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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

43.

Nach derselben Melodie.

1. Es forderte der Satan zwei Dinge, und er [Christus] versagte sie ihm, obwohl sie leicht waren 1; dem Körper aber gewährte er sogar Schwieriges; und wenn der Körper vom Bösen wäre, hätte er es ihm versagt; aber den Körper machte er gehen, und die Schlange machte er lahm [ohne Füße], und so sind die Leugner überführt.

Kehrvers: Gepriesen sei unser Schöpfer, der Sohn unsers Schöpfers, von jeglichem Geschöpf!

2. Es baten die Dämonen, und sie durften in die Schweine fahren, wie sie gebeten hatten; wo der Satan um etwas bittet, das gegen ihn selbst gerichtet ist, versagt er es nicht. Er gleicht so seinem Vater, der dem Bösen gewährte, sich durch Job beschämen zu lassen.

3. Als Allwissender gab er beiden, dem Leibe und den Dämonen: die Schweine und das Meer gab er den Dämonen, sein Fleisch und sein Blut gab er dem Leibe. Dem Leibe hätte er seine Geheimnisse [Sakramente] nicht mitgeteilt, wenn er [der Leib] vom Bösen wäre.

4. Der Gerechte, den sie hassen, machte die Schlange lahm, und nach ihrer Aussage sollen die Schlange und der Leib eine Natur sein! Hat aber unser Herr, der die Lahmen heilte, der lahmen Schlange am lahmen Leibe Füße gegeben?

5. Verdorren machte der Gerechte die Hand des Königs 2, und er streckte sie wieder aus, aber er erbarmte sich nicht über die verfluchte Schlange. Auch unser Herr erbarmte sich nicht über die Schlange, denn er gab Gewalt, auf sie zu treten 3, gleichwie sein Vater 4 [es tat].

6. Die Schweine ersäufte unser Herr im Meere wegen der Dämonen wie sein Vater, der die Schlange lahm machte. Aus dem Meere aber zog er den Leib Simons empor 5; er glich seinem Vater, der den Moses aus dem Flusse zog.

7. Den Gerechten, der den ganzen Körper bildete, tadeln die Armseligen; unsern Herrn, der seine Gebrechen heilte, loben sie; ist denn der Arzt liebenswerter als der Schöpfer und auch der Wundarzt [liebenswerter] als der Bildner? O arge Bosheit!

8. Es steht der Körper da zwischen Arzt [Heiland] und Schöpfer; den einen tadeln sie, den andern loben sie, und doch ist ihr [d. h. des Heiland-Arztes und des Schöpfers] Werk eines, denn sie haben es angefangen und auch vollendet, und ihre Ankläger stehen in der Mitte besiegt da.

9. Das Werk des Zimmermanns vermag den Zimmermann zu künden und den Schmied das Werk des Schmiedes und den Sohn des Schöpfers das Schöpfungswerk, denn auch die Heilung ist eine zweite Schöpfung.

10. Wenn tadelnswert der erste ist, der den Leib gemacht hat, so ist es auch sein Arzt. Da Moses kam und das Kalb fand, das Aaron gemacht hatte, zermalmte er es völlig; unser Herr gab dem Leibe, den er blind, fand, das Licht.

11. Die Augen des Kalbes vernichtete Moses und zerstörte seine Ohren; unser Herr öffnete die Augen des Leibes und stellte seine Ohren wieder her. Und wenn der Schöpfer böse ist, so handelt auch der Spätere, der kam, um wiederherzustellen, ganz verkehrt.

12. Moses zerbrach aus Zorn die Tafeln und machte [andere] Tafeln; er zerstörte das Götzenbild, damit kein anderes mehr entstände. Weil Jeroboam böse war, machte er gottloserweise ein anderes Kalb.

13. Getadelt wird der erste 6; es kam aber der spätere 7 und heilte den Körper. Nicht getadelt wird Aaron, da er das Kalb gemacht hatte, wie Jeroboam, der Kälber gemacht hatte; wer später kommt, an dessen Hals wird die Schuld des ersten gehängt.

14. Der Fremde folgte dem Werke jenes Schöpfers. Kain wird nicht so getadelt wie die Kreuziger, die seinem Werke vielfach folgten. – Verkehrt muß man mit den Verkehrten rechten!

15. Der Gerechte heilte nicht einmal seinen Knecht, Moses, den Stammler 8, der Fremde aber, der Hasser des Fleisches, heilte zahllose Taube und Stumme. Die Taubstummen sollen schreien gegen die Leugner, wie taub sie sind.

16. „Der den Körper liebt“ [der Gott des Alten Testaments] reinigte die Mirjam [Schwester des Moses] und den Naaman vom Aussatze; ,,der Hasser des Fleisches“ heilte die zehn Aussätzigen, damit sie jene Ankläger widerlegen, denn nach ihrer Meinung muß man den [mehr] tadeln, der mehr getan hat.

17. Und wenn, wie sie behaupten, die Natur des Körpers und der Dämonen eine ist, und unser Herr seine Füße, Hände, Augen, Ohren und seine anderen Glieder geheilt hat, so hat er einen bösen Geist wieder hergestellt und bewirkt, daß er wieder aufstehen und freveln konnte.

18. Unser Herr aber möge der Prüfungsofen [Schiedsrichter] zwischen uns und ihnen sein! Er fand den Mund des Taubstummen geschlossen, unser Herr öffnete ihn, und dieser pries ihn dafür. Den Mund des Dämonen, der ihn pries, verschloß er schnell.

19. Und wenn der Leib ein häßliches Gefäß [Werkzeug] des häßlichen Bösen ist, seine Instrumente, die Sinne des Körpers, abgenützt sind, so kam ja unser Herr, stellte sie wieder her; er festigte die Harfe, die er heilte, und gab ihr wieder einen gesunden Körper.

20. Wenn es notwendig war, daß er [= der Fremde] die Ohren öffnete seiner Worte wegen, was sollten die Augen, die er öffnete, sehen? Sollten sie ihn sehen, der doch nicht körperlich ist 9? Oder die Geschöpfe, da er doch nicht der Schöpfer ist? Wen priesen sie denn?

21. Und wenn der Fremde so weise war, daß er die Augen öffnen konnte, [geschah es etwa] damit die Menschen sähen, wie schön der Himmel ist, etwas, was nicht sein [Eigentum, Werk] ist? Denn das Seinige, das eigentlich nicht existiert, hat er nur mit den Namen dargestellt.

22. Da die Hände, die er gab [wiederherstellte], nicht vom Fremden gemacht sind, so ist er, wenn sie zum [guten] Werk mitwirken, gerecht, wenn sie aber zur Sünde dienten, dann ist er böse. Gepriesen sei der, der Hände gab, auf denen wir seinen Leib empfangen!

23. Ferner sind doch die Füße, die er [den Lahmen] gab, dazu da, damit wir auf seiner Erde stehen und wandeln 10. Er hätte aber auch Flügel geben können, wenn er der Fremde ist, obwohl die Luft auch nicht sein ist. Gepriesen sei, der alles Angemessene gab im Verhältnis zu den Gliedern!

24. Er unterscheidet und gibt: er gab uns die Erde für die Füße, das Licht für die Augen und für die Ohren Laute und Worte. Durch dieses beglaubigte er sich als König über alles.

25. Der Mund, den er uns gab, ist für sein Fleisch und seinen Kelch, die Augen, die er schuf, für seine Schriften, und für seine Kirche gab er Füße. Wenn dieses auf den Fremden paßt, dann sind die Leugner widerlegt.

1: Bezieht sich auf Mark. 5, 8 und 10, wo die Dämonen bitten, sie nicht zu quälen und sie nicht aus der Gegend zu vertreiben,
2: Vgl. 3 Kön. 13,4; 6.
3: Vgl. Luk. 10,19.
4: Vgl. Gen. 2,14.
5: Vgl. Matth. 14,30 f.
6: Der Schöpfer.
7: Der Heiland-Arzt.
8: Exod. 4,10; 14
9: Da er nach der Ansicht Markions nur einen Scheinleib hatte.
10: Nach der Meinung der Ketzer gehörte die Erde dem Gerechten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger