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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

54.

Nach derselben Melodie.

1. Ich horchte auf die Lehren eines von ihnen, welcher sagte: „Es können die Sinne [....] 1 etwas, das in der Wesenheit ist, nicht begreifen.“ Dieses eine vermag ihre Erfindung [ihr System] aufzulösen und ihr Gebäude einzureißen und ihre Geheimnisse aufzudecken und ihre Lehre zu widerlegen.

Kehrvers: Preis sei dem einen Wesen, das kein anderes neben sich hat!

2. Die Anklage gegen sie ist eine : Wie bildeten sie ungleiche „Wesen“ [Äonen], ließen sie deren Naturen sich verwischen und teilten sie deren Grenzen ab, da doch die ganze Natur der Wesen schwer zu erforschen ist, eben weil sie [ewige] Wesen sein sollen? Sie logen 2 und sagten nicht, daß sie sich selbst widerlegten.

3. Sie sagen, daß auch die Seele von den „Wesen“ gemacht sei, die Seele aber die Wesenheit, ihre Quelle und Wurzel, nicht erfassen [begreifen] könne. – Wenn sie aber ihre Wesenheit nicht erforschen kann, wie sehr verirren sie sich da in bezug auf das höchste Wesen, und [wie] schlossen sie es an einem Orte ein!

4. Sie banden und lösten, da sie das eine Wesen hoch erhoben, so daß seine Höhe nicht erforscht werden könne, aber anderseits andere „Wesen“ einführten, die begriffen werden könnten. Ohne streiten zu müssen, ist es klar, daß die Natur der „Wesen“ eine ist, denn einer ist ja auch der Name der „Wesen“, eine ist die Substanz des Menschen, denn einer ist auch der Name des Menschen.

5. Man nimmt auch ohne Streit an, daß die Natur der Engel eine ist, da der Name der Engel einer ist. Eine ist auch die Natur der Seele, weil auch der Name der Seele einer ist. Das Geschlecht wird nach dem Namen des Stammes genannt und erklärt. Und wenn es andere Unterschiede gibt, so rühren die Verschiedenheiten vom Willen Gottes her.

6. Seinen Dienern gab er den Namen von Göttern und Herren 3, und nach dem Namen seines Sohnes benannte er die Söhne der Gnade und nach dem Namen des Heiligen Geistes ein geistiges Geschlecht [wörtlich: Geschlecht der Geistigen]. Verschieden sind ihre Naturen [Gottes und der Menschen, die uneigentlich Götter usw. genannt werden], gleich ihre Namen, damit sie seine Güte preisen und seine Majestät verehren.

7. Man soll sie nun fragen, wer denn die „Wesen“ nach dem Namen jenes [einen] Wesens benannt hat. Wenn er sie selbst so genannt, dann käme alles von seiner Güte her; wenn es aber nicht seine Anordnung ist, dann ist alles ihm entgegengesetzt [feindlich]. Wer aber ist größer als der, dessen Namen er geraubt hat, um die „Wesen“ darnach zu benennen?

8. Ihre Erfindung ist dies: ein Wort ohne Wahrheit, und auch ein Name ohne Person. Die Namen sind da, Wesen aber existieren nicht, so daß sie die Namen der Wesen statt ihrer selbst führen. Uneigentliche Namen führen sie also zur Verwirrung ein da ihr Herr nur einer ist.

9. Preis sei der Quelle, von der die Namen der Herrlichkeit herausströmen! Und da seine Namen nicht weggerissen werden können, gab der Irrtum der Willensfreiheit den Rat, und sie stahl für ihn die anbetungswürdigen Namen, damit durch sie der Böse die Anbetung seiner Anbeter erjage.

10. Du aber bist nicht neidisch, mein barmherziger Gott wegen der Gotterbezeichnung 4. Du bist ein gütiger Herr, wegen des Herrentitels [für Menschen]. Alle die von dir [so] genannt werden, werden verherrlicht durch deinen Namen; widerlegt aber und zuschanden werden die, die gegen deinen Willen deinen Namen stahlen.

1: Die römische Ausgabe ergänzt „Feuer“, was aber schwerlich richtig ist; die Stelle ist in der Hs stark verwischt.
2: Von hier ab bis zum Schluß konnte auch der Text der Londoner Hs Add. 14 574 fol. 32r – 33v zugrunde gelegt werden,
3: Vgl. Ps. 81,6.
4: Daß die Menschen als Götter bezeichnet werden, wie in Ps. 81,6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger