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Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

39.1

Nach derselben Melodie.

1. Gut ist der Allerhöchste, denn auch seine Übel sind in den Augen der Verständigen gut. David bedient sich in einem Psalm 2 eines überraschenden Ausdrucks, der für die Irrenden ein Anlaß zum Spotte ist: ,,Er versenkte den Pharao ins Meer“, und sie [die Spötter] lachen, „denn ewig währt seine Barmherzigkeit“. „Wo ist sie [denn] ?“ fragen sie [die Spötter]. Aus Barmherzigkeit wurde dem Übermütigen [d. h. dem Pharao] Einhalt geboten; dich hätte er ja [noch mehr] zum Zorne gereizt und [darum] wurde er gezüchtigt.

Kehrvers: Preis sei deiner Güte!

2. Betrachte nicht das, was sie fragen, sondern vielmehr, wie sie in die Enge getrieben werden! Grübelnd fragen sie: „Woher ist wohl das Übel?“ Und es versanken sie und ihre Götter, Götter, die das Übel nicht verhinderten; sie unterlagen in der Untersuchung über das Übel und gingen unter. Diesen Kranz winden die besiegten Übermütigen dem Prüfungsofen, der sie bloßstellte.

3. Betrachte nun, wie das Wort der Wahrheit in einer Frage alle Fragen einschließt; alle verkünden das zukünftige Gericht, und daß diese Welt vergänglich sei. — Gepriesen sei, der dem Pharao Einhalt gebot, so daß er nicht mehr täglich seine Schuldschrift ändern konnte! Im Meere entriß und löschte er die Zinsen seiner Schuld, um die an den Kindern 3 [begangene Schuld] zu rächen.

4. Völlig wurden sie [die Spötter] besiegt, da ihnen kräftig zugesetzt wurde, und die Götter brachten ihnen keine Hilfe. Wenn sie gründlich unterlegen sind, so gereicht das zu ihrer Beschämung; wenn sie [ihre Götter] aber sich gleichgültig verhielten, so ist das unser Sieg. Wie konnten berühmte Götter gleichgültig sein gegenüber den Wölfen, die die Schafe würgten? Alles, was sie [die Irrlehrer] sagen, sagen sie für den Gerechten, dessen Zuchtrute heilsam ist.

5. Es widerlegen sie nämlich [auch] ihre Gesetze, denn Kasteiungen sind ihre Gebote. Darum müßten [eigentlich] ihre Götter getadelt werden, daß sie an den Qualen der Menschen Wohlgefallen haben. Während sie tadeln wollen, ziehen sie sich selbst Tadel zu, denn mit Plagen schlugen sie die Welt; weil ihr Forschen blind ist, überlassen sie den Sieg der Partei der Wahrheit.

6. Betrachte die Welt als einen Körper, der von seiner Freiheit her eine Menge von Krankheiten hat, und der einem milden Arzte anvertraut ist! Dieser brennt und schneidet aus Liebe bei jedem, der sich an ihn wendet, damit er ihn heile, und einen jeden, der ihn berühre, gesund zu machen. Er ist gut in allem, und in all seinen Regungen läßt er sich als gütig erkennen.

7. Ein kleines Schiff [nur] ist die ganze Schöpfung für jenen allweisen Steuermann; ein müheloser Wink lenkt es, und nur die Toren wähnen, daß er ihm nicht gewachsen ist. Die Schöpfung ist ihm ein gehorsamer Wagen, und ein Hauch seines Willens setzt ihn in Bewegung. Er hält auch einen Zügel für das Pferd, und eine Geißel macht es gelehrig.

8. Stelle alle Züchtigungen und Leiden, sowohl die aufgeschriebenen wie die nicht aufgeschriebenen zusammen, und nimm und betrachte sie alle, daß sie alle zum Heile für alle von dem Allgütigen kommen! Er rottete das Volk aus, um es auf der Wahrheitneu aufzubauen, er nahm und zerstreute es, um das Verwirrte wieder zu sammeln. Wofern sie wollen, sind sie zum Paradiese eingeladen, wenn nicht, zur Hölle.

9. Da der leere [unfruchtbare] Weinberg 4 — der Weinberg, der doch Früchte bringen sollte — seinen Herrn nicht aufnahm, wer sollte nicht staunen, dass der Herr des Weinbergs wieder Früchte dem verfluchten Weinberg gab, trotzdem er dem Erben doch keine Früchte gebracht hatte? Über die Früchte, die er ihm gebracht, war er erzürnt; er rottete ihn aus, um ihn bei den Heiden auf einen süßen Stamm von Guten zu pflanzen.

10. Wie er früher die Völker als Fremdlinge [Proselyten] unter seinen Gerechten gepflanzt hatte, denn ihre Rebe war bitter geworden von der von Sodom und ihre Trauben von den von Gomorrha 5, so hat er nicht aus Bosheit ihren Weinstock ausgerissen, denn mit Recht verdiente er den Untergang; aus Liebe hat er den Sproß der Bitteren auf den Sproß der Süßen gepflanzt.

11. Wenn nun der Bittere, da er mitten unter der Süßigkeit war, stark werden konnte und der Saft seiner Bitterkeit emporstieg, um womöglich den süßen Geschmack zu verdecken, wie und was wäre er allein geworden! Es möge die ohnmächtige Zunge schweigen, denn nur Gott kann an seinen Gliedern die Nägel, die sich ihm einfügten, bekanntmachen.

1: Zingerle übersetzte diesen Hymnus im 2. Ephrämbande der früheren Auflage der Bibliothek der Kirchenväter, S. 289 – 93.
2: Ps. 135,15.
3: Die Schuld, die sich Pharao durch Ertränkung der Knaben der Hebräer zuzog.
4: Vgl. Is. 5,2 ff.; Matth. 21,33 ff.; Röm. 11,17 f.
5: Vgl. Deut. 32,32.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger