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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
VIERTES BUCH. Zweck der Sendung des Sohnes bzw. der Menschwerdung.

17. Kapitel. Wie die Zukunft vorhergewußt werden kann.

22. Freilich ist auch das Wort Prophet ihren Schriften nicht ganz unbekannt. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man auf Grund von bisherigen Erfahrungen das Zukünftige erschließt — so sehen die Ärzte vieles voraus, legen es auch schriftlich nieder, weil sie aus ihren Erfahrungen darum wissen; ebenso können die Bauern und Schiffer manches voraussagen; wenn es für eine sehr ferne Zukunft geschieht, spricht man von Ahnungen — oder ob das Zukünftige schon heranschreitet und, von der Ferne in seinem Kommen gesehen, auf Grund geschärfter Sehorgane geschaut und mitgeteilt [S. 170] wird — wenn die Mächte der Lüfte das tun, spricht man von ahnen —, wie wenn jemand von einem Berggipfel aus einen von weither kommen sieht und den in der Nähe in der Ebene Weilenden davon erzählt, oder ob es von heiligen Engeln, denen es Gott durch sein Wort und seine Weisheit offenbart — dort hat die Vergangenheit und Zukunft ein stehendes Sein —, einzelnen Menschen vorherverkündet wird oder, von ihnen vernommen, wieder an andere Menschen weitergegeben wird, oder ob der Geist mancher Menschen selbst im Heiligen Geiste so erhoben wird, daß sie die bestehenden Ursachen des Zukünftigen nicht nur durch die Vermittlung der Engel, sondern unmittelbar in ihnen selber schauen, auf dem höchsten Gipfel der Dinge stehend. Auch die Mächte in den Lüften vernehmen es ja, sei es, daß Engel es ihnen verkünden oder Menschen, und zwar vernehmen sie soviel, als jener, dem alles unterworfen ist, für gut erachtet. Viele Weissagungen erfolgen auch aus einem gewissen unbewußten Drang unter dem Antrieb einer unsichtbaren Macht. So verstand Caiphas nicht, was er sagte; er prophezeite aber, weil er Hoherpriester war.1

23. Wir dürfen also über die Aufeinanderfolge der Zeiten und die Auferstehung der Toten auch jene Philosophen nicht befragen, welche die Ewigkeit des Schöpfers, in dem wir leben, uns bewegen und sind,2 soviel sie vermochten, erkannt haben. Denn obwohl sie Gott durch die geschaffenen Dinge erkannt haben, haben sie ihn nicht als Gott verherrlicht noch ihm Dank erwiesen. Vielmehr sind sie, indem sie sich für weise ausgaben, Toren geworden.3 Da sie unfähig waren, auf die ewige, geistige und unwandelbare Natur das Auge ihres Geistes mit solcher Festigkeit zu richten, daß sie in der Weisheit des Schöpfers und Lenkers des Alls den Lauf der Zeiten sahen, die dort schon ein Sein, und zwar ein immerwährendes Sein haben, hier jedoch noch der [S. 171] Zukunft angehören und daher noch kein Sein besitzen, und daß sie dort die Fortschritte der Seelen und auch der menschlichen Leiber bis zu ihrer ihnen jeweils zukommenden Vollendung schauten, — da sie also zu dieser Schau in keiner Weise fähig waren, wurden sie auch nicht für würdig gehalten, diese Dinge durch heilige Engel zu erfahren, sei es von außen her durch die Sinne des Körpers, sei es durch innere, geistig ausgedrückte Offenbarungen. So wurde die Zukunft unseren mit wahrer Frömmigkeit ausgestatteten Vätern gezeigt, die sie vorherverkündeten und durch gegenwärtige Zeichen oder rasch folgende, ihrer Verkündigung entsprechend eingetretene Ereignisse sich Glauben schufen und sich ein solches Ansehen erwarben, daß ihnen noch in der fernsten Zukunft bis ans Ende der Zeiten Glauben geschenkt wird. Die hochmütigen und trügerischen Mächte der Lüfte aber sind, auch wenn sich herausstellt, daß sie etwas über die Gemeinschaft und das Reich der Heiligen und über den wahren Mittler von den heiligen Propheten und Engeln erfahren und durch ihre Seher verkünden, darauf ausgegangen, durch die ihnen fremde Wahrheit auch die Gläubigen Gottes, wenn sie könnten, zu ihren Irrtümern zu verführen. Gott aber geht, ohne daß sie es wissen, dabei darauf aus, daß die Wahrheit von überall her klingt, den Gläubigen zur Hilfe, den Gottlosen zur Überführung.

1: Joh. 11, 51.
2: Apg. 17, 28.
3: Röm. 1, 20―22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger