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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
FÜNFZEHNTES BUCH. Zusammenfassung der vorangehenden vierzehn Bücher. Der Mensch ist Bild Gottes in jenem Bereiche seines Seins, der dem Ewigen zugewandt ist. Die Unterschiede zwischen der menschlichen und göttlichen Trinität

14. Kapitel. Das Wort Gottes ist dem Vater in allem gleich.

23. Das Wort Gottes des Vaters ist also der eingeborene Sohn, in allem dem Vater ähnlich und gleich, Gott von Gott, Licht vom Lichte, Weisheit von Weisheit, Wesen von Wesen. Es ist durchaus dasselbe wie der Vater, jedoch nicht Vater, weil er Sohn, jener Vater ist. Deshalb kennt es alles, was der Vater kennt. Aber es hat sein Wissen wie auch sein Sein vom Vater. Wissen [S. 290] und Sein ist ja dort eins. Wie daher der Vater sein Sein nicht vom Sohne hat, so auch nicht sein Wissen. Mithin zeugte der Vater, indem er gleichsam sich selbst aussprach, sein ihm in allem gleiches Wort. Er hätte sich ja nicht vollständig und vollkommen ausgesprochen, wenn er weniger oder mehr in seinem Worte ausgesprochen hätte, als in ihm ist. Hier erfüllt sich im höchsten Maße das Wort: „Ja, ja; nein, nein.“1 Deshalb ist dies Wort wahrhaftig Wahrheit. Denn was immer in dem Wissen ist, von dem es gezeugt wurde, das ist auch in ihm; was aber in jenem nicht ist, das ist auch nicht in ihm. Einen falschen Inhalt kann dies Wort nie haben, weil es sich unwandelbar so gehabt, wie sich jener gehabt, von dem es ist. „Nicht kann“ ja „der Sohn etwas von sich tun, außer was er den Vater tun sieht.“2 Es ist Ausfluß der Macht, wenn er das nicht kann, nicht der Schwäche; es ist jene Kraft, in der die Wahrheit nicht falsch sein kann. Alles weiß daher Gott Vater in sich selbst, alles weiß er im Sohne, in sich selbst aber wie sich selbst, im Sohne wie sein Wort, das von all dem gezeugt ist, das im Vater selbst ist. In ähnlicher Weise weiß alles auch der Sohn, in sich selbst nämlich als das, was von dem geboren ist, das der Vater in sich weiß, im Vater aber als das, von dem geboren ist, was der Sohn in sich selbst weiß. Es kennen sich also Vater und Sohn, jener, indem er zeugt, dieser, indem er gezeugt wird. Und alles, was in ihrem Wissen, in ihrer Weisheit, in ihrem Wesen ist, sieht jeder von ihnen zugleich, nicht teilweise oder nacheinander, gleich als ginge der Blick abwechselnd bald hierhin, bald dorthin und von dorther wieder hierher, und bald zu diesem, bald zu jenem, so daß er das eine nur sehen könnte, indem er das andere nicht sieht, sondern alles sieht er, wie gesagt, zugleich — es gibt ja nichts darin, was er nicht immer sähe.

[S. 291] 24. Unser Wort aber, jenes, das weder einen Klanglaut noch die Vorstellung eines Klanglautes kennt, sondern eben das Wort eines Dinges ist, das wir innen sprechen, indem wir es schauen, und das daher keiner Sprache angehört und so, sei es wie immer, in diesem Rätselbilde dem Worte Gottes ähnlich ist, das auch Gott ist — es ist ja auch dies unser Wort von unserem Wissen geboren, wie jenes Wort vom Wissen des Vaters geboren ist —, unser so beschaffenes Wort also, das, wie wir feststellen können, irgendwie jenem Worte ähnlich ist, ist ihm auch in hohem Maße unähnlich — man möge es sich nicht verdrießen lassen, auch dies zu sehen, wie es von uns gesagt werden konnte.

1: Matth. 5, 37.
2: Joh. 5, 19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger