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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
FÜNFZEHNTES BUCH. Zusammenfassung der vorangehenden vierzehn Bücher. Der Mensch ist Bild Gottes in jenem Bereiche seines Seins, der dem Ewigen zugewandt ist. Die Unterschiede zwischen der menschlichen und göttlichen Trinität

16. Kapitel. Unser Wort ist auch in der Seligkeit dem göttlichen Worte nicht gleich.

Demgemäß spricht man so vom Worte Gottes, daß man es nicht das Denken Gottes heißt, damit es nicht gleichsam als etwas in Gott Kreisendes erscheine, das, damit es Wort sei, bald diese, bald jene Gestalt annimmt und seine Gestalt verlieren kann und dann gewissermaßen gestaltlos umherschweift. Gut kannte die Worte und gut hatte die Tragkraft des Denkens durchschaut der hervorragende Sprachkünstler, der in seinem Gesang sagte: „Im Herzen er wendet hin und her des Kriegs vielfältigen Gang.“1 Nicht also heißt der Sohn Gottes Gedanke Gottes, sondern Wort Gottes. Unser Denken freilich ist, wenn es an einen Gegenstand gerät, [S. 295] den wir kennen, und wenn es von daher geformt wird, unser wahres Wort. Und deshalb muß man einsehen, daß das Wort Gottes ohne Denken Gottes besteht, so daß man in ihm eine einfache Gestalt sieht, die nichts Gestaltbares besitzt, das auch ungestaltet sein könnte. In der Heiligen Schrift ist freilich auch von Gedanken Gottes die Rede, aber nach jener Redeweise, nach der dort auch vom Vergessen Gottes die Rede ist — solche Aussagen gelten sicherlich nicht im eigentlichen Sinne von Gott.

26. Da mithin jetzt dieses Rätselbild eine so tiefgreifende Unähnlichkeit mit Gott und mit dem Worte Gottes aufweist — es ließ sich jedoch auch einige Ähnlichkeit nachweisen —, so müssen wir zugestehen, daß wir auch dann, wenn wir ihm ähnlich sein werden, da wir ihn sehen werden, wie er ist2 — der dies sagte, hat ohne Zweifel die jetzt bestehende Unähnlichkeit im Auge gehabt —, ihm nicht in der Natur gleich sein werden. Immer ist nämlich die geschaffene Natur geringer als die schaffende. Dann wird freilich unser Wort nicht mehr falsch sein, da wir nicht mehr lügen und nicht mehr uns täuschen werden. Vielleicht werden unsere Gedanken nicht mehr umherschweifen, von einem zum anderen gehend und zurückkehrend, sondern wir werden unser ganzes Wissen zumal mit einem Blicke schauen — dennoch wird, auch wenn dies einmal geschehen sein wird, wenn es überhaupt geschieht, ein Geschöpf Gestalt besitzen, das gestaltbar war, so daß seiner Gestalt, zu der es gelangen sollte, nun nichts mehr fehlt; dennoch aber wird es nicht gleichzustellen sein jener Einfachheit, in der nichts Gestaltbares gestaltet und umgestaltet wurde, in der es vielmehr nur Gestalt gibt; dort ist ja die nicht ungestaltete und die nicht gestaltete, ewige und unwandelbare Substanz.

1: Vergil, Aeneis, l. X vers. 159 f.
2: 1 Joh. 3, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger