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Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

ZWEITES BUCH. Neuerdings verteidigt Augustinus die Gleichheit der Personen. Insbesondere erörtert er die Sendung und die Gotteserscheinungen Dabei zeigt er, daß die Sendung keine Überordnung der sendenden über die gesandte Person bedeutet und daß die Gotteserscheinungen allen Personen gemeinsam sind.

Vorbemerkung

[S. 53] 1. Wenn die Menschen Gott suchen und ihren Geist anspannen, um ein der Fassungskraft der menschlichen Schwäche erreichbares Verständnis der Dreieinigkeit zu gewinnen, dann werden sie mühevolle Schwierigkeiten erfahren, ob diese nun in eben der Sehkraft des Geistes liegen, der in das unzugängliche Licht zu schauen versucht, oder in eben den vielfältigen und mannigfachen Aussagen der heiligen Schriften — mir scheint, daß dadurch die Seele nur zermürbt werden soll, damit sie, durch die Gnade Christi verherrlicht, süße Seligkeit erlange; von dieser Erfahrung aus wird es ihnen, wenn sie einmal zu einer sicheren Erkenntnis gelangt sind und jede Unklarheit geschwunden ist, keinerlei Mühe machen, denen Nachsicht zu schenken, die im Aufspüren eines so großen Geheimnisses in Irrtum geraten. Zwei Dinge sind es freilich, die man an irrenden Menschen nur schwer ertragen kann: überhebliche Überstürzung, bevor die Wahrheitsfrage geklärt ist, und Verteidigung der überstürzten Falschheit, wenn die Wahrheit einmal geklärt ist. Wenn mich Gott, wie ich bete und hoffe, vor diesen beiden, der Auffindung der [S. 54] Wahrheit und der Behandlung der göttlichen und heiligen Bücher allzu feindseligen Fehlern durch den Schild seines huldvollen Willens1 und durch die Gnade seiner Barmherzigkeit beschützt und bewahrt, dann werde ich für die Erforschung der Substanz Gottes nicht schläfrig sein, mag mir hierzu die Heilige Schrift oder die Schöpfung Wegweiserin sein. Diese beiden sind ja deshalb vor unser Auge hingestellt, damit wir den suchen und den lieben, der die eine inspirierte, die andere schuf. Ich werde auch keine Angst haben, meine Meinung offen heraus zu sagen. Dabei wird meine Freude, von den Guten gelesen zu werden, größer sein als die Furcht, von den Schlechten gebissen zu werden. Dankbar nimmt ja eine schöne und ehrbare Liebe den Taubenblick entgegen; dem Hundebiß jedoch sucht man in zurückhaltender Behutsamkeit zu entgehen oder ihn durch unerschütterliches Festhalten an der Wahrheit abzustumpfen. Es wird mir lieber sein, wenn ich von jemandem getadelt werde, als wenn ich von einem Irrenden oder einem Schmeichler gelobt werde. Vor keinem Tadler braucht ja der Liebhaber der Wahrheit zu erschrecken. Denn entweder wird ihn sein Feind oder sein Freund tadeln. Fällt ihn sein Feind an, dann muß er es eben tragen; ist es sein Freund, dann muß er ihn, wenn dieser irrt, belehren; wenn der Freund belehrt, ihn hören. Der Lobredner jedoch bestärkt im Irrtum, wenn er irrt, führt in den Irrtum, wenn er schmeichelt. „Der Gerechte“ also „bessere mich in Erbarmen und überführe mich! Das Öl des Sünders aber soll mein Haupt nicht treffen“.2

1: Ps. 5, 13 [hebr. Ps. 5, 13].
2: Ps. 140, 5 [hebr. Ps. 141, 5].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger