Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Ephräm d. Syrer († 373) - Hymnen gegen die Irrlehren (Hymnen contra haereses)

37.1

Nach der Melodie 2: Ich will meinen Mund öffnen in Weisheit.

1. Wenn du, o Herr, uns nicht erschaffen hättest, wäre auch der Fremde unnütz gewesen; und da er uns nicht erschaffen konnte, sind wir von ihm aus wie nicht existierend, Ohnmächtig ist er, der uns ohne Hoffnung ließ, da er uns nicht schaffen konnte, ohnmächtig ist er, uns Hoffnung zu bringen, da wir nun geworden sind. Unser Schöpfer aber hat uns große Hoffnung gegeben: als Guter hat er uns erschaffen und erhält uns nun, und als Gerechter hält er uns in Zucht, und als König beschenkt er uns reichlich.

Kehrvers: Gepriesen sei, der sich eines Vertrages für unsere Freiheit bedient, um uns Hilfe zu leisten!

2. Ein Gott, der nicht Schöpfer ist, ist seinem Wesen nach nicht Gott, seine Schwäche überführt ihn. Denn, wenn er konnte und doch nicht schuf, hätte er uns gegenüber Bosheit gezeigt. So ist er entweder boshaft oder schwach; wenn er boshaft ist, sollen wir vor ihm fliehen, und wenn er schwach ist, so ist trügerisch seine ganze Güte. Wie jener, der uns geschaffen, so ist wahrhaft seine Güte, denn wie er ist auch sein Geschenk.

Gepriesen sei, der uns viele Hilfsmittel bot durch die drei Beziehungen, von denen ich sprach 3.

3. Die Irrlehrer behaupten arglistig, daß der Fremde nicht schaffe. Wenn nun aber ein Schöpfer ist, so gehört alles, was Schöpfung ist, eben diesem Schöpfer. Wessen Sohn ist wohl der, der den Kot bereitete 4 und die Blindheit öffnete und uns ein Bild des Schöpfers gab, der Adam schuf und der den Sabbat aufhob, indem er schuf wie sein Vater, der an allen Sabbaten durch Regengüsse Kot schafft?

Preis sei dir, Sohn unsers Schöpfers, der uns ein Bild unsers Schöpfers gab!

4. Die Worte der Trug redenden Leugner widerlegt die Wahrheit. Wenn nämlich der Fremde sich völlig entschlossen hat, nicht zu schaffen als Bildner und nicht aufzustellen als Schöpfer, und wenn er dann [doch] verstümmelte Glieder wiederherstellt, warum machte er so geringen Gebrauch [von seiner Macht]? Ist denn seine Güte von den vielen Hilfeleistungen erschöpft, daß sie nicht auch Geschöpfe erschaffen konnte?

Gepriesen sei der Gute, der seine Liebe zeigte durch die Schöpfung seinen Geschöpfen gegenüber!

5. War es freier Wille beim Fremden, nicht zu schaffen? Töricht war dann sein freier Wille, denn siehe, er verschloß die Quelle seiner Güter, da er viele Welten des Daseins und Lebens beraubte. Insofern ist auch seine Güte gegen uns tadelnswert, als der, welcher nur wenigen seine Liebe bezeigte, sie den vielen entzog. Indem er in das nicht ihm Gehörige kam, bewies er Erbarmen, das er dem, was sein war, entzog.

Gepriesen sei der Gute, der durch seinen Erstgeborenen seine Liebe zu den Geschöpfen zeigte!

6. Schüler der Raserei, Meister der Schmähung, Lehrmeister der Entfremdung und Prediger des Abfalls, die da rasen und leugnen und den Herrn des Alls, den Herrn der ganzen Welt beschimpfen! Hat denn „Legion“ 5 euch rasend gemacht? Siehe, unser Erlöser ist mitten in seiner Kirche, tretet ein, reinigt euch und lernet von ihm, wessen Sohn er ist: Der Sohn des Schöpfers ist er durch sein Werk, der Sohn des Bildners durch seine Schöpfung.

Jesus, bringe zur Ruhe die Rasenden, den Staub, der mit seinem Schöpfer Krieg führt!

7. Er streckte [heilte erstorbene] Hände, weil er ein Sohn des Schöpfers ist; er gab Brot, weil er ein Sohn des Ernährers ist; er ließ Sünden nach, weil er ein Sohn des Gütigen ist; er sprach „Wehe“ aus, weil er ein Sohn des Richters ist; er gebot dem Meere, weil er der Sohn des Mächtigen ist; er schalt den Dämon und schloß seinen Mund, weil er der Sohn des Starken ist; er tilgte das Volk, weil er der Sohn des Eifernden ist; er erlöste die Völker, weil er der Sohn des Gnädigen ist; er machte die Propheten aufhören und berief die Apostel zu ihren Zeiten als Herr des Weltalls.

Gepriesen sei der Eingeborene, der seinem Vater, dessen Gestalt die Leugner verwarfen, gleich ist!

8. Eben dies, Herr, daß du uns erschaffen, ist die Ursache der Güter, und dies, daß du uns ernährst, ist die Ursache der Segnungen; und ferner dies, daß du uns züchtigst, ist die Ursache der Erkenntnisse, und daß du uns auf erweckst, die Ursache des Lebens; und wer in diesen vollkommen ist, dessen Geschöpfe bedürfen des Fremden nicht, der gar nicht existiert, denn er genügt für all unsere Hilfe,

Gepriesen sei der Vollkommene in seiner Wesenheit, der auch seine Geschöpfe vollkommen machen will!

9. Auch ist die Gerechtigkeit ohne Güte unvollkommen, wie auch die Güte selbst der Gerechtigkeit bedarf. Mögen die Leugner hingehen und in den Schriften jenes Fremden lesen, denn Worte von beiden, von denen ich geredet, finden sich in ihren Büchern zur Abschreckung und zur Ermutigung. Von dort her nämlich werden sie überführt, daß der eine gut und gerecht.

In deiner Güte und in deiner Gerechtigkeit, o Herr, ist die Schönheit deiner Vollkommenheit abgebildet!

10. Gedenke meiner, o Herr! Anbetend flehe ich darum. Wenn ich über Dinge der Lust nachgrübelte, grübelte ich doch nicht über dich in Vorwitz nach; und wenn ich mich an Frevel heranwagte, ging ich doch nicht soweit, die zu erforschen; und wenn ich auch ein Sünder bin, bin ich doch kein Leugner [Abtrünniger]. Welchen Vorzug aber gabst du mir gegenüber den Leugnern, wenn ich wie jene verloren ginge? Deine Wahrheit ist größer als der Irrtum vermehre bei mir deine Gabe!

Preis sei dir, der du dich über mein Leben erbarmst, denn deine Wahrheit ist der Odem meiner Lebenskraft!

1: Die Strophen 6-8 sind metrisch übersetzt von Zingerle in der Innsbrucker Ausgabe, Band 4, S. 312 – 14.
2: Der metrische Aufbau der Strophen nach dieser Melodie ist folgender: 7, 7, 7, 8, 7, 7, 7, 4, 7, 7, 7, 7; der in jeder Strophe wechselnde Kehrvers hat 7 + 8 Silben. Vgl. Grimme, S. 67 f.; Lamy IV, S. 490; II, S. 786; III, S. 742.
3: Am Schlusse der 1. Strophe.
4: Vgl. ]oh. 9,6.
5: Vgl. Mark. 5,9.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. . Mehr
. . 29.
. . 30.
. . 31.
. . 32..
. . 33..
. . 34.
. . 35.
. . 36.
. . 37.
. . 38.
. . 39.
. . 40.
. . 41.
. . 42.
. . 43.
. . 44.
. . 45.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger