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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
VIERZEHNTES BUCH. Das Bild Gottes wird im menschlichen Geiste verwirklicht nicht so sehr durch die Erinnerung, Schau und Liebe eines vergänglichen Gegenstandes oder des Geistes selbst als vielmehr durch die Fähigkeit, sich Gottes zu erinnern, ihn zu schauen und zu lieben.

10. Kapitel. Wie der Geist, indem er sich seiner erinnert, sich sieht und liebt, eine Dreiheit bildet

13. Bei der Wissenschaft von all den zeitlichen Dingen, die wir erwähnen, gehen manche Wissenschaftsgegenstände der Erkenntnis in zeitlichem Abstand voran, so das Sinnfällige, das in der Wirklichkeit der Dinge schon Bestand hatte, bevor es erkannt wurde, oder auch all das, was im Bereiche der geschichtlichen Erkenntnis liegt; manches beginnt zugleich mit seiner Erkenntnis zu sein; so geht ein sichtbarer Gegenstand, der bis dahin gar kein Sein hatte und plötzlich vor unseren Augen entsteht, sicherlich unserer Erkenntnis nicht voran, ebenso ist est wenn ein Klang vor einem anwesenden Zuhörer entsteht: da beginnen in der Tat zugleich und hören zugleich auf der Klang und seine Hörbarkeit. Mag indessen das Erkennbare der Erkenntnis zeitlich vorangehen, mag es zugleich mit ihr entstehen, das Erkennbare erzeugt die Erkenntnis, nicht wird es [S. 229] durch die Erkenntnis erzeugt. Wenn aber die Erkenntnis erzeugt ist und das, was wir erkannt haben, im Gedächtnis hinterlegt und dort in der Erinnerung wieder geschaut wird, wer sähe da nicht, daß die Bewahrung im Gedächtnis zeitlich früher ist als die Schau in der Erinnerung und die Verbindung dieser beiden durch den Willen als drittes? Im Geiste aber ist es nicht so. Er ist sich nämlich kein Ankömmling, gleich als ob er zu seinem Selbst, sofern es schon war, von anderswoher käme eben in diesem seinem Selbst, sofern es noch nicht da war, oder als ob er zwar nicht von anderswoher käme, sondern in seinem Selbst, das schon war, eben dies sein Selbst geboren worden wäre, das noch nicht war, wie im Geiste, der schon war, der Glaube entsteht, der noch nicht war, oder als ob er sich, wenn er sich nach seiner einmal vollzogenen Selbsterkenntnis seiner erinnert, in seinem Gedächtnis sähe, wie wenn er dort hinterlegt worden wäre und wie wenn er nicht dort gewesen wäre, bevor er sich selbst erkannte, während er doch in der Tat, seit er zu sein begann, niemals aufhörte, sich seiner zu erinnern, niemals aufhörte, sich einzusehen, niemals aufhörte, sich zu lieben, wie wir schon gezeigt haben.1 Wenn er sich sonach denkend zu sich selbst wendet, dann entsteht eine Dreiheit, in der man auch schon ein Wort feststellen kann. Es wird ja eben durch das Denken gebildet, während der Wille beides eint. Hier also läßt sich eher das Bild feststellen, das wir suchen.

1: Lib. X c. 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger