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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)
VIERTES BUCH. Zweck der Sendung des Sohnes bzw. der Menschwerdung.

12. Kapitel. Der Teufel ist der Mittler des Todes, Christus der Mittler des Lebens.

15. Nicht also durch gottesschänderische Gleichnisse, nicht durch gottlose Kunststücke, nicht durch zauberhafte Weihungen werden die Seelen entsündigt und mit Gott versöhnt; ein falscher Mittler kann ja nicht in die Region des Höheren emportragen, vielmehr versperrt er, sich entgegenstellend, den Weg hierzu, indem er seinem Anhang Gelüste einflößt, die um so schlimmer sind, je hochmütiger sie sind, die nicht die Fittiche der Tugend zum Fluge in die Höhe stärken, sondern vielmehr die Last der Sünden häufen, die in die Tiefe zieht, unter deren Gewicht die Seele um so tiefer sinken wird, je erhabener sie sich dünkte. Wir müssen es daher so machen, wie es die Magier auf göttliche Anregung hin machten,1 welche der Stern zur Anbetung des demütig [S. 160] gewordenen Herrn geführt hatte. Wir dürfen nicht auf dem Wege, auf dem wir gekommen sind, sondern müssen auf einem anderen in die Heimat zurückkehren, auf einem Wege, den uns der demütige König lehrte und den der hochmütige König dem demütigen König nicht feindlich verlegen kann. Uns erzählten nämlich, damit wir den demütigen Christus anbeten, die Himmel die Herrlichkeit Gottes, da in alle Lande hinaustönt ihr Schall und bis zur Grenze des Erdkreises ihr Laut.2 Durch die Sünde in Adam wurde uns der Weg zum Tode aufgetan. Denn „durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod, und so ist der Tod auf alle Menschen übergegangen, in dem alle gesündigt haben“.3 Der Mittler dieses Weges war der Teufel, der Anreger zu der Sünde, der Führer in den Tod. Auch er hat, unseren zweifachen Tod zu wirken, seinen einfachen Tod auf sich genommen. Durch seine Gottlosigkeit starb er nämlich im Geiste; dem Fleische nach ist er nicht gestorben. Uns aber überredete er zur Gottlosigkeit und bewirkte, daß wir durch sie auch den Tod des Leibes verdienten. Eines also haben wir auf sündigen Rat hin angestrebt, etwas anderes aber ist in gerechtem Gerichte über uns gekommen. Es steht ja geschrieben: „Gott hat den Tod nicht geschaffen“,4 weil er selbst nicht die Ursache des Todes war. Doch wurde in gerechter Vergeltung der Tod über den Sünder verhängt. So verhängt der Richter die Todesstrafe über den Schuldigen. Die Ursache des Todes ist aber nicht die Gerechtigkeit des Richters, sondern die Schuld des Vergehens. Während uns also der Mittler des Todes zufügte, was er selbst nicht erlitt, nämlich den Tod des Fleisches, hat uns unser Herr und Gott dagegen ein Heilmittel eingesenkt, dessen jener unwürdig war, in verborgener und gar geheimnisvoller Ordnung seiner hohen, göttlichen Gerechtigkeit. Damit also, wie durch einen Menschen der Tod, so auch durch [S. 161] einen Menschen die Auferstehung der Toten erfolge,5 zeigt uns, weil die Menschen mehr darnach trachteten, dem zu entrinnen, dem sie unentrinnbar verfallen waren, dem Tode des Leibes, als dem Tode des Geistes, das heißt mehr der Strafe als der Schuld, die zur Strafe führte — denn nicht oder wenig kümmert man sich darum, nicht zu sündigen, nach dem Nichtsterben aber verlangt man, wenngleich es unerreichbar ist, mit aller Gewalt — der Mittler des Lebens, wie wenig wir den Tod zu fürchten brauchen, dem wir bei der Beschaffenheit der menschlichen Natur nun einmal nicht entrinnen können, wie sehr wir dagegen die Gottlosigkeit fürchten sollen, die wir durch den Glauben verhüten können, und begegnet uns als Führer zum Endziele, dem wir entgegengehen, wenn auch nicht auf dem Wege, auf dem wir ihm entgegengehen. Wir gehen nämlich dem Tode um der Sünde willen entgegen, er geht ihm entgegen um der Gerechtigkeit willen. Während daher unser Tod die Strafe für die Sünde ist, ist sein Tod erfolgt als Opfer für die Sünde.

1: Matth. 2, 12.
2: Ps. 18, 2. 5 [hebr. Ps. 19, 2. 5].
3: Röm. 5, 12.
4: Weish. 1, 13.
5: 1 Kor. 15, 21 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger