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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

10.

Nach derselben Melodie.

1. Die Sonne sendet ihre Strahlen aus und trifft uns. Wenn nun die Sterne ebenso ihre Blicke [Aspekte] aussenden, so ist das Aufleuchten ihrer Strahlen zu jeder Stunde gleich [wertig], und es liegt in der Stunde keine [besondere] Kraft. Wenn ein Stern die Quelle und der Anstoß der Willen ist, so hebt der Zwang seines Laufes seinen [freien] Willen auf.

Kehrvers 1: Selig, wer aus Liebe zu dir die Irrlehrer verachtet!

2. Wenn es aber hohe und niedere Abteilungen 2 ihrer Wege gibt und dadurch der Stern das Horoskop unterstützt [möglich macht], so fragen wir ganz ruhig: Was bleibt denn vom Tierkreis und vom Stern in uns zurück? Teilt er uns Gewalt oder freien Willen, Aspekte oder Freiheit mit?

3. Wenn das Feuer einem Dinge seine Wärme geliehen hat, so verfliegt und versiegt die Wärme, die es ihm [nur] geliehen hatte. Fragen wir nun; Wenn ein Stern seinen Strahl zurückgezogen hat, und wenn er körperlich abgeschnitten ist, wie kann ein Teil von ihm in uns verborgen zurückbleiben, und wie kann er [der Teil] von Tag zu Tag unversehrt bleiben und unversehrt gemacht werden?

4. Kommt vielleicht eine andere Macht, die uns nötigt, oder kommt der Stern [einmal] wieder, um dem Alter das zu geben, was es ihm am Tage seiner Geburt versprochen hatte? Und wenn es ferner Aspekte der Sterne gäbe, wie könnte der Aspekt ohne Körper in uns bleiben, der Glanz ohne Loslösung, die Kraft ohne Befestigung?

5. Er scheint entweder etwas Vergehendes oder etwas Bleibendes zu sein; und wenn ihre Kraft fortgegangen ist, was bewegt sich da in uns? Und wenn sie abgetrennt ist und [in uns] bleibt, dann ist sie nicht allein, denn ungeordnete Kräfte wohnen [noch] in uns, und wer soll ihre große Verwirrung in Ordnung bringen, daß jede einzelne zur rechten Zeit zu ihrem Geschäft gerufen wird?

6. Denn wenn einem Menschen vom Fatum bestimmt ist, daß er zu seinem Ende ein Wüstling und Verschwender wird, wer hat [bis dahin] das Fatum aufgehalten und am bestimmten Tage in Bewegung gesetzt? Schlief es und wachte es dann auf? Und wer wirkte jenem ersten Stern entgegen? Machte der Stern seinen Weg zweimal oder wiederholte das Fatum seinen Lauf?

7. Betrachte doch die Tiere? Sie besuchen [einander] nicht und merken es nicht, wenn sie besucht werden; [nur] das vernunftbegabte [Geschöpf] nämlich sammelt und bewahrt auf. Von der Wohltätigkeit weiß nichts der Wurm, weil ihm ja keine Auferstehung bestimmt ist. – Preis sei dem, der unsere Freiheit in Fülle ausgestattet hat, damit wir unser Leben nicht zu einem Leben der Tiere machen!

8. Nicht besuchen die Tauben die einsamen Eulen, die Füchse geben keinen Unterricht den einfältigen Hasen, die Fische helfen den Fußgängern im Schwimmen nicht; sie wissen nichts davon, daß einer sich des andern erbarmen soll. Und dieses kommt von der [Natur-] Ordnung, nicht vom Tierkreis her. – Preis sei jenem, der dem Menschen hohe Einsicht verlieh!

9. Es wird einer krank, damit der andere ihn besuche und jenem geholfen werde; wiederum einer leidet Hunger, damit der andere ihn speise und jener durch ihn am Leben erhalten werde; einer ist unverständig, damit der andere ihn belehre und jener dadurch [an Einsicht] gewinne. So kann die Welt bestehen, und Tausende von Möglichkeiten sind verborgen zu unserer Hilfe in jenen Dingen, durch die die Chaldäer täglich [Got] zum Zorne reizen.

10. Für die Himmlischen dort, die in Herrlichkeit sind, findet sich freilich keine Möglichkeit zu Wohltaten, ein Engel kann von seinesgleichen keine Wohltaten genießen. Blind ist also der Chaldäer, der nicht sieht, daß über den Sternen Ergötzung und Freuden, unterhalb der Sterne aber Hungersnot und Almosen sind.

11. Die verschiedenen Meinungen und Lehren widerlegen die Chaldäer; wie vielfach nämlich sind die Völker geteilt bezüglich der Religionen und halten an ihren törichten Gebräuchen unverbrüchlich fest. Dazu zwang sie doch wohl nicht der Lauf der Sterne? Und wer bekleidete die Schnellen mit Flügeln, was, wie die Toren sagen, das Rad der Veränderungen bedeutet?

1: Die Londoner Hs hat auch hier den Kehrvers weggelassen.
2: Aufsteigende und absteigende Grade.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger