Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

38.

Nach der Melodie 1: Selig bist du, Ephrata.

1. Warum stieg nur in jener kurzen Zeit der Fremde herab und heilte die Krankheiten? Siehe, heute ist die Welt voll von Krankheiten; wie kommt es, daß er es unterläßt, zu heilen? Ist er gerecht, wenn er die Zeiten auswählte, dem Guten aber die Zeit nicht bekanntgab 2 ? Oder haben Ursachen ihn verändert, oder ist die Empfindung seiner Güte nicht gleich geblieben?

Kehrvers: Preis unserm Schöpfer!

2. Er zögerte, und dann kam er, und nachdem er gekommen war, ging er wieder; er war sorglos, daß er auch nicht …. 3 auch der Fremde ... wenn seine Zeichen nicht sichtbar sind. Er zögerte zu kommen, damit [erst] seine Propheten ihr Amt verrichten könnten; er stieg auf und blieb still, damit seine Apostel reden könnten; seine Zeichen hörten auf, damit seine Geschöpfe verkündeten, daß er der Sohn des Schöpfers ist.

3. Warum denn schwiegen beide Parteien, der Schöpfer sowohl wie der Fremde? Die Propheten nämlich hörten auf von seiten des Schöpfers, Apostel nahmen ein Ende von Seiten des Fremden. Wenn sie nun einen Willen haben, so ist diese Übereinstimmung, die stattfand, ein Beweis für die Liebe. Ihr Schweigen lehrt uns, daß ihr Wille einer ist, und daß auch ihre Herrschaft eine ist.

4. Betrachte nur die Welt und betrachte die Schriften und siehe, daß einer ist, der über alles herrscht! Die Naturdinge bezeugen seine Güte, die Bücher rufen laut von seiner Gerechtigkeit. Den Feigenbaum hat er verdorren lassen 4, um ihre Rebe [= die Juden] zu bewässern; die Schweine ließ er ertrinken 5, um ihr Volk herauszuziehen; und ähnlich wie er [bei dem Auszuge] aus Ägypten den Pharao, so ergriff und warf er „Legion“ in das Meer.

5. Für den Gerechten ist es leicht, nach seinem Willen ein Geschöpf vor seinesgleichen zu bevorzugen; für den, der fremd ist, ziemte es sich nicht, das eine unter allen zu lieben und das andere zu hassen. Die Kreuziger schonten seine Kleider, seinen Leibrock wagten sie nicht zu zerreißen. Die Leugner wagten sich an sein Testament und teilten es, sie löschten aus, schrieben und fügten hinzu.

6. Von der [mit dem Kreuze] gekennzeichneten Herde trennten die Räuber ruhig ein Stück nach dem andern ab und führten sie weg; aber das gefundene Kennzeichen, das Ohrläppchen nämlich, fordert die ganze Herde zurück; durch den Geruch von ihr wird die gestohlene Sache zurückgefordert; der Rest der Darlegung gibt Anspruch auf die [ganze] Rede; das Geringste, das von den ausgetilgten Worten übriggeblieben ist, überführt die Leugner.

7. Worte, die über die Gerechtigkeit des Sohnes geschrieben sind, nahmen sie weg und tilgten sie aus, da er der Sohn des Guten sei; sie konnten aber nicht den ganzen Band auslöschen, damit nicht die ganze Schrift zugrunde ginge; hätten sie noch mehr ausgelöscht, so wären sie ohne Schrift. Da von der Gerechtigkeit in allen Worten etwas enthalten ist, nahmen sie weg und ließen [doch manches] stehen, und so wurden sie überführt, denn die übriggebliebenen Worte fordern die andern, die sie ausgelöscht, zurück.

8. Dadurch nun, daß sie den Sohn nicht als gerecht bezeichnen, bezeugen sie, daß sie böse Knechte sind; Hasser wagen nicht, gegen einen gerechten Herrn aufzutreten, der in seiner Liebe die Hausgenossen straft. Athleten, die gesiegt haben, lieben den gerechten [Schiedsrichter], die Feigen, die verloren, fürchten sich vor dem gerechten. Den Guten, vor dessen Gericht sie fliehen möchten, nennen ihn die, welche für seine Gerechtigkeit aufbewahrt sind.

9. Der Tor will lieber mit dem Tode abscheiden, als daß du ihn trennen könntest von dem, was er liebt; Unweise lassen sich lieber geißeln, als daß sie sich von der Lust enthalten. Die Irrenden verkünden auch, daß er gekreuzigt worden sei; die Kreuzigung ihrer Leiber beweist 6, daß die Last der Peinen des Fremden schwerer war als die des Schöpfers.

10. Mögen sie also sich entweder an Lüsten ergötzen, um zu beweisen, daß dies freisteht; oder aber, wenn sie nun ihre Glieder peinigen, den Gerechten durch ihre Kreuze preisen. Sie martern sich selbst mit eigenen Händen, indem sie sich selbst durch ihre Fasten peinigen, und doch tadeln die Schändlichen jene Hand, die aus Liebe ihre Geschöpfe züchtigt.

11. Den Gerechten tadeln sie, daß er Züchtigungen liebe; sie erdichten nur einen Vorwand, um ihn zu lästern. Wiederum tadeln sie, daß der Sohn die Ehe schätze, — um ihn zu schmähen. Beide [Beschuldigungen] lösen einander auf, beide fallen auf die Toren zurück: sie tadeln ihn, weil er gerecht, sie tadeln ihn, weil er gut ist.
Preis sei ihm, der alles erträgt!

12. Zwei Dinge tadeln sie [also] und streiten darüber. Dadurch werden ihre Lehren bloßgestellt. Fragen wir sie nun über ihre Götter! Wenn sie gut sind, warum sind sie untätig? Güter wollen sie nicht geben, Übel soll man ihnen nicht vorwerfen. Ihre Prediger werden ihnen gleich sein.
Einer ist, der alles lenkt!

13. Sie spotten über den, der den Ertrag der Erde, Milch und Honig, [den Juden] wie Einfältigen spendete; sie spotten, daß er sie wieder aus demselben Lande hinwegführen ließ wie Verdorbene; sie erkennen die Züchtigung zum Heile nicht an und erfassen die Gabe der Güte nicht. In allen Stücken gehen sie wie Rasende darauf aus, ohne Unterschied zu tadeln.

14. Den Vollkommenen belehrte Gott, daß sein Gewinn im Himmel sei, den Einfältigen reizte er durch irdischen Gewinn von Milch und Honig wie beim Kind. Dem Leichten [Geistigen] gab er Flügel und machte ihn fliegen, und den [ins Irdische] Versunkenen zieht er schmeichelnd empor und führt ihn. Allen wurde er alles, und da er über alles erhaben ist, ließ er sich herab, um allen das Leben zu geben.

15. Wenn du die Stimme seiner Anlockung hörst, wisse, daß seine Versprechung Kinder zu überzeugen sucht, und wenn du von seiner Strenge hörst, so wisse, daß seine Rute Schlafende aufwecken will. Sie [die Ketzer] prüfen weder die kindliche Einfalt und ihre Lockmittel noch die Vollkommenheit und ihre Prüfungen; ihr Geist ist verwirrt und ihre Zunge bellt, ihren Herrn verleugnend.

1: Die Mustermelodie ist der Anfang der 11. Strophe des 5. Hymnus de nativitate [Lamy II, S. 489]. Die Strophe besteht aus 6 achtsilbigen, je einem vier- und fünfsilbigen Verse, wozu noch der Kehrvers mit 5 Silben kommt; vgl. Grimme, S. 52 und Lamy IV, S. 492.
2: Nach der Anschauung der Markioniten kam Christus unvermutet und unvorbereitet; vgl. A. v. Harnack, Markion 2 1924, S. 284* f.
3: Zwei Zeilen sind in der Handschrift unleserlich.
4: Vgl. Mark. 9,13; 20.
5: Vgl. Matth. 8,33. – „Legion“ ist hier wieder wie ein Eigenname behandelt.
6: Hinweis auf die strenge Askese der Markioniten.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. . Mehr
. . 30.
. . 31.
. . 32..
. . 33..
. . 34.
. . 35.
. . 36.
. . 37.
. . 38.
. . 39.
. . 40.
. . 41.
. . 42.
. . 43.
. . 44.
. . 45.
. . 46.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger