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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
DREIZEHNTES BUCH. Nochmals der Unterschied von Weisheit und Wissenschaft. Zum Bereiche der Wissenschaft gehört der Glaube an das Erlösungswerk Christi, durch den wir zur wahren Glückseligkeit gelangen. Im geistigen Besitz des Glaubens läßt sich eine Dreiheit feststellen.

18. Kapitel. Warum der Sohn Gottes die menschliche Natur aus dem Geschlechte Adams und aus einer Jungfrau annahm.

23. Es konnte nämlich Gott sicherlich den Menschen auch von anderswoher annehmen, um in ihm der Mittler zwischen Gott und den Menschen zu sein, nicht aus dem Geschlechte jenes Adam, der durch seine Sünde das menschliche Geschlecht in die Sünde verwickelte, wie er jenen, den er als ersten Menschen schuf, nicht aus dem Geschlechte eines anderen schuf. Er konnte also ebenso oder auf eine andere beliebige Weise einen anderen Menschen schaffen, von dem der Sieg über den Sieger des ersten ausgehen sollte. Aber Gott erachtete es für besser, eben aus dem Geschlechte, das besiegt worden war, den Menschen anzunehmen, durch den er den Feind des menschlichen Geschlechtes besiegen [S. 198] wollte, und dennoch aus der Jungfrau, deren Empfängnis der Geist, nicht das Fleisch, der Glaube, nicht die Lust vorherging.1 Nicht trat hier in Tätigkeit die Begierlichkeit des Fleisches, durch welche alle übrigen erzeugt und empfangen werden, die sich die Ursünde zuziehen; sie fehlte vielmehr ganz und gar; die heilige Jungfräulichkeit ist durch den Glauben, nicht durch den Beischlaf befruchtet worden, damit jener Eine, der aus der Nachkommenschaft des ersten Menschen geboren wurde, bloß in der Reihe des Geschlechts, nicht auch in jener der Sünde stehe. Es wurde ja nicht durch sündige Berührung eine befleckte Natur geboren, sondern nur das Heilmittel für alle diese Sünden. Geboren wurde, sage ich, ein Mensch, der keinerlei Sünde hatte, keinerlei haben sollte, durch den wiedergeboren werden sollten, die von der Sünde befreit werden mußten, jene, die ohne Sünde nicht geboren werden konnten. Wenngleich nämlich die eheliche Keuschheit von der fleischlichen Begierlichkeit, die den Zeugungsgliedern innewohnt, einen guten Gebrauch macht, so hat sie doch unfreiwillige Regungen, durch die sie zeigt, daß sie im Paradiese entweder überhaupt nicht existierte oder, wenn sie existierte, daß sie nicht so war, daß sie jemals dem Willen widerstrebte. Jetzt aber spüren wir, daß sie so ist, daß sie, dem Gesetze des Geistes widerstreitend, auch wenn kein Anlaß zur Zeugung vorliegt, wie ein Stachel zum Beischlaf antreibt. Gibt man ihr nach, dann wird sie in Sünde befriedigt; gibt man ihr nicht nach, dann wird sie in Kampf gezügelt. Daß diese beiden Dinge dem Paradiese vor der Sünde fremd waren, wer möchte dies bezweifeln? Denn weder tat jene Ehrbarkeit etwas Unehrbares, noch duldete jene Seligkeit etwas Unfriedsames. Es durfte daher jene fleischliche Begierlichkeit dort gar nicht sein, als die Jungfrau den empfing, an dem nichts Todeswürdiges finden sollte und den doch töten sollte der Urheber des Todes, der durch den Tod [S. 199] des Urhebers des Lebens besiegt werden sollte, der Besieger des ersten Adam und der Besitzer des Menschengeschlechts; er wurde so besiegt vom zweiten Adam und verlor das Christengeschlecht, das, ausgesondert aus dem menschlichen Geschlechte, von der menschlichen Sünde befreit wurde durch den, der nicht in Sünden war, wenngleich er aus dem Geschlechte war; in dieser Weise sollte jener Betrüger eben von dem Geschlechte besiegt werden, das er durch die Sünde besiegt hatte. Und das ist deshalb so geschehen, damit sich der Mensch nicht überhebe, sondern damit, „wer sich rühme, sich im Herrn rühme“.2 Der nämlich vom Teufel besiegt worden war, war nur ein Mensch, und deshalb wurde er besiegt, weil er in Hochmut Gott zu sein begehrte. Der aber siegte, war Mensch und Gott, und deshalb siegte der aus der Jungfrau Geborene in dieser Weise, weil Gott, sich erniedrigend, nicht diesen Menschen leitete wie andere Heilige, sondern selbst in ihm sich darstellte.

1: Luk. 1, 26―38.
2: 2 Kor. 10, 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger