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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
DREIZEHNTES BUCH. Nochmals der Unterschied von Weisheit und Wissenschaft. Zum Bereiche der Wissenschaft gehört der Glaube an das Erlösungswerk Christi, durch den wir zur wahren Glückseligkeit gelangen. Im geistigen Besitz des Glaubens läßt sich eine Dreiheit feststellen.

7. Kapitel. Der Glaube ist für die Erlangung der Seligkeit notwendig.

10. Und deshalb ist in diesem sterblichen, mit Irrtum und Drangsal ausgefüllten Leben vor allem der Glaube notwendig, in dem man an Gott glaubt. Nicht kann nämlich irgendein Gut, vor allem nicht jenes, [S. 174] durch das man gut und durch das man glücklich wird, gefunden werden, es sei denn, daß es von Gott in den Menschen kommt und zum Menschen hinzutritt. Wenn aber derjenige, der in den Mühsalen hier treu und gut ist, aus diesem Leben zum glücklichen Leben gelangt, dann wird Wahrheit, was in diesem Leben auf keine Weise sein kann, daß nämlich der Mensch so lebt, wie er will. Denn er wird in jenem Glücke nicht schlecht leben wollen und nichts wollen, was ihm fehlt; nicht auch wird ihm etwas fehlen, was er will. Was immer geliebt wird, wird da sein; und nicht wird etwas ersehnt werden, was nicht da ist. Alles, was dort sein wird, wird gut sein, und zwar wird der höchste Gott das höchste Gut sein, und er wird allen Liebenden zum Genusse gegenwärtig sein; und was überhaupt zur vollen Seligkeit gehört, das wird — darüber besteht Gewißheit — immer da sein. Jetzt aber freilich gibt es Philosophen, die sich, wie es jedem gefällt, ihr eigenes glückliches Leben geschaffen haben, gleich als könnten sie mit eigener Kraft, was sie nach dem allgemeinen Zustand der Sterblichen nicht konnten, so nämlich zu leben, wie sie wollen. Sie merkten nämlich, daß niemand auf andere Weise glücklich leben kann, als wenn er hat, was er will, und nichts erleiden muß, was er nicht will. Wer aber wünschte nicht, daß ein Leben, an dem man sich ergötzt, und das man deshalb glücklich nennt, so in seiner Macht sei, daß er es für immer haben könne? Und doch, wer ist so? Wer hätte etwa den Wunsch, Beschwerden zu erleiden, damit er sie tapfer ertragen kann, wenngleich er den Willen und die Kraft hat, sie zu ertragen, wenn er sie erleidet? Wer möchte in Qualen leben, auch wenn er in ihnen, in Geduld die Gerechtigkeit wahrend, lobwürdig leben kann? An die Vergänglichkeit dieser Übel dachten jene, die sie ertrugen, mochten sie zu besitzen begehren oder zu verlieren befürchten, was sie, sei es nichtswürdig, sei es lobenswürdig, liebten. Denn viele streckten sich in [S. 175] vorübergehenden Übeln nach bleibenden Gütern tapfer aus. Diese sind in der Tat in Hoffnung glücklich, auch wenn sie in vorübergehenden Übeln sich befinden, durch die sie zu nicht vorübergehenden Gütern gelangen. Wer aber in Hoffnung glücklich ist, ist noch nicht glücklich. Er erwartet ja in Geduld das Glück, das er noch nicht festhält. Wer hingegen ohne jede derartige Hoffnung, ohne jeden derartigen Lohn gepeinigt wird, der ist, mag er noch soviele Fähigkeit zum Erfragen aufbieten, nicht in Wahrheit glücklich, sondern mit Tapferkeit unglücklich. Er ist ja nicht deshalb nicht unglücklich, weil er noch unglücklicher wäre, wenn er sein Elend auch noch mit Ungeduld trüge. Andererseits ist er, wenn er nicht zu erdulden braucht, was er an seinem Leibe nicht erdulden will, doch auch so nicht für glücklich zu halten, da er nicht lebt, wie er will. Um nämlich anderes zu übergehen, daß nämlich, ohne den Leib zu verletzen, der Seele Kränkungen zugefügt werden, ohne die wir leben wollten, und daß sie unzählbar sind: jedermann möchte doch sicherlich den Leib, wenn er könnte, so heil und unversehrt erhalten und an ihm keine Beschwerden erleiden, daß er wünschte, er möge dies in seiner Gewalt haben oder es möge in der Unversetzbarkeit des Leibes selbst beschlossen sein. Weil er dies nicht hat und es im Unsicheren hängt, lebt er wahrlich nicht, wie er will. Wenn er nämlich auch in tapferem Sinn bereit ist, auf sich zu nehmen und hinzunehmen und mit Gleichmut zu tragen, was ihm an Widrigem zustößt, so will er doch lieber, daß es ihm nicht zustößt, und wenn er könnte, würde er es so richten; und so ist er bereit zu beidem, bereit, daß er, soviel an ihm liegt, das eine wünscht, das andere meidet, und wenn, was er meidet, eintritt, erträgt er es deshalb, weil nicht geschehen konnte, was er wollte. Damit er also nicht niedergedrückt wird, erträgt er; gedrückt werden aber wollte er nicht. Wieso lebt er also, wie er will? Etwa weil er mit Willen tapfer ist in der Ertragung dessen, [S. 176] was er sich nicht zugefügt wünschte? Dann will er also deshalb, was er kann, weil er, was er will, nicht kann. Das ist das ganze Glück — man weiß nicht, soll man darüber lachen oder es eher beklagen — der hochmütigen Sterblichen, die sich rühmen, so zu leben, wie sie wollen, weil sie mit Willen geduldig ertragen, was ihnen nach ihrem Willen nicht zustoßen sollte. Das ist, wie sie behaupten, die Weisheit, die Terenz verkündet: „Weil nicht geschehen kann, was du willst, wolle, was du kannst.“1 Daß dies ein gewandtes Wort ist, wer möchte es leugnen? Allein es wird da dem Unglücklichen der Rat gegeben, nicht noch unglücklicher zu sein. Dem Glücklichen aber — alle wollen es doch sein — wird mit dem Worte: Es kann nicht geschehen, was du willst, weder etwas Richtiges noch etwas Wahres gesagt. Wenn er nämlich glücklich ist, dann kann geschehen, was immer er will, weil er nicht will, was nicht geschehen kann. Aber nicht ist das glückliche Leben ein Leben dieser Sterblichkeit, und es kann kein Glück sein, außer es gibt auch eine Unsterblichkeit. Wenn diese dem Menschen in keiner Weise gegeben werden kann, dann ist es auch zwecklos, nach dem Glücke zu suchen. Denn ohne Unsterblichkeit kann es nicht bestehen.

1: Andria, act. 1, scen. 1, v. 5 f. (ed. Vahlen).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger