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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

48.

Nach der Melodie 1: Getötet wurden die Kinder.

1. Markion, der vom Fremden schreibt, war doch dem Fremden fremd, denn der Fremde nennt nicht einmal die Hyle, die der Leugner einführte. O der Fehlgeburt, die erst gestern auftrat, von wem hast du erfahren, daß ein Vertrag zustande kam zwischen der Hyle und dem Schöpfer? Und wenn er sie, oder sie ihn betrogen hat, so ist der Vertrag, wenn er bestand, aufgelöst. Preis sei dir, dem einen in der Wesenheit!

Kehrvers: Preis sei dem einen in der Wesenheit!

2. Moses schrieb, daß Gott selbst Himmel und Erde erschaffen hat; aus der Erde, die er geschaffen, bildete er uns, und der Name Schöpfer bezeugt es. Wenn nun die Hyle etwas Einheitliches wäre, woher dann die zahllose Menge von Arten: Himmel, Wasser, Feuer, Finsternis, Licht und Wind; Naturdinge, die voneinander verschieden sind?

3. Und weshalb bedurfte die Hyle der Seele, die vom Schöpfer ist, und [weshalb] konnte nicht ihr eigener Hauch dem Staub Leben verleihen? Und wenn der Hauch von der Hyle dem Staube fremd ist, und wenn sie dem eigenen fremd ist, um wieviel mehr ist der Hauch des Schöpfers den beiden fremd?

4. Wenn nun der Leib nicht von der Hyle ist, sondern nur von ihrem Besitztum, und die Seele nicht vom Schöpfer, sondern Besitztum des Schöpfers, so finden sich zwei Herren, Besitzer und ihre Besitzungen. Behalte es, Hörer, in deinem Geiste! Es gibt demnach vier fremde Wesen, die die Lehre der Leugner einführte.

5. Wozu bedurfte der Schöpfer jenes von der Hyle [stammenden] Leibes? Um seinen Geist in ein Gefängnis einzuschließen? Andere lassen frei, er aber schließt ein. Wenn aber der Geist ohne Leib nichts wirken kann, ist er also am Orte des Fremden [im Himmel] leer von Bewußtsein? Denn der Körper fuhr ja nicht mit ihm auf 2.

6. Siehe, kann die Seele in ihren Körpern das Licht sehen ohne Augen und die Stimme hören ohne Ohren? Wenn sie nur das Wort des Fremden an taube Ohren in den Schriften gerufen hätten! Sehet, beide sind schwach; der Gute, der die Ohren nicht öffnete, und die Seele, die seine Stimme nicht hörte.

7. Es wäre auch für den Gerechten nicht recht gewesen, die Seele, die von ihm stammt, dem bösen Leibe, der von der Hyle kommt, beizugesellen; denn wie könnte er seinen Gegner lieben? Er liebte also einen Teil, und den andern Teil haßte er. In der Höhe ist der Leib des Elias, jene des Kore und Dathan sind im Abgrunde; der Körper des Moses und der des Giezi: den einen bedeckte Aussatz, den andern Lichtglanz.

8. Wie redeten ferner [bei der Verklärung] mit dem Fremden vom Berge her Moses und Elias? Wenn sie im Leibe mit ihm redeten – siehe, die Auferstehung ihrer Leiber [geht daraus hervor]; wenn sie aber nur einen Schein vom Leibe zeigten, so konnten sie [die 3 Jünger] deutlich sehen, daß er [der Fremde] schwach und nicht imstande ist, ihren Glanz zu sehen; sie aber vermochten ihn zu schauen.

9. Wenn aber Moses und Elias sich wegen der drei Jünger des Fremden in Scheingestalten hüllten, um zu belehren, so hätten sie, anstatt gerade mit dem Fremden zu reden, der dessen nicht bedürftig war, vielmehr seine Jünger belehren sollen, die Hebräer, ihre Stammesgenossen, daß dieser Christus der Fremde ist.

10. Und wenn der Fremde es nicht ertragen konnte, daß er seines Sohnes auf Erden vergäße, und ihm sogar aus der Höhe zurief 3: „Dieses ist mein Sohn und mein Geliebter“, wie hätte der Gerechte, wenn er beraubt war, es ertragen können, nicht zu rufen und seine Anhänger zu warnen? Sein Schweigen überführt die Leugner, denn er konnte da nicht schweigen.

11. Auch wäre, meine Brüder, der Gerechte nicht gerecht, wenn er die gefangenen Naturen zwingt. Wenn nämlich der Leib seiner Natur nach böse ist, die Natur der Seele aber gerecht, warum sollte sich da das Gesetz abmühen? Die Natur kann ja nicht verändert werden. Wenn es sich aber abmüht, damit er sich ändere, will es etwas Häßliches schön machen; wenn er [der Leib] aber gut ist, dann wird er auch auferweckt werden.

12. Auch wäre, meine Freunde, der Gute nicht gut, denn auch er hat Gesetze gegeben. Er löste die leichten Gesetze auf und gab uns schwere Gesetze; wenn nun die leichten schon schwer waren, wer kann die schweren beobachten? Wenn aber die schweren doch beobachtet werden können, dann noch mehr als sie die leichten. – Was sie [die Gegner] auch wählen, sie sind gefangen.

13. Sind denn ferner die Körper aller Tiere von Gott geschaffen? Die Körper der Menschen sind teils lieblich, teils häßlich. Und wenn sie ihrer Natur nach Kinder der Hyle sind, warum sind die Tiere verschieden? Es gibt nämlich unreine und reine; oder haben die Lämmer nicht das Gebot beobachtet und haben die Wölfe nicht das Gesetz übertreten?

14. Und was die Seele der Tiere betrifft, so mögen sie [die Gegner] uns sagen, von wem sie ist; wenn sie vom Gerechten ist, dann ist er nicht gerecht, weil er in einem kriechenden Tiere seinen Geist wohnen ließ; es ist aber auch der Gute nicht gut, weil er die ihm verwandte Seele vernachlässigte. Hat er nun die in uns wohnende Seele aus Schwäche vernachlässigt oder aus Bosheit?

15. Wenn aber die im Kriechtier wohnende Seele von der Hyle ist, dann gehören auch die reinen Tiere der Hyle. Und wie kann Gott der Opfergeruch aus der Hyle wohlgefällig sein? Denn wenn das ganze Tieropfer von derselben Natur ist, dann ist unrein die Seele und auch der Leib.

16. Und wenn die Hyle etwas Körperliches ist, wie können da die Dämonen, die von ihr herstammen, fein und geistig sein? Den Satan nennen sie Hyle, wie aber kann etwas Körperliches von ihm sein? Denn jener ist unsichtbar, diese aber sichtbar. Oder gibt es zwei Hylen [ewige Materien], die ihrer Natur nach verschieden sind, während sie dem Namen nach übereinstimmen?

17. Und wenn die Seele ein Hauch ist, woher sind die geistigen Wächter [= die Engel]? Wenn die Engel aus dem Nichts sind, dann ist auch die Seele aus dem Nichts. Wenn aber alles vom Schöpfer ist, warum haben die Engel nicht nötig, daß sie vermittels der Natur des Körpers sehen? Die Seele kann ja ohne Sinneswerkzeug weder sehen noch hören.

18. Und wenn den Dämonen, den Kindern der Hyle, der Leib, der [auch] von ihr ist, als etwas Verächtliches erscheint, weshalb verlangte der Schöpfer, daß sein Hauch in ihm wohne? Und warum kann ein Dämon keinen Körper lebendig machen und in ihm wohnen? Und wenn der Körper dem seinigen fremd ist, wie sollte er da der Seele verwandt sein? – Wie sehr lügen doch die Leugner!

1: Melodie und Metrum wie bei Hymnus 22.
2: Da Christus nach Markion nur einen Scheinleib hatte.
3: Matth. 3,17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger