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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
DREIZEHNTES BUCH. Nochmals der Unterschied von Weisheit und Wissenschaft. Zum Bereiche der Wissenschaft gehört der Glaube an das Erlösungswerk Christi, durch den wir zur wahren Glückseligkeit gelangen. Im geistigen Besitz des Glaubens läßt sich eine Dreiheit feststellen.

16. Kapitel. Vom Sinne des auch nach der Erlösung verbleibenden Todes.

20. Wenngleich nämlich auch der Tod des Fleisches von der Sünde des ersten Menschen ursprunghaft herkommt, so schuf doch sein guter Gebrauch die ruhmreichsten Märtyrer. Und deshalb haben nicht nur er selbst, sondern auch alle Übel dieser Welt, die Leiden und Mühen der Menschen, wenngleich sie von der Schuld der Sünden, vor allem der Ursünde herkommen, durch die auch das Leben selbst an die Fessel des Todes gebunden wurde, dennoch auch nach Nachlassung der Sünden bleiben müssen, damit der Mensch in ihnen für die Wahrheit ringe und durch sie die Tugend der Gläubigen geübt werde, auf daß der neue Mensch im neuen Bunde durch die Übel dieser Zeit sich vorbereite für die neue Zeit, das Elend, das er verdiente, weise tragend, indem er jenes Leben verdammt, und klug sich beglückwünschend, daß es ein Ende nimmt, die Glückseligkeit hingegen, die er in dem befreiten zukünftigen Leben ohne Ende haben wird, gläubig und geduldig erwartend. Der Teufel ist nämlich aus der Herrschaft und aus den Herzen der Gläubigen hinausgejagt, in deren Verdammung und Unglauben er, wenngleich selbst verdammt, doch herrschte; und es ist ihm entsprechend dem Los dieser Sterblichkeit nur mehr soviel Gegnerschaft gestattet, als ihnen zuträglich ist nach dem [S. 193] Wissen dessen, von dem die heiligen Schriften durch den Mund des Apostels hören lassen: „Gott ist getreu, daß er euch nicht über eure Kräfte versuchen läßt, sondern er wird mit der Versuchung auch den Ausgang geben, daß ihr aushalten könnt.“1 Nütze aber sind jene Übel, welche die Gläubigen fromm ertragen, entweder für die Verbesserung der Sünden oder für die Einübung und Bewährung in der Gerechtigkeit oder für die Aufweisung des Elends dieses Lebens, auf daß jenes, in dem die wahre und dauernde Glückseligkeit sein wird, noch glühender ersehnt und angestrengter gesucht werde. Von den Gläubigen aber gilt das Apostelwort: „Wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht, denen, die nach seinem Wohlgefallen zu Heiligen berufen sind. Denn die er vorhererkannte, hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu werden, so daß er selbst der Erstgeborene unter vielen Brüdern ist. Die er aber vorherbestimmte, diese hat er auch berufen, und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt, und die er gerechtfertigt hat, hat er auch verherrlicht.“2 Von diesen Vorherbestimmten wird niemand mit dem Teufel zugrundegehen, niemand bis zum Tode in der Herrschaft des Teufels verbleiben. Dann fährt er fort — ich habe oben schon darauf hingewiesen —: „Was sollen wir also sagen? Wenn Gott für uns ist, wer ist da wider uns? Der seinen eigenen Sohn nicht schonte, sondern ihn für uns alle dahingab, wie hat er uns mit ihm nicht auch alles gegeben?“3

21. Warum also sollte der Tod Christi nicht geschehen? Ja warum sollten nicht die anderen, unzählbaren Weisen unterbleiben, die der Allmächtige gebrauchen konnte, um uns zu befreien? Warum sollte nicht gerade er vorzüglich gewählt werden, daß er Ereignis werde, wo auf der einen Seite an Christi Göttlichkeit sich nichts minderte oder wandelte, auf der anderen Seite [S. 194] gerade so durch seine Menschheit, die er annahm, soviel Wohltaten auf die Menschen gehäuft wurden? Es nahm ja der immerwährende Sohn Gottes, der zugleich Menschensohn war, den unverschuldeten, zeithaften Tod auf sich und befreite durch ihn die Menschen von dem immerwährenden, verschuldeten Tod. Der Teufel hielt unsere Sünden fest und band uns durch sie mit Recht an den Tod. Es ließ sie nach jener, der eigene nicht hatte; er ist vom Teufel zu Unrecht dem Tode überliefert worden. So großen Wert hatte indes jenes Blut, daß niemanden, der Christus angezogen hat, im ewigen, verschuldeten Tod niederhalten darf, der Christus in unverschuldetem Tode, freilich auch nur für eine Zeitlang, tötete. „Es erweist“ also „Gott seine Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns, da wir noch Sünder waren, gestorben ist. Noch viel mehr werden wir, da wir nun gerechtfertigt sind in seinem Blute, vor seinem Zorn durch ihn bewahrt bleiben.“4 „Gerechtfertigt“, sagt er, „in seinem Blute“. Gerechtfertigt offenkundig in dem Sinne, daß wir von allen Sünden befreit sind. Befreit aber von allen Sünden sind wir, weil für uns der Sohn Gottes, der keine Sünde hatte, getötet wurde. „Bewahrt“ also „bleiben wir vor seinem Zorn durch ihn“, vor dem Zorne Gottes nämlich, der nichts anderes ist als die gerechte Strafe. Nicht ist nämlich bei Gott wie beim Menschen der Zorn eine Erregung des Gemütes. Es ist ja der Zorn dessen, zu dem die Heilige Schrift an einer Stelle sagt: „Du aber, Herr der Mächte, richtest in Ruhe.“5 Wenn also die gerechte göttliche Strafe einen derartigen Namen erhielt, gilt dann Ähnliches auch von der Versöhnung mit Gott, soferne man sie recht versteht, die ja erst vollzogen wird, wenn jener Zorn zu Ende ist? Nicht waren wir ja Gott anders feind, als wie die Sünden feind sind der Gerechtigkeit. Wenn sie nachgelassen sind, sind solche Feindschaften zu Ende, und es werden mit dem [S. 195] Gerechten ausgesöhnt, die er selber gerecht macht. Diese liebte er jedoch auch schon als Feinde, da er ja „seinen eigenen Sohn nicht schonte, sondern ihn für uns alle dahingab“, da wir noch Feinde waren.6 Mit Recht fügte also der Apostel im folgenden hinzu: „Wenn wir nämlich, da wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes“, durch den jene Nachlassung der Sünden erfolgte, dann werden wir viel mehr „nach der Versöhnung bewahrt bleiben durch sein Leben“.7 Durch sein Leben werden gerettet, die durch seinen Tod versöhnt wurden. Wer möchte nämlich zweifeln, daß er seinen Freunden sein Leben geben werde, für die er, als sie noch seine Feinde waren, seinen Tod hingab? „Nicht allein aber dies“, sagt er, „sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Erlösung empfangen haben.“8 „Nicht nur“, sagt er, bewahrt werden wir bleiben, „sondern wir rühmen uns auch“, und zwar nicht unserer selbst, sondern „Gottes“, nicht durch uns, sondern „durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir jetzt die Versöhnung empfangen haben“ — es wurde das weiter oben dargelegt. Dann fügt der Apostel hinzu: „Deshalb wie durch einen Menschen die Sünde in diese Welt eintrat und durch die Sünde der Tod und so der Tod auf alle Menschen überging, in welchem alle gesündigt haben“,9 und die anderen Worte, in denen er ausführlicher über die beiden Menschen handelt, über den einen, nämlich den ersten Adam, durch dessen Sünde und Tod wir, seine Nachkommen, gleichsam in ein schlimmes Erbe verwickelt wurden, über den anderen, den zweiten Adam, der nicht nur Mensch, sondern auch Gott ist, der für uns bezahlte, was er nicht schuldig war, so daß wir von unseren Schulden, den ererbten sowohl wie den eigenen, befreit wurden. Weil demnach wegen des Einen der Teufel alle festhielt, die durch dessen befleckte, fleischliche [S. 196] Begierlichkeit gezeugt wurden, so ist es gerecht, daß er wegen dieses Einen alle frei lasse, die durch seine unbefleckte, geistliche Gnade wiedergeboren wurden.

1: 1 Kor. 10, 13.
2: Röm. 8, 28―30.
3: Röm. 8, 31.
4: Röm. 5, 8 f.
5: Weish. 12, 18.
6: Röm. 8, 32; 5, 10.
7: Röm. 5, 10.
8: Röm. 5, 11.
9: Röm. 5, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger