit der Güter, die ihnen durch jene Zeichen angedeutet werden, so daß sie nicht zur Bitterkeit zurückkehren und verworfen werden. Denn das werden in Wahrheit vollkommene Christen, welche den Leib Christi genießen und durch Erbschaft Jene Weisheit empfangen, durch welche ihre Sitten mit Tugenden geschmückt werden, nicht allein für sich selbst, sondern auch für alle Völker, die nicht ohne Neid den Fortschritt Jener bewundern werden, die sich rühmen können, ihre Sitten seien höher und vorzüglicher als die der übrigen Menschen.

16) Diejenigen, welche getauft werden, sowie Alle, die mit ihnen zum Fasten verpflichtet sind, dürfen, bevor sie vom Leibe des Herrn genommen, Nichts genießen; handelten sie [S. 28] dagegen, so würde nicht das Fasten, sondern die Sünde angerechnet werden.

Wenn Jemand dem entgegen vor dem Empfange des Leibes Christi Etwas zu sich nimmt, so handelt er gegen Gott und verachtet ihn. Ist die Messe aber beendet, mag Jeder essen, was er will.

17) Alle Katechumenen sollen zusammenkommen, damit ein Katechet für sie ausreicht; dieser soll sie genügend unterrichten im Beten, Kniebeugen und daß die, welche getauft sind, nicht eher als nach dem Empfange des Leibes und Blutes Etwas genießen dürfen.

1: Melito sagt (Otto, Apologetarum reliquiae p. 418 Nr. XII.): „Es gibt eine zweifache Sündenvergebung: durch das Leiden für Christus und die Taufe.“ S. Tertullian de bapt. 15 u. 16.
2: Nach Tertullian de bapt. c. 20 bekannten die Täuflinge vor der Taufe ihre Sünden.
3: Tertullian de bapt. c. 7. sagt: „Das Recht (zu taufen) hat der oberste Priester, der Bischof und mit seiner Erlaubniß Priester und Diakonen.“
4: Das heutige Oel der Katechumenen.
5: Sind die Canones wirklich von Hippolytus, so dürfte dieß wohl die älteste und wichtigste Stelle für die Lehre vom Ausgange des heiligen Geistes sein.
6: In den beiden vorstehenden Nummern ist der Firmungsritus enthalten, denn die Firmung wurde bekanntlich in der alten Kirche gleich nach der Taufe ertheilt unter der Salbung mit Chrisam und Handauflegung des Bischofs. Hieraus ergibt [S. 27] sich, daß die Handauflegung nach der Salbung der Firmlinge zum Wesen dieses Sakramentes gehört. S. Tertullian de bapt. c. 7 u. 8.
7: D. h. er bringt dem Bischof Brod und Wein zum Opfer.
8: Das nach der Kommunion des Klerus Übriggebliebene.
9: S. Tertullian de corona, c. 3, wo derselben Sitte gedacht wird.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger