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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

40.

Nach derselben Melodie.

1. Wer ist wohl jener Harfe des Alls kundig, die der Herr des Alls aus allem gemacht hat, um dadurch alle zu überzeugen, daß derjenige, der ihre Saiten zu rühren vermag, von ihm herkommt? Es kam Moses und spielte darauf; und er widerlegte jene Partei der Zauberer, die besiegt wurden. Es wurde das Unkraut zuschanden, das nicht vermochte, die Saiten der Harfe zum Verstummen 1 zu bringen.

Kehrvers: Gepriesen sei, der die Wahrheit lehrte!

2. Rasende sind die Unseligen, die gegen Moses lästerten, der Machtwunder vollzog. Groß ist die Beschämung ihrer Götter, die ihren Verkündern keine Macht gaben; geschah es, weil sie schwach sind, so ist es eine Beschämung, geschah es, weil sie übermutig waren, so ist es eine Schande. Die zwei elenden Mächte [Prinzipien], die durch Mani und Markion gepredigt wurden, wie verächtlich sind sie!

3. Viel ist’s, daß ihr Trug sich von den [Schriften der] Aposteln Schönheit stahl, um sich damit zu schmücken; sie mögen nun zeigen, ob von den Aposteln geschrieben steht, daß sie sich namentlich [ausdrücklich] über den Fremden klar aussprachen. Hochklingende Namen von verschiedenen Göttern haben Mani und seine Genossen verkündet, so daß sie sich schämen müssen; zahllose Wunder zu wirken, waren sie zu gering, die leeren, ohne Kraft.

4. Es kannte Markion die Wahrheitskraft der Söhne der Wahrheit, deren Siege in fortlaufender Reihe kamen, und er mußte ihre Bücher bestätigen, denn er ist völlig von seiner [eigenen] Zunge geschlagen. Die Irrlehrer, die eine neue Lehre predigten 2, hätten Wunder wirken sollen; es genügt, daß sie sich verächtlich machten: siehe, da sind Leiden, und sie können dem Fieber nicht gebieten.

5. Sie spotten über Salomon, daß er Heide geworden, der doch, bevor er sündigte, Feuer herabkommen lassen konnte; dafür sollten sie, die voll sind von großem Stolz, das Feuer ihrer Glieder auslöschen. Die verborgene Lust in ihren Leibern ist das Fieber, und es offenbart sich an ihrem Körper Hitze und Begierde und brennendes Fieber; ihr Feuer brennt in ihnen.

6. Moses spielte auf jener Harfe der Wahrheit verschiedene Wunderzeichen bei den Ägyptern; der Stammler, der die Zunge, die Harfe der Worte, nicht gebrauchen konnte, war geschickt auf der Harfe der Geschöpfe; sein Stammeln jubelt laut über seinen Herrn. Das Schweigen und das Wort, das herabstieg, öffnete unsern Mund; es ist der Schlüssel für jeden Mund.

7. Da nach Moses niemand ein solches Instrument wie diese Harfe spielen konnte, wer vermöchte ihre Saiten zu meistern und zu beherrschen, daß er auf ihnen Wunder der Heilung jeglicher Art spiele, Umwandlung der Naturen ohne Mühe? Eine Harfe des Schweigens ist sie geworden, die in der Stille das Lob ihres Meisters ertönen läßt.

8. Sehnend erhob sich diese Harfe, als sie jenen erblickte, durch dessen Hand sie gebildet war; sie freute sich über ihn und jubelte und dehnte sich aus und verlängerte ihre gewaltigen Saiten. Sie küsste seine Hände, da er sie gewürdigt hatte, sie durch Berührung mit seinen Fingern zu heiligen; und wie sie durch seine Ankunft neu geschaffen wurde, spielte sie auch neue Gesänge.

9. Beim Anfang seiner Lieder spielte er leise Lieder im Kampfe gegen den Bösen; es litt aber schon durch den sanften Ton jener Gewalttätige [der Teufel], da die Stimme des Demütigen sein Ohr zerriß. Das dritte 3 Lied aber spaltete das Herz des Hassers, denn dieser ist es, der zu jeder Zeit alle Zuhörer verwirrt, daß sie nicht hören und aufmerken sollen auf den Herrn der Harfe.

10. Die rauhe Saite der Unterwelt, die die Sterblichen tyrannisierte, wurde sanft; jene stumme Saite unsers Herrn überwältigte sie; durch die Toten, die auferstanden, sang sie Lobpreis. Die lose Saite band er fest, um sie gefangen zu halten, und es sangen Lob die Seefahrer [die Apostel] auf dem Schiffe. Die hohe Saite ist der Himmel, der sich spaltete, und es ertönte die Stimme des Vaters.

11. Sie [die Irrlehrer] merken, daß ein solcher Lobgesang auf diesem Instrumente gespielt wird, das ausgespannt dahängt. Kommen mögen nun die Unreinen und seine Saiten rühren im Namen und in der Kraft jenes Fremden, wie sie der gläubige Moses rührte und Josue und die gepriesenen Propheten. Lasset euch beschämen, Irrlehrer, durch die Harfe; denn siehe, sie hängt da und singt ihrem Schöpfer.

12. Gründlich widerlegt wurden ihre Götter von dem, der der Gott der Wahrheit ist, der sie durch das Wort bildete und aufhängte, sie auf das Nichts aufstellte, und keiner ist, der sie spielen könnte. Die eine schwache Harfe, die an sich klein ist, widerlegte den Gott Markion; sie grübeln, aber sie können ihre Saiten nicht ordnen und stellen sich selbst bloß.

13. Sie mögen schweigen als Schwache, da sie ihn nicht [einmal] als Starke bezwingen können. Zu tadeln verstehen sie, da dies von der Freiheit herkommt, die seine Erbarmung gegeben hat, obwohl er sie wieder einengte, um sie zu beschämen durch die Gehörlosen, die Markion nicht hörten. Der Fremde ward widerlegt, weil er nicht öffnen und eintreten konnte durch die Tür des Gehörs.

14. Er [oder die Harfe] spielte in Kana beim Hochzeitsmahl verschiedene Lieder auf den Schöpfer; für Kana nahm er einen Wechsel vor, damit es das Schweigen jener neuen Harfe vernähme, die er spielte: anstatt der schönen Saiten, die erklingen, waren es die vollen Krüge, die verkündeten. – Gepriesen sei derAllwissende, der auf seiner Harfe die Wahrheit dessen sang, der ihn gesandt!

1: Wortspiel: harrāšâ, Zauberer und haraš, zum Schweigen bringen.
2: Von hier ab bis Hymnus 41 Str. 16 wird der syrische Text auch von der Handschrift Add. 14 574 fol. 31 des Britischen Museums geboten.
3: Oder das „dreitägige“, wenn der Abstieg Christi in die Unterwelt gemeint ist; vgl. das erste Nisibenische Gedicht [Ephräm I, S. 256]. Zingerle bezieht den Ausdruck auf die dreifache Versuchung Christi.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger