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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

45.

Nach der Melodie 1: O mein Schüler.

1. Kinder der Wahrheit, bringt Lobpreis dar! Denn eure Verfolger sind eure Herolde und eure Hasser eure Bürgen. Sie haben Bürgschaft geleistet und niedergeschrieben und bestätigt dieses: Der Leib unsers Herrn und Allbelebers ist ein wirklicher; anstatt auf eine Rolle haben sie es auf das Brot geschrieben, das sie brechen, ohne Tinte, mit Wein haben sie es gezeichnet, ihnen zur Beschämung, euch zur Krone.

Kehrvers: Preis sei dem Sohn des Herrn des Alls von seiner ganzen Schöpfung!

2. Wenn der Fremde ein Gesetz gegeben hat, was soll sein Gesetz 2 wohl bewirken? Wenn böse Dinge offenbar sind, so sind es noch mehr als diese die guten. Er hat nämlich weder zu essen, noch zu trinken, noch zu sehen, noch zu stehen, noch zu sitzen, noch zu hören, noch aufzusteigen geboten 3, damit wir sehen, durch welche Kraft er das Leben verlieh.

3. Und wenn auch er uns diese Dinge nicht versagt, so müssen wir [wieder] fragen: wenn er sie als böse Dinge nicht verwehrt, so ist es eine Schande für den Fremden; und wenn er sie, weil sie gut sind, uns erlaubt, siehe, dann ist es eine Krone und eine Belobung für dich, unsern Schöpfer. Durch alles, was sie sagen mögen, werden sie gefangen, denn es beschämen sie alle Geschöpfe.

4. Es war ihm nicht genug, jene nicht blind zu machen, denen die Augen geöffnet waren, um Satan blind zu machen, sondern er machte sogar die Blinden sehend, damit der Böse auf die Begierden achten könne. Der Gerechte nahm das Böse im Fleische gefangen und schloß vor ihm die Tür des Mundes, der Ohren und der Augen; der Fremde öffnete das Gefängnis und ließ die Sünde, die eingeschlossen war, frei.

5. Die ganze Natur schilt sie aus, aber wie hartnäckig sind doch die Leugner! Die ganze Natur weist sie zurecht, aber wie hochmütig sind doch die Unkraut pflanzen! Die Erde, die sie nährt, der Himmel, der sie speist, die Sonne, die erleuchtet, sind zu gering für sie. Wenn sie [Gott] preisen würden wegen der Nahrung, wäre es ja aus mit der Lästerung! Ihr Mund aber versagt die Lobpreisung.

6. Wer die Ehe lästert, ist eine verfluchte Frucht, die ihre [eigene] Wurzel verflucht. Zwei böse Dinge sind es, in denen die Leugner zur Vollendung gelangt sind: Groß ist die Lästerung, wenn ein Mensch seinen Schöpfer verleugnet, groß ist die Schmach, wenn ein Mensch seine Wurzel [Ursprung] verleugnet. Sie haben nun die Bosheit völlig angezogen und sind wie Giezi mit Aussatz bedeckt.

7. Sie erklärten also die Ehe für unrein und beachteten wegen ihrer Trunkenheit nicht, daß die Glieder und die Sinne Brüder sind, Genossen und Verwandte. Wenn also der Gebrauch eines Gliedes unrein ist, dann ist klar, daß alle Glieder unrein sind, gleichwie, wenn ein Glied leidet, alle mit leiden, wie geschrieben steht 4.

8. Sie halten ein Auge vom Lichte ab, doch es besteht eine Gemeinschaft zwischen beiden; sie halten ein Ohr vom Schalle ab, siehe, es besteht aber eine Vermischung zwischen beiden; sie trennen auch das Wort von der Zunge, denn auch dieses ist eine reine und lautere Verbindung. Diese reinen Verbindungen rufen laut, daß auch die Ehe rein ist.

9. Und wenn er nicht den Gebrauch der Sinne und Glieder für unrein erklärt hat, sondern nur [befohlen hat], daß der Mensch nicht auf sündhafte Weise das Sehen gebrauche, und daß der Mensch nicht auf sündhafte Weise das Gehör benutze, dann ist sein Gesetz ein Vervollkommner unserer Natur und sein Gebot ein Verschönerer unseres Willens und seine Lehre die Krone unserer Freiheit, und verschwunden und zugrunde gegangen ist die Fremdheit [die Lehre von einem fremden Gotte].

10. In drei Formen nämlich ist uns das Gesetz zugeteilt: denn es gibt Ehre und Heiligkeit und Jungfräulichkeit, [sowie] Besitz und Entäußerung und Vollkommenheit. Von bösen Handlungen hält es gleichmäßig jeden Menschen zurück, zu guten Handlungen läßt es auf jede Weise jedem Menschen Freiheit nach seinem Willen.

11. Die Gesetze, die bestanden und noch bestehen, hängen an der Gerechtigkeit und an der Güte, denn es gibt kein Gesetz, das zwänge, Ehebruch zu treiben, zu stehlen oder zu rauben; wiederum gibt es kein Gesetz, das verböte, gütig, keusch, ehrbar und wahrhaftig zu sein. Gewohnheit und Wille führen ins Verderben, Gesetz und Wille bringen Ordnung.

1: Diese Melodie kam bereits bei Hymnus 11 [S. 45] vor.
2: Von hier ab bis zum Anfang des 50. Hymnus konnte als Textgrundlage neben der römischen Hs auch die Londoner Add 12 175 fol. 49r– 50v benutzt werden.
3: All das hatte ja schon der Schöpfer in die Natur gelegt.
4: Vgl. 1 Kor. 12,26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger